1. MZ.de
  2. >
  3. Mitteldeutschland
  4. >
  5. Sachsen-Anhalt
  6. >
  7. Unterricht in der DDR: Diese Schulfächer wurden abgeschafft

Kindheit im Osten Erinnern Sie sich? Diese besonderen Schulfächer gab es nur in der DDR

Die Schule in der DDR war ganz anders als heute. Neben Lesen und Rechnen spielten Politik und Erziehung eine große Rolle. Welche Pflichtfächer es gab und was davon bis heute geblieben ist.

Von Jonas Lohrmann Aktualisiert: 22.01.2026, 16:29
Unterricht in der DDR bedeutete mehr als Mathematik und Deutsch. Schule sollte erziehen und auf den Staat vorbereiten.
Unterricht in der DDR bedeutete mehr als Mathematik und Deutsch. Schule sollte erziehen und auf den Staat vorbereiten. (Foto: Imago/frontalvision.com)

Magdeburg/Halle (Saale)/DUR. – Das Schulsystem in der DDR war anders als heute. Schule sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern junge Menschen im Sinne des Staates erziehen.

Deshalb gab es Fächer, die heute kaum noch existieren. Viele davon waren Pflichtfächer und im ganzen Land verbreitet.

Shopping-Tipp: Das Buch "Kindheit in der DDR" direkt online kaufen (*)

Mit dem Klick auf obigen Affiliate-Link erklären Sie Ihre Einwilligung zu einer Übermittlung von Daten an unseren jeweiligen Affiliate-Partner und dessen Datenverarbeitung zur möglichen Provisionsabrechnung zu. Weitere Informationen hierzu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung .

Dieser Artikel enthält Produkt-Empfehlungen. Beim Kauf über unsere Affiliate-Links (mit * gekennzeichnet) erhalten wir eine Provision, die unseren unabhängigen Journalismus unterstützt. Hier können Sie mehr über Affiliate Marketing erfahren.

Hinweis: Preise, Aktionen und Rabatte in Onlineshops sind ständig in Bewegung. Daher können wir keine einhundertprozentige Garantie für deren Aktualität in unseren Artikeln geben.

1. Schulgartenunterricht in der DDR: Lernen zwischen Beeten und Gießkannen

Schon in den ersten vier Klassen begann Schule nicht immer im Klassenzimmer. Oft ging es hinaus in den Schulgarten. Dort legten die Kinder Beete an, säten Möhren oder Radieschen, gossen Pflanzen und warteten geduldig auf die Ernte. Sie lernten, wie aus einem kleinen Samenkorn etwas Großes wird.

Schulgartenunterricht in den Klassen eins bis vier in der DDR: Kinder pflanzen, säen und pflegen gemeinsam Beete.
Schulgartenunterricht in den Klassen eins bis vier in der DDR: Kinder pflanzen, säen und pflegen gemeinsam Beete.
Foto: Imago/Frank Sorge

Der Schulgartenunterricht hatte einen besonderen Charakter. Er wurde meistens nicht bewertet. Niemand musste Angst vor einer schlechten Note haben. Stattdessen standen Geduld, Verantwortung und gemeinsames Arbeiten im Mittelpunkt. Die Kinder sollten verstehen, dass Ergebnisse Zeit benötigen und Pflege erfordern.

Lesen Sie auch: Zuckertüte, Jugendklubs, Wehrunterricht: Was von der DDR-Kindheit in Erinnerung bleibt

Heute gibt es nur noch vereinzelt Schulgärten. Größtenteils sind sie freiwillig und Teil von Arbeitsgemeinschaften. Als festes Pflichtfach gehören sie kaum noch zum Schulalltag.

2. Russisch statt Englisch: Erste Fremdsprache im DDR-Schulsystem

Ab der fünften Klasse begann der Fremdsprachenunterricht – und der hieß fast immer Russisch. Englisch spielte lange Zeit kaum eine Rolle. Stattdessen lernten die Schülerinnen und Schüler das kyrillische Alphabet, einfache Gespräche, Gedichte und Lieder.

Außerdem interessant: "Urster Subbotnik"! Nur echte Ossis wissen, was diese DDR-Wörter bedeuten

Russisch war ein Pflichtfach und wurde streng benotet. Ziel war nicht nur der Erwerb sprachlicher Fähigkeiten. Der Unterricht sollte zugleich die enge politische und ideologische Bindung an die Sowjetunion stärken, die als "großer Bruder" und wichtigster Verbündeter der DDR galt.

