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Kommentar zum Streit zwischen Halloren und Lidl Der Schoko-Showdown

Halloren legt sich mit Lidl an. Warum das mehr ist als ein Marketing-Coup zur Imagepflege.

Von Alexander Schierholz 01.08.2024, 06:00
Als Lösung für die Probleme zwischen Lieferanten und dem Einzelhandel taugt die hallesche Schoko-Diät nicht, meint unser Kommentator.
Als Lösung für die Probleme zwischen Lieferanten und dem Einzelhandel taugt die hallesche Schoko-Diät nicht, meint unser Kommentator. (Foto: MZ / Stedtler)

Halle/MZ - Als Manager ist Darren Ehlert eine eher ungewöhnliche Erscheinung. Der Chef des halleschen Schokoladenproduzenten Halloren trägt häufig T-Shirt und Jeans statt Hemd und Anzug. Er schickt umgebaute Trabis vor westdeutsche Supermärkte, um für das Ost-Produkt Halloren-Kugeln zu werben. Er wohnt in einem Wohnmobil neben seiner Firma. Darren pflegt mit seinem Auftreten das Bild des unkonventionellen, kreativen Machers, der nah bei seinen Leuten ist.

Dazu passt die jüngste Nachricht aus Deutschlands ältester Schokoladenfabrik: Halloren legt sich mit Lidl an, einer der größten deutschen Supermarktketten. Das hallesche Unternehmen wirft dem Handel Dumpingpreise vor, die es nicht länger akzeptieren will. Stattdessen schickt es seine Belegschaft vorübergehend in Kurzarbeit. Und bei Lidl werden die Schokoladenregale leerer.

Vier große Einzelhandelsketten teilen den Markt in Deutschland praktisch unter sich auf

Der ostdeutsche David gegen den westdeutschen Goliath? Das stimmt, und doch ist das hier mehr als ein Marketing-Coup zur Imagepflege. Der Halloren-Chef macht besonders drastisch auf einen Umstand aufmerksam, den Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie schon lange beklagen: Vier große Einzelhandelsketten teilen den Markt in Deutschland praktisch unter sich auf. Lieferanten und Produzenten fühlen sich gegängelt, sprechen von Preisdiktaten und unfairen Bedingungen.

Als Lösung dafür taugt die hallesche Schoko-Diät aber nicht. Dazu ist die Lage zu komplex. Preise sind nicht nur abhängig von der Macht des Einzelhandels in Deutschland, sondern auch von Entwicklungen auf dem Weltmarkt – siehe Kakao. Und Firmenchefs haben nicht nur die Aufgabe, Verluste von ihrem Unternehmen abzuwenden, sie haben auch eine Verantwortung für ihre Beschäftigten. Ehlert muss die Umsatzlücken, die der Streit mit Lidl gerissen hat, schnell stopfen. Sonst werden die nächsten Nachrichten von Halloren womöglich keine guten mehr sein.