Das grüne Haus

Das grüne Haus: Claudia Dalbert leitet ein Superministerium

Magdeburg - Die Dissonanzen der letzen Tage? Bitte keine Fragen mehr. „Ich freue mich, dass die Arbeit nun endlich losgehen kann“, sagte Claudia Dalbert. Die bisherige Grünen-Fraktionsvorsitzende und frisch ernannte Ministerin im neuen Kabinett wollte nicht mehr über die Anfeindungen der vergangenen Tage sprechen. „Ich werde als erstes die Mitarbeiter im Ministerium kennenlernen und freue mich auf die Arbeit im ...

Von Jan Schumann 26.04.2016, 09:58

Die Dissonanzen der letzen Tage? Bitte keine Fragen mehr. „Ich freue mich, dass die Arbeit nun endlich losgehen kann“, sagte Claudia Dalbert. Die bisherige Grünen-Fraktionsvorsitzende und frisch ernannte Ministerin im neuen Kabinett wollte nicht mehr über die Anfeindungen der vergangenen Tage sprechen. „Ich werde als erstes die Mitarbeiter im Ministerium kennenlernen und freue mich auf die Arbeit im Kabinett.“

Claudia Dalbert, die künftige Umwelt-, Agrar- und Energieministerin, steht in der neuen Regierungsmannschaft besonders im Fokus. Nicht nur, weil die 61-Jährige die erste Politikerin der Ökopartei seit 18 Jahren ist, die in Magdeburg ein Ministerium leitet: Sie war in den vergangenen Wochen auch die umstrittenste Personalie unter den zuvor durchgespielten Besetzungen. Nur Dalbert schaffte es, schon vor der Ernennung zur Ressortchefin einen Proteststurm und eine Demonstration mit mehr als 300 Teilnehmern vor dem Landtag auszulösen. „Dalbert verhindern!“ stand auf den Schildern der Landwirte, Förster und Landbesitzer. Lobbygruppen wie der Bauernverband fürchten eine grüne Ressortchefin. Umweltschutz ohne finanzielle Kompensation, so heißt die dunkle Vision, und zwar auf Kosten der kleinen Landwirte.

Dalbert registrierte sehr wohl, „dass da auch die erste Reihe der CDU gegen den Koalitionspartner demonstrierte“, wie sie sagte. Gemeint waren der frisch gewählte Parlamentspräsident Hardy Peter Güssau und Markus Kurze, parlamentarischer Geschäftsführer der Fraktion. Das Umweltministerium war seit 2002 eine CDU-Domäne, die Christdemokraten sehen sich als Interessenvertreter im ländlichen Raum. Es wäre verständlich gewesen, doch am Tag der Anti-Grünen-Demo verkniff sich die designierte Ministerin einen empörten Aufschrei. Es werde sich schon ein Modus mit dem Lobbygruppen finden, sagte Dalbert am Dienstag.

Dabei ist der Weg ins Umweltministerium vermutlich nicht Dalberts erste Wahl gewesen, wenn es ausschließlich nach ihren Wünschen gegangen wäre. Die gebürtige Kölnerin ist eine ausgemachte Bildungsexpertin, sie schuf sich im Landtag auf diesem Feld einen guten Ruf. Die Psychologin lässt ihre Professur an der Martin-Luther-Universität in Halle ruhen, seit sie die Grünen 2011 zurück in den Landtag führte. Damals beendete Dalbert eine mehr als zehn Jahre währende Durststrecke der Grünen und holte die Ökopartei aus der außerparlamentarischen Opposition – und zwar als unerfahrene Spitzenkandidatin, die erst seit vier Jahren Parteimitglied war. Zwar gilt sie keineswegs als glühender Volkstribun, nicht einmal unter den eigenen Leuten – doch die großen Erfolge der Landes-Grünen sind in den vergangenen Jahren mit ihrem Namen verknüpft.

Seit dem Landtagseinzug 2011 hat Dalbert der Fraktion im Landtag einen eigenen Schliff verpasst. Zwar wurde der Fokus auf Bildungs- und Schulthemen zurückgefahren, als die Basis anfing zu murren. Doch bis heute sagt Dalbert, es sei einer der größten politischen Erfolge der kleinen Fraktion, dass die Schullaufbahn-Empfehlung der Lehrer in der vierten Klasse nicht mehr verbindlich ist. Seit 2015 leitete sie den Umweltausschuss – an der Basis war zwischenzeitlich moniert worden, dass die Kernthemen grüner Politik in Sachsen-Anhalts Landtag zu sehr vernachlässigt worden seien.

Ihr Führungsstil: fordernd. Dalbert hat einmal gesagt, von ihren Mitarbeitern erwarte sie neben Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit vor allem keine Katzbuckelei. Heute bezeugen Grüne, dass Dalbert „weiß, wer Koch und wer Kellner zu sein hat“. Dominant ist das Adjektiv, mit dem Parteifreunde sie beschrieben. Nun wird sie Chefin eines neuen Superministeriums. Als Staatssekretäre holt sie zwei ausgewiesene Fachleute: Für den Umweltschutz Klaus Rehda, bisher Präsident des Landesumweltamtes. Und für den Bereich Agrar Ralf-Peter Weber. Er ist promovierter Landwirt und bisher Geschäftsführer des Bauerverbandes Anhalt: Mit dieser Personalie reicht Dalbert den Bauern die Hand. (mz)