Bildung im Osten Kennen Sie sie noch? Diese Schulfächer verschwanden mit der DDR
Die Schule in der DDR war ganz anders als heute. Neben Lesen und Rechnen ging es auch um Politik und Erziehung zu sozialistischen Persönlichkeiten. Welche Pflichtfächer es gab und was davon heute geblieben ist.

Magdeburg/Halle (Saale)/DUR. – Das Schulsystem in der DDR war anders als heute. Schule sollte nicht nur Wissen vermitteln, sondern junge Menschen im Sinne des Staates erziehen.
Deshalb gab es Fächer, die heute kaum noch existieren. Viele davon waren Pflichtfächer und im ganzen Land verbreitet.
1. Schulgartenunterricht in der DDR: Lernen zwischen Beeten und Gießkannen
Schon in den ersten vier Klassen begann Schule nicht immer im Klassenzimmer. Oft ging es hinaus in den Schulgarten. Dort legten die Kinder Beete an, säten Möhren oder Radieschen, gossen Pflanzen und warteten geduldig auf die Ernte. Sie lernten, wie aus einem kleinen Samenkorn etwas Großes wird.

Der Schulgartenunterricht hatte einen besonderen Charakter. Er wurde meistens nicht bewertet. Niemand musste Angst vor einer schlechten Note haben. Stattdessen standen Geduld, Verantwortung und gemeinsames Arbeiten im Mittelpunkt. Die Kinder sollten verstehen, dass Ergebnisse Zeit benötigen und Pflege erfordern.
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Heute gibt es nur noch vereinzelt Schulgärten. Größtenteils sind sie freiwillig und Teil von Arbeitsgemeinschaften. Als festes Pflichtfach gehören sie kaum noch zum Schulalltag.
2. Russisch statt Englisch: Erste Fremdsprache im DDR-Schulsystem
Ab der fünften Klasse begann der Fremdsprachenunterricht – und der hieß fast immer Russisch. Englisch spielte lange Zeit kaum eine Rolle. Stattdessen lernten die Schülerinnen und Schüler das kyrillische Alphabet, einfache Gespräche, Gedichte und Lieder.
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Russisch war ein Pflichtfach und wurde streng benotet. Ziel war nicht nur der Erwerb sprachlicher Fähigkeiten. Der Unterricht sollte zugleich die enge politische und ideologische Bindung an die Sowjetunion stärken, die als "großer Bruder" und wichtigster Verbündeter der DDR galt.
Viele Ossis erinnern sich bis jetzt an einzelne russische Wörter oder Lieder aus dem Unterricht. Heute ist Englisch nahezu überall die erste Fremdsprache. Russisch wird nur noch an wenigen Schulen angeboten, meist als zweite Fremdsprache neben Latein und Französisch.
3. Einführung in die sozialistische Produktion (ESP): Schule und Arbeit eng verknüpft
Ab der siebten Klasse wurde es ernster. Jetzt kam das Fach Einführung in die sozialistische Produktion, kurz ESP. Im Unterricht lernten die Jugendlichen, wie Betriebe aufgebaut sind, wie geplant wird und warum Arbeit im Staat eine wichtige Rolle spielte.

Doch ESP blieb nicht nur theoretisch. Regelmäßig verließen die Klassen das Schulgebäude und arbeiteten in Betrieben, Werkstätten oder auf Feldern. Diese Einsätze sollten früh an das Arbeitsleben heranführen und das Gefühl stärken, Teil des gesellschaftlichen Ganzen zu sein.
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ESP war ein benotetes Pflichtfach. Heute existiert es nicht mehr. Stattdessen gibt es Berufsorientierung oder Praktika, allerdings ohne politische Zielvorgaben.
4. Staatsbürgerkunde: Politische Erziehung als Pflichtfach
Ebenfalls ab der siebten Klasse stand Staatsbürgerkunde auf dem Stundenplan. In diesem Fach ging es um Politik, den Aufbau des Staates und die sozialistische Ideologie. Die Rolle der Partei (SED) wurde erklärt, ebenso die angeblichen Vorteile des Sozialismus gegenüber anderen politischen Systemen.
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Ziel war nicht keine offene Diskussion, sondern die Vermittlung einer klaren politischen Haltung. Das Fach wurde benotet und sehr ernst genommen. Kritische Fragen waren nicht erwünscht.
Heute gibt es politische Bildung weiterhin, etwa in Sozialkunde oder Politik. Diese Fächer lassen jedoch unterschiedliche Meinungen zu.
5. Wehrerziehung an DDR-Schulen: Militärischer Unterricht für Jugendliche
Ende der 1970er-Jahre kam ein weiteres Pflichtfach hinzu: die Wehrerziehung. Sie begann meist ab der neunten Klasse. Die Jugendlichen erhielten militärisches Grundwissen, lernten Disziplin, Ordnung und Verhalten im Gelände. Teilweise gehörten auch mehrtägige Wehrlager dazu.
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Nicht alle mochten dieses Fach, aber es war verbindlich. In manchen Fällen gab es sogar Bewertungen. Ziel war es, die Jugendlichen früh auf den Wehrdienst vorzubereiten und Loyalität gegenüber Staat und Armee zu fördern. Heute gibt es keinen militärischen Pflichtunterricht an Schulen mehr.