Shopping-Tipp: Das Buch "Schule und Erziehung in der DDR" direkt online kaufen (*)

Viele Ossis erinnern sich bis jetzt an einzelne russische Wörter oder Lieder aus dem Unterricht. Heute ist Englisch nahezu überall die erste Fremdsprache. Russisch wird nur noch an wenigen Schulen angeboten, meist als zweite Fremdsprache neben Latein und Französisch.

3. Einführung in die sozialistische Produktion (ESP): Einstieg in die Arbeitswelt

Ab der siebten Klasse wurde es ernster. Jetzt kam das Pflichtfach Einführung in die sozialistische Produktion, kurz ESP. In diesem Fach ging es nicht nur um Wirtschaft. Die Jugendlichen lernten, wie ein sozialistischer Betrieb aufgebaut ist, wie Planwirtschaft funktioniert und warum Arbeit als „Dienst an der Gesellschaft“ galt.

Lesen Sie auch: Kennen Sie sie noch? Diese Vornamen waren in der DDR besonders beliebt

Sie erfuhren, welche Aufgaben ein Betrieb hat, wer dort Entscheidungen trifft und wie Produktionsziele festgelegt werden. Auch Themen wie Technik, Maschinen oder einfache Arbeitsabläufe gehörten dazu.

4. Produktive Arbeit (PA): Arbeiten im echten Betrieb

Während im Fach ESP vor allem Grundlagen über Betriebe, wirtschaftliche Abläufe und die Rolle der Arbeit im Sozialismus vermittelt wurden, ging es bei der Produktiven Arbeit (PA) einen Schritt weiter. Hier sollten die Jugendlichen selbst aktiv mitarbeiten.

Jugendliche arbeiten in einer Fahrradwerkstatt und sammeln erste Erfahrungen im Arbeitsalltag.
Jugendliche arbeiten in einer Fahrradwerkstatt und sammeln erste Erfahrungen im Arbeitsalltag.
Foto: Imago/Ulrich Hässler

In vielen Schulen begann PA ab der neunten oder zehnten Klasse. Einmal pro Woche verließen die Schülerinnen und Schüler das Schulgebäude und arbeiteten in einem Partnerbetrieb. Das konnte eine LPG, ein VEB, eine Werkstatt oder ein ganzes Kombinat sein. Dort packten sie richtig mit an: je nach Betrieb beim Pflanzen, Montieren, Sortieren oder Verpacken.

Außerdem interessant: Erinnern Sie sich noch? Diese Kinderbücher lagen in fast jedem DDR-Kinderzimmer

Der Gedanke dahinter: Jugendliche sollten früh erleben, wie sozialistische Arbeit aussieht. Heute gibt es das nicht mehr. Stattdessen machen Schüler kurze Praktika oder nehmen an Berufsorientierungstagen teil, ohne politischen Hintergrund und viel weniger verbindlich als damals.

5. Staatsbürgerkunde: Politische Erziehung als Pflichtfach

Ebenfalls ab der siebten Klasse stand Staatsbürgerkunde auf dem Stundenplan. In diesem Fach ging es um Politik, den Aufbau des Staates und die sozialistische Ideologie. Die Rolle der Partei (SED) wurde erklärt, ebenso die angeblichen Vorteile des Sozialismus gegenüber anderen politischen Systemen.

Zudem lesenswert: So schmeckte die DDR! Schulessen, das jeder Ossi noch kennt

Ziel war nicht keine offene Diskussion, sondern die Vermittlung einer klaren politischen Haltung. Das Fach wurde benotet und sehr ernst genommen. Kritische Fragen waren nicht erwünscht.

Shopping-Tipp: Das Buch "Wie war das in der DDR?" direkt online kaufen (*)

Heute gibt es politische Bildung weiterhin, etwa in Sozialkunde oder Politik. Diese Fächer lassen jedoch unterschiedliche Meinungen zu.

6. Wehrerziehung an DDR-Schulen: Militärischer Unterricht für Jugendliche

Ende der 1970er-Jahre kam ein weiteres Pflichtfach hinzu: die Wehrerziehung. Sie begann meist ab der neunten Klasse. Die Jugendlichen erhielten militärisches Grundwissen, lernten Disziplin, Ordnung und Verhalten im Gelände. Teilweise gehörten auch mehrtägige Wehrlager dazu.

Lesen Sie auch: Krimi, Spuk und Sandmännchen: Diese DDR-Serien muss jeder Ossi kennen!

Nicht alle mochten dieses Fach, aber es war verbindlich. In manchen Fällen gab es sogar Bewertungen. Ziel war es, die Jugendlichen früh auf den Wehrdienst vorzubereiten und Loyalität gegenüber Staat und Armee zu fördern. Heute gibt es keinen militärischen Pflichtunterricht an Schulen mehr.