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LehrermangelNiedrigere Bezahlung - Laufen Sachsen-Anhalt die Grundschulpädagogen weg?

Sachsen-Anhalt zahlt seinen Grundschulpädagogen deutlich weniger als die Nachbarbundesländer. Experten warnen deshalb vor einer Fachkräfte-Flucht. Stockt das Land die Gehälter auf?

Von Jan Schumann Aktualisiert: 26.09.2022, 09:05
Sachsen-Anhalts Grundschullehrer verdienen weniger als Kollegen in anderen Bundesländern.
Sachsen-Anhalts Grundschullehrer verdienen weniger als Kollegen in anderen Bundesländern. (Foto: Marijan Murat/dpa)

Magdeburg/MZ - Im bundesweiten Konkurrenzkampf um Lehrkräfte warnen Pädagogen in Sachsen-Anhalt vor einem Abwandern junger Fachkräfte. Grund ist das höhere Gehalt in Nachbarbundesländern wie Sachsen und Thüringen: Dort werden Grundschullehrer eine Gehaltsgruppe höher eingestuft als in Sachsen-Anhalt, im Monat macht das mehrere hundert Euro aus.

„Es gibt einen großen Anteil von Lehrern, die sagen: Die Bezahlung ist ungerecht“, sagt Thekla Mayerhofer, Landesvorsitzende des Grundschulverbands, der MZ. „Vor Jahren war Sachsen-Anhalt noch ein attraktiverer Arbeitgeber als Sachsen – dort wurde seither aber extrem aufgeholt“, warnt die Lehrerin.

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Auch Ministerin ist für höheres Gehalt

Mittlerweile fordert auch Sachsen-Anhalts Bildungsministerin Eva Feußner (CDU) die Anhebung der Gehälter – bisher ohne politischen Erfolg. Die Sachlage ist so: Anders als Thüringen und Sachsen bezahlt Sachsen-Anhalt seine verbeamteten Grundschullehrer in der Besoldungsstufe A12. Das Einstiegsgehalt liegt bei monatlich 3.623 Euro, mit wachsender Berufserfahrung sind später bis zu 4.937 Euro möglich.

Mit einem A13-Gehalt dagegen steigt man mit 4.247 Euro ein, klettert auf bis zu 5.487 Euro. Für nicht-verbeamtete Lehrer gelten ähnliche Regeln in der Tarifbezahlung. Zusätzlich ungerecht aus Sicht vieler Grundschullehrer im Land: All ihre Kollegen an Gymnasien und Förderschulen sind bereits in der höheren A13-Gehaltsklasse.

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Bildungsministerin Feußner fordert nun ein Umdenken: Wenn Sachsen-Anhalt im Ländervergleich keine konkurrenzfähigen Angebote unterbreite, „werden Einstellungen im Bereich des Lehramtes an Grundschulen zurückgehen und eventuell auch Abwanderungen aus bestehenden Arbeits- oder Dienstverhältnissen zunehmen“, warnte sie im Sommer.

Dabei braucht Sachsen-Anhalt jeden einzelnen Lehrer. Der Pädagogenmangel ist so drastisch, dass nur noch 92 Prozent des laut Plan vorgesehenen Unterrichts abgedeckt werden können.

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Die Sorge, dass vor allem junge Grundschullehrer dem Ruf des Geldes folgen, ist berechtigt – so schildert es Schulleiterin Kerstin Masslich gegenüber der MZ. Zwar bilde ihre Grundschule „Anhaltsiedlung“ in Bitterfeld-Wolfen derzeit zwei Referendare aus, beide hätten Freude an der Arbeit und im Kollegium. Aber: „Sie werden nach erfolgreichem Abschluss höchstwahrscheinlich nicht an unserer Schule bleiben“, so Masslich. „Beide werden nach Sachsen wechseln, 15 Kilometer entfernt.“

Keine genauen Zahlen über Abwanderung

Wie viele Lehrer aus Sachsen-Anhalt jährlich aus Gründen der Bezahlung abwandern, dazu liegen keine genauen Zahlen vor. Masslich warnt aber: Es drohe nicht nur der Verlust eigener Fachkräfte, Sachsen-Anhalt sei aufgrund der Bezahlung auch für externe Bewerber unattraktiver geworden. „Letztes Jahr hatte ich sieben Bewerber aus Sachsen an meiner Schule“, sagt sie. „Am Ende hat nicht einer in Sachsen-Anhalt zu unterrichten begonnen.“

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In Sachsen-Anhalts Koalition aus CDU, SPD und FDP ist die A13-Aufstockung umstritten: Die SPD fordert sie, CDU-Finanzpolitiker blocken ab. Rund 35 Millionen Euro müsste das Land zusätzlich im Jahr für diesen Gehaltssprung zahlen. „Gar keine Bildung kostet auf lange Sicht viel, viel mehr“, glaubt Masslich aber. „Wir stehen mit dem Rücken an der Wand und können Schule nicht mehr leben und gestalten, sondern nur noch notdürftig aufrecht halten.“

Kritiker der diskutierten Gehaltsanhebung argumentieren indes auch: Die fachlichen Anforderungen an Lehrer seien an den Gymnasien viel höher als in den Klassen eins bis vier. Der Grundschulverband hält davon allerdings nichts: Jede Schulform habe ihre eigenen Herausforderungen, zudem müssten Grundschullehrer höhere Stundenzahlen leisten.