Würdenburg nur noch ein Trümmerhaufen

Würdenburg nur noch ein Trümmerhaufen: Warum Schloss in Teutschenthal abgerissen wurde

Teutschenthal - Mit dem Verschwinden des ursprünglichen Renaissancebaus ist ein Zeugnis einer 400-jährigen Heimatgeschichte verlorengegangen.

Von Claudia Crodel

Mehr als 400 Jahre stand die Würdenburg prächtig in der Ortsmitte von Teutschenthal. Jetzt ist nur noch ein Trümmerhaufen davon übrig geblieben. Seit Montag dieser Woche ist das einstige alte Schloss abgerissen worden. „Das Gebäude war stark einsturzgefährdet“, sagt Carl Friedrich Wentzel, der gemeinsam mit seinem Bruder Carl Stefan Grundstücksbesitzer ist.

Vor gut zwanzig Jahren hätte man versucht, das Gebäude zu Wohnzwecken herzurichten, aber das hätte nicht funktioniert. Schon seit geraumer Zeit war das Gebäude eingezäunt. In letzter Zeit hätten aber immer wieder Kinder in dem desolaten Bau gespielt. Um diese Gefahr abzuwenden, habe man sich für einen Abriss entschieden.

Kreissprecherin: „Es handelt sich um einen denkmalrechtlich genehmigten Teilabriss“

„Es handelt sich um einen denkmalrechtlich genehmigten und mit dem Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie abgestimmten Teilabriss, bei dem die kulturhistorisch bedeutsamen Elemente gesichert wurden“, sagt Kerstin Küpperbusch, Sprecherin des Landkreises Saalekreis. Der betroffene extrem einsturzgefährdete Teil sei zuvor baufachlich untersucht worden.

„Die Gemeinde Teutschenthal hatte den Einsturz der nordwestlichen Gebäudeecke ebenfalls angezeigt, so dass bauordnungs- und denkmalrechtlich gehandelt werden musste“, so Kerstin Küpperbusch weiter. „Ein Erhalt oder der Wiederaufbau war bautechnisch nicht mehr möglich.“

Schloss in Teutschenthal: Eigentümer war zur Beseitigung des Gefahrenzustands aufgefordert worden

Der Eigentümer sei zur Beseitigung des Gefahrenzustands aufgefordert worden. Zugleich seien eine Dokumentation und die oben genannte Sicherung der kulturhistorisch bedeutsamen Elemente beauflagt worden. „Die Ornamente wie beispielsweise das Wappen der Familie von Trotha werden ins heutige Schloss Teutschenthal gebracht und aufgearbeitet. Anschließend sollen sie im Schloss platziert werden“, sagt Bertram Fischer von der facta invest GmbH, die den Immobilienbestand im Haus Wentzel entwickelt und betreut. Zudem bekomme das Landratsamt eine Bilddokumentation des Rückbaus.

Heimatforscher und Historiker Mike Leske bedauert den Abriss sehr. „400 Jahre Heimatgeschichte sind einfach platt gemacht worden“, beklagt er und wirft dem Eigentümer Ignoranz vor. „In einer Zeit, in der Kulturgüter in unserem Bundesland nie einen höheren Stellenwert genossen, hat man es zugelassen, dass ein Schloss, welches sämtliche Kriege und Katastrophen der letzten vier Jahrhunderte unbeschadet überstanden hat, für immer verschwindet.“

Errichtung der Würdenburg geht auf das Geschlecht derer von Trotha zurück

Die Errichtung der Würdenburg geht auf das Geschlecht derer von Trotha zurück, dessen berühmtester Vertreter Thilo von Trotha war. Der ursprüngliche Renaissancebau wurde von der Familie von Trotha errichtet, welche von dort aus die Regionalgeschichte bestimmte. Auf winkelförmigem Grundriss entstand Ende des 16. Jahrhunderts das renaissancezeitliche Schloss aus zwei Flügeln, in deren Winkel ein weithin sichtbarer Treppenturm stand. Letzterer musste infolge des Gebirgsschlags von 1941 abgerissen werden.

1710 wurde das Schloss teilweise dem barocken Stil angepasst. Die Herrschaft der Edlen zu Trotha in Teutschenthal endete aus finanzieller Not mit dem Verkauf der Würdenburg im Jahr 1832. Danach gab es mehrere Besitzer, bis das Schloss schließlich 1915 in den Besitz von Carl Wentzel (1876-1944) gelangte. Nach der Bodenreform und der Enteignung der Familie war im Hauptgebäude eine Zahnarztpraxis untergebracht, später habe das Herrenhaus als Kindertagesstätte gedient.

Teutschenthal: Auf dem Gelände des abgerissenen Schlosses soll ein Neubau entstehen

Die im Laufe der Zeit entstandenen Wirtschaftsgebäude wurden zu DDR-Zeiten von der Bäuerlichen Handelsgenossenschaft genutzt, auch eine Mosterei der örtlichen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft war bis Anfang der 90er Jahre dort zu finden.

Auf dem Gelände des abgerissenen Schlosses soll ein Neubau entstehen, sagt Carl Friedrich Wentzel. Was das für ein Bau sein wird und wie er genutzt werden soll, steht noch nicht fest. „Wir sind noch mit der Gemeinde im Gespräch“, sagt Carl Friedrich Wentzel. Die Gemeinde habe in Erwägung gezogen, selbst zu bauen. (mz)