Poggenburg im Dauerfeuer

Poggenburg im Dauerfeuer: Kritische AfD- Abgeordnete haben „den Kanal voll“

Magdeburg - AfD-Chef auch aus den eigenen Reihen nach Kameltreiber-Rede in der Kririk

Von Jan Schumann

Sachsen-Anhalts AfD-Fraktionschef André Poggenburg gerät nach seiner rassistischen Aschermittwochsrede intern unter Druck. Am Dienstag wird die AfD im Landtag über die umstrittene Rede diskutieren, mehrere Abgeordnete wollen ihre Missbilligung aussprechen.

Poggenburg hatte Deutschtürken als „heimat- und vaterlandsloses Gesindel“ bezeichnet, „das wir hier nicht länger haben wollen“. Er beleidigte Türken als „Kameltreiber“ und „Kümmelhändler“.

Eine Welle der Entrüstung war über Poggenburg eingebrochen: Der AfD-Bundesvorstand erteilte eine Abmahnung, die Bundestagfraktion stellte sich einstimmig hinter diese Entscheidung - immerhin sitzen auch vier Sachsen-Anhalter in Berlin.

Es brodelt auch in Magdeburg: Einige Abgeordnete „haben den Kanal“ voll, sagt ein Mitglied. „Das ist nicht mein Ton“, sagte ein anderer. Angesichts der schwindenden internen Unterstützung sehen einzelne Abgeordnete sogar schon Poggenburgs Stuhl wackeln.

Der Landeschef selbst hatte nach der Aschermittwochsrede in einer E-Mail an AfD-Mitglieder von „künstlicher Entrüstung der linken Medien“ gesprochen und zudem öffentlich betont, es handele sich um „zugespitzte Politsatire“. Zudem warnte er mit Blick auf die AfD-Wähler: Ein zu „angepasstes Agieren“ könnte treue Unterstützer verschrecken.

Doch Poggenburg wird nun auch von einem gerügt, der lange als geistiger Verbündeter galt: dem neurechten Verleger Götz Kubitschek aus Schnellroda (Saalekreis). „Ich bin ein strikter Gegner solcher Vokabeln wie Halbneger, Kameltreiber oder Kümmelhändler“, sagte Kubitschek jüngst auf einer Demo in Cottbus. „Uns wohlgesonnene Bürger, die den Schritt zu uns herüber wagen wollen, schreckt das zurück!“

Poggenburg dreht indes weiter öffentlich auf. So kommentierte er die Benennung Ursula von der Leyens (CDU) als mögliche Verteidigungsministerin am Sonntag: „Das dürfte einem Hochverrat gleichkommen, da es einen militärischen Gegner unmittelbar in Versuchung führt und förmlich einlädt, Deutschland früher oder später anzugreifen!“ (mz)