Einstellung von Geschäftsführerin im Fokus

Lotto Sachsen-Anhalt: Einstellung von Geschäftsführerin im Fokus - Dubiose Umstände bei Topjobs

Magdeburg - In der Affäre um Sachsen-Anhalts staatliche Lottofirma erhärtet sich der Verdacht, dass bei der Besetzung von Spitzenposten getrickst wurde. Die MZ hatte aufgedeckt, dass die wegen anderer Vorwürfe derzeit suspendierte Geschäftsführerin Maren Sieb bei ihrer Bewerbung 2012 einen Diplomtitel angegeben hatte, den sie in Wahrheit gar nicht ...

Von Hagen Eichler

In der Affäre um Sachsen-Anhalts staatliche Lottofirma erhärtet sich der Verdacht, dass bei der Besetzung von Spitzenposten getrickst wurde. Die MZ hatte aufgedeckt, dass die wegen anderer Vorwürfe derzeit suspendierte Geschäftsführerin Maren Sieb bei ihrer Bewerbung 2012 einen Diplomtitel angegeben hatte, den sie in Wahrheit gar nicht besitzt.

Überprüft wurde Siebs Angabe offenbar nie. Am Freitag befragte der Lotto-Untersuchungsausschuss zwei damalige Mitglieder des Aufsichtsrates, die früheren Staatssekretäre Heiko Geue (SPD) und Ulf Gundlach (CDU). Die formale Qualifikation von Sieb sei im Aufsichtsrat nie Thema gewesen, sagten beide aus. „Wir sind davon ausgegangen, dass der Personaldienstleister die Angaben überprüft“, sagte Geue.

Warum wählte der Aufsichtsrat Sieb aus, trotz der nicht erfüllten Voraussetzungen?

Das Finanzministerium hatte damals die Firma Kienbaum einbeauftragt, geeignete Bewerber zu finden. Rund 100.000 Euro brutto zahlte das Land dafür. Dass der von Sieb behauptete Abschluss gar nicht existierte, fiel offenbar niemandem auf.

Voraussetzung für den Chefposten bei Lotto waren zudem ein Hochschulabschluss in Jura oder Wirtschaftswissenschaften oder eine vergleichbare „überdurchschnittliche Formalbildung“ sowie Kenntnisse im Glücksspielrecht. Sieb hingegen war eine frühere Radiomoderatorin und damals Inhaberin einer Werbeagentur. 2011 hatte sie für den damaligen Finanzminister Jens Bullerjahn (SPD) den Wahlkampf organisiert.

Warum wählte der Aufsichtsrat Sieb aus, trotz der nicht erfüllten Voraussetzungen?, wollte der AfD-Landtagsabgeordnete Jan Wenzel Schmidt wissen. „Weil sie als PR-Managerin Kenntnisse hatte“, antwortete Geue. Lotto habe so eine Person gebraucht, um sich gegen illegale Glückspiel-Konkurrenz zu behaupten.

Fragen wirft auch die Bestellung von Siebs einstigem Ko-Geschäftsführer Klaus Scharrenberg auf, im Amt von 2012 bis 2017. Über dessen Bewerbung urteilte der Personalberater Kienbaum vernichtend: „Eine Eignung als Geschäftsführer wird nicht gesehen.“ Der Lotto-Aufsichtsrat gab Scharrenberg den Posten trotz dieser Warnung. Erklärungen blieben die beiden Zeugen schuldig. (mz)