Kulturhaus Krumpa

Kulturhaus Krumpa: Mit dem Video eine Zeitreise in das Innere des Gebäudes nehmen

Krumpa - Als sich die Tür des Kulturhauses Krumpa für uns öffnet, ist es wie eine Zeitreise. Seit der Schließung Anfang der 1990er Jahre haben zwar Vandalen und Diebe gewütet und geplündert, aber zum Glück weder alles kaputt geschlagen noch sämtliches Inventar gestohlen. Gleich links vom Haupteingang an der Theaterkasse liegt ein kaum noch lesbarer Zettel: Der Kinderfilm „Tim und Struppi“ wird am 31. Juli 1991 um 9.30 Uhr für zwei D-Mark Eintritt aufgeführt. War das vielleicht die letzte