Hitler, Runen, SS-Männer

Hitler, Runen, SS-Männer: AfD schickt Andreas Kühn in die Wüste

Magdeburg - Weil er im Internet für Adolf Hitler, die SS und NS-Devotionalien den Daumen hob, ist der AfD-Mann Andreas Kühn seinen Posten als Direktkandidat zur Bundestagswahl los.

Von Jan Schumann 10.07.2017, 19:24
Andreas Kühn ist seinen Posten als Direktkandidat zur Bundestagswahl los.
Andreas Kühn ist seinen Posten als Direktkandidat zur Bundestagswahl los. dpa-Zentralbild

Weil er im Internet für Adolf Hitler, die SS und NS-Devotionalien den Daumen hob, ist der AfD-Mann Andreas Kühn seinen Posten als Direktkandidat zur Bundestagswahl los. Der AfD-Landesvorstand um Vorsitzenden André Poggenburg hat entschieden, Kühns Kandidatur im Wahlkreis 67 (Börde Jerichower Land) nicht bei der Landeswahlleiterin zu melden.

So wird die AfD in dem Wahlkreis wohl ohne Direktkandidat bleiben, denn die Frist zur Kandidatenmeldung endet bereits am kommenden Montag.

Brisant: Kühn war von der Basis im Mai gewählt worden, nachdem schon Vorgänger Wolfgang Rehfeld in Ungnade des Landesvorstands gefallen war. Rehfeld war Mitglied einer geheimen, vorstandskritischen Whatsapp-Gruppe. Dort wurde vom Umsturz im AfD-Landesverband geträumt. Bei einer neuen, hochumstrittenen Kandidatenwahl im Mai hatte sich dann Andreas Kühn durchgesetzt.

Poggenburg: Großer Ansehensschaden der AfD durch Andreas Kühn

Dessen Facebook-Vorlieben, die einen unkritischen Umgang mit dem Nationalsozialismus nahe legen, sind seit Monaten bekannt. Unter anderem markierte er ein Bild von Adolf Hitler mit „gefällt mir“, auch diverse SS-Männer finden seinen Zuspruch.

Am Sonntag teilte Landeschef Poggenburg nun mit, dass „abzulehnende Äußerungen und Positionierungen zum Dritten Reich durch Herrn Kühn“ einen „großen Ansehensschaden der AfD hervorrufen“ können. Weiter: „Dies zu verhindern liegt hier in der Verantwortung der Landesverbandsführung.“ Der gewählte Kandidat darf nicht antreten.

Kritik von AfD-Mitgliedern an eigenmächtiger Entscheidung im Landesvorstand

Poggenburg sagte, das öffentliche Bekenntnis zu SS-Kämpfern und der unkritische Umgang mit Adolf Hitler „sind für die AfD in keiner Weise tragbar und machen eine Kandidatur für und im Namen der AfD unmöglich“.

AfD-Mitglieder in der Börde sehen das anders, sind erneut empört über eigenmächtiges Entscheiden im Landesvorstand. „Eine absolute Frechheit“ sei es, dass sich die Landesspitze „zum zweiten Mal über eine Mehrheitsentscheidung hinweg setzt“, so Börde-Kreischef Felix Zietmann. Der Verband wolle nun beraten, wie er damit umgehe. Die kurzfristige Neuwahl eines Kandidaten in nur wenigen Tagen gilt aber als unwahrscheinlich. Kreischef Zietmann kündigte an, gegen die Vorstands-Entscheidung möglicherweise Beschwerde beim Landesschiedsgericht einzulegen. (mz)