Weindorf

Weindorf: Röglitz ist schon bald in aller Munde

Röglitz - Eintausend Jahre ist es her, dass das kleine Röglitz für das Herzogtum Merseburg so etwas wie der Nabel der Welt war. Denn in dem beschaulichen Dorf stand laut der Chronik noch bis ins 18. Jahrhundert hinein der bedeutendste Weinberg der Region. Nun, fast 1.000 Jahre nach der Ersterwähnung des Ortes, wollen die Röglitzer an diese Tradition anknüpfen und wieder in Wein machen. Aus diesem Grund feiert der Ort am kommenden Samstag auch sein erstes ...

Von Michael Bertram 17.09.2016, 10:00

Eintausend Jahre ist es her, dass das kleine Röglitz für das Herzogtum Merseburg so etwas wie der Nabel der Welt war. Denn in dem beschaulichen Dorf stand laut der Chronik noch bis ins 18. Jahrhundert hinein der bedeutendste Weinberg der Region. Nun, fast 1.000 Jahre nach der Ersterwähnung des Ortes, wollen die Röglitzer an diese Tradition anknüpfen und wieder in Wein machen. Aus diesem Grund feiert der Ort am kommenden Samstag auch sein erstes Weinfest.

Mönche des Merseburger Petriklosters hatten in Röglitz den Weinanbau bereits in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts eingeführt. Die Röglitzer Weinhänge waren im Mittelalter die größten zusammenhängenden Weinberge am Nordufer der Weißen Elster. Sie gehörten dem Merseburger Bischof, der die Hänge von den Röglitzern als Fron bearbeiten ließ. Im 16. Jahrhundert ging Röglitz schließlich in den Besitz der Herzöge von Merseburg über.

Weinberge verkauft

„Mit Napoleon ging die Tradition dann jedoch verloren“, erzählt Ortsbürgermeister Andreas Gasch (CDU). Der Krieg hinterließ Anfang des 19. Jahrhunderts große Schäden. Zudem wurden die Weinberge 1815 an einen privaten Besitzer verkauft. Die neuen Grundherren empfanden den Getreideanbau als profitableres Geschäft und wandelten die Weinberge kurzerhand in fruchtbare Ackerflächen um.

Inzwischen ist klar, dass es auch künftig in Röglitz wieder Wein geben soll. „Der Antrag wurde von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung genehmigt“, erklärt Gasch. Die Behörde gibt den Schlüssel, wo wie viel Weinbau ermöglicht werden soll, vor. „Uns wurde eine 300 Hektar große Fläche zugestanden“, sagt Gasch. Das Areal wird die Gemeinde Schkopau dem Förderverein Röglitz, dessen Mitglieder künftig zu Winzern werden wollen, verpachten.

Schützenswerte Rebsorte

Aufgrund der Lage an einem besonders steilen Hang - den Nachweis über das Gefälle musste die Gemeinde erbringen - und einer schützenswerten Rebsorte, die angebaut werden soll, wurde das Projekt bevorzugt gefördert. „Wir haben uns für Hölder entschieden“, erzählt der Ortsbürgermeister. Die Weine, eine Kreuzung aus Riesling und Ruländer, sollen durch eine kräftige und fruchtige Note bestechen. „Die Gesamtanbaufläche dieser Sorte ist seit Jahren rückläufig“, betont Gasch.

Drei Jahre hat der Ort nun Zeit, den Wein anzubauen. Dann verfällt die Genehmigung der Bundesanstalt. 2018, so das Ziel, soll die erste Lese erfolgen. „Bis dahin wollen wir den Ort davon überzeugen“, sagt Gasch. Schon jetzt haben mehrere Anwohner an der Durchgangsstraße ein Zeichen gesetzt und lassen Wein die Fassaden ihrer Häuser hinaufklettern. „Das wollen wir weiter fördern“, sagt Gasch. Vielleicht lassen sich ja noch mehr Menschen beim Weinfest am Samstag überzeugen. Dann stellt ab 14 Uhr Winzer Lars Hässler seinen Wein vor. Eigenen können die Röglitzer nicht bieten. Noch nicht. (mz)