Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt

Krankenhäuser in Sachsen-Anhalt: Krankenkasse Barmer fordert Schließung von Kliniken

Magdeburg - Sachsen-Anhalt hat zu viele Krankenhäuser und riskiert damit, dass Patienten wegen fehlender Spezialisierung nicht optimal versorgt werden.  Zu diesem Schluss kommt die Barmer Ersatzkasse, Deutschlands zweitgrößte ...

Von Hagen Eichler 09.03.2019, 01:00

Sachsen-Anhalt hat zu viele Krankenhäuser und riskiert damit, dass Patienten wegen fehlender Spezialisierung nicht optimal versorgt werden.  Zu diesem Schluss kommt die Barmer Ersatzkasse, Deutschlands zweitgrößte Krankenkasse. 

Derzeit betreiben Kommunen, Konzerne und gemeinnützige Träger 48 Krankenhäuser im Land. „42  würden reichen“, sagte Barmer-Landesgeschäftsführer Axel Wiedemann der MZ. „Vor allem Halle und Magdeburg sind überversorgt.“

Aus seiner Sicht würden in Halle  drei statt fünf Häuser reichen. „Die AOK hat festgestellt, dass viele Hallenser Gesundheitsleistungen in Leipzig wahrnehmen. Warum hält man dann trotzdem an der jetzigen Struktur fest?“ Für Magdeburg hält der Kassen-Manager „zwei bis drei“ Krankenhäuser angemessen, tatsächlich sind es vier.

Grimm-Benne lehnt Schließungen ab

Die Zahl der Kliniken legt das Sozialministerium in einem Krankenhausplan fest. Ressortchefin Petra Grimm-Benne (SPD) lehnt Schließungen strikt ab. „Wir brauchen eine gute Krankenhausversorgung in der Fläche“, sagte sie. Kleine Standorte auf dem Land dürften nicht verschwinden, sondern müssten  im Gegenteil aufgewertet und zu „regionalen Gesundheitszentren“ ausgebaut werden.

Die Barmer hat deutschlandweit neun Millionen Versicherte, davon 280 000 in Sachsen-Anhalt. Der Kasse geht es nach eigenen Angaben nicht um Kostensenkung, sondern um die Qualität der Versorgung. Landesgeschäftsführer Wiedemann argumentiert, für viele Operationen müssten Ärzte eine hohe Zahl an Fällen erreichen, um ausreichend Sicherheit zu haben und beste Ergebnisse zu erzielen. Das Argument der Wohnortnähe stehe nicht über allem, sagte Wiedemann. Die Versorgung in einem spezialisierten Krankenhaus sei besser als jene im nächstbesten - das gelte bis zu einer Transportzeit von einer Stunde.

Auch in Kleinstädten müssten sich die Strukturen ändern, fordert Wiedemann.  Ein Beispiel: „Man könnte die Standorte Naumburg, Zeitz, Merseburg und Querfurt unter ein Dach bringen. Dann hätte man ein kommunales Haus mit vier Standorten, die sich spezialisieren.“ Naumburg und Zeitz werden vom Burgenlandkreis betrieben, Merseburg und Querfurt vom Saalekreis.

Derzeit arbeitet Sozialministerin Grimm-Benne an einem neuen Krankenhausgesetz, das den Rahmen für die nächsten Jahre setzen soll. Laut Gesetzentwurf müssen Kassen und Krankenhäuser künftig Leistungs- und Qualitätsvereinbarungen abschließen.

Barmer fordert Sanktionen für Kliniken

Die Barmer rügt jedoch, es fehle an Konsequenzen, falls Kliniken gegen Vereinbarungen verstoßen - etwa weil sie zu geringe Fallzahlen erreichen. „Wenn es um Qualität geht, muss das Ministerium auch Sanktionen aussprechen können. Dazu gehört, dass Abteilungen oder auch Standorte gegebenenfalls geschlossen werden“, sagte Barmer-Landeschef Wiedemann. Vor solchen Maßnahmen schrecke Grimm-Benne aber zurück: „Ihr reicht es, das Ganze von der Seitenlinie aus zu beobachten.“

Auch Sachsen-Anhalts größte Krankenkasse, die AOK, fordert verbindliche Qualitätsvorgaben. „Nur auf dieser verbindlichen Grundlage können auch Rettungsdienste schnell entscheiden, welche die nächstgelegene und am besten geeignete Klinik für den Patienten ist“, sagte AOK-Sprecherin Anna Mahler.
In Sachsen-Anhalt kommen auf 100.000 Einwohner derzeit 707 Krankenhausbetten. Im Bundesschnitt sind es dagegen lediglich 601. Die Zahl der stationären Behandlungen steigt seit Jahren an - und das weitaus stärker als im Bundesschnitt. Eine Ursache dafür ist der hohe Anteil alter Menschen im Land. (mz)