Erstmals seit 150 Jahren

Der Wolf erreicht den Süden Sachsen-Anhalts

Halle (Saale) - Der Wolf ist erstmals seit 150 Jahren wieder im Süden Sachsen-Anhalts festgestellt worden. Offenbar rückt das Raubtier immer weiter auch in dicht besiedelte Gebiete vor.

Von Nicolas Ottersbach 16.11.2016, 14:25

Der Wolf ist erstmals seit 150 Jahren wieder im Süden Sachsen-Anhalts festgestellt worden. Offenbar rückt das Raubtier immer weiter auch in dicht besiedelte Gebiete vor. Wie erst jetzt bestätigt wurde, hat ein Autofahrer auf der  B 100 bei Landsberg  (Saalekreis) vor zwei Wochen ein männliches Tier überfahren. „Das ist der erste sichere Nachweis“, hieß es am Dienstag aus dem Umweltministerium in Magdeburg.

Wölfe in Altmark und in der Dübener Heide

Experten haben den weiteren Vormarsch bereits erwartet. Das erste Tier wurde 2008 in Sachsen-Anhalt entdeckt. Seitdem breiten sich die Wölfe von Osten Richtung Nordwesten aus. Aktuell gebe es in Sachsen-Anhalt ein Wolfspaar und zwölf Wolfsrudel, teilte das Landesamt für Umweltschutz mit. In der Altmark und in der Dübener Heide sind die Tiere bereits wieder heimisch geworden.

Der Landesbauernverband sieht die Entwicklung kritisch. Immer häufiger würden Tiere wie Schafe durch den Wolf gerissen. Das zeigt auch die Statistik des Landesumweltamtes: So stieg die Zahl der getöteten Tiere von 40 im Jahr  2014 auf 75 im Vorjahr. Und der Trend hält an. So wurden im laufenden Jahr bereits mehr als 100 Tiere von Wölfen getötet.

Wölfe in Sachsen-Anhalt: Das Raubtier verliert seine

„Die Wölfe verlieren die Scheu“, sagte Christian  Apprecht, Sprecher des  Landesbauernverbandes. Daher müsse darüber gesprochen werden, ab welcher Population der Schutzstatus der Wölfe herabgesetzt werden könne. Um die Tiere abzuschrecken, bräuchten sie jedoch  nicht  getötet werden. „Man kann sie beispielsweise  mit Gummigeschossen vertreiben.“ Auch der Landesjagdverband ist alarmiert. „Es ist zu erwarten, dass der Wolf  auch den Süden  Sachsen-Anhalts besiedeln wird“, sagte Wilko Florstedt, Geschäftsführer des Landesjagdverbandes.  

Umweltministerin Claudia Dalbert (Grüne) teilt  entsprechende Befürchtungen der Jäger aber nicht. Es sei unwahrscheinlich, dass die Tiere sich nun im Süden des Landes ansiedeln würden. „Es gibt hier gar keine Lebensräume, in denen sie sich wohlfühlen und  ausreichend Rotwild  zum Jagen finden würden“, sagte die Ministerin der MZ. Der bei Landsberg überfahrene Wolf sei offenkundig durchgewandert. Daraus lasse sich  nicht auf eine Ansiedlung schließen.

Der Naturschutzbund  (Nabu) sieht es als gutes Zeichen für die heimische Natur an, dass der Wolf zurückkehrt, versteht aber auch die Sorgen der Landwirte. Nabu-Landeschefin Annette Leipelt hatte bereits Anfang des Jahres höhere Entschädigungszahlungen für betroffene Halter von Nutztieren gefordert. „Nur so wird man es schaffen, langfristig für Akzeptanz zu sorgen.“ Umgekehrt gebe es jedoch auch keinen hundertprozentigen Schutz. „Man kann die Wölfe ja nicht einzäunen“, betonte Leipelt.

Problematisch sind aus Sicht des Umweltverbandes vor allem Wölfe, die sich von ihren Rudeln lösen, umherstreifen und sich neue Lebensräume erschließen. Wie Dalbert geht auch der Landesjagdverband davon aus, dass es sich bei dem Wolf aus Landsberg um einen solchen Wanderwolf handelte. Der Kadaver des Tieres, das mindestens eineinhalb Jahre alt gewesen ist, wird derzeit am Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin untersucht. (mz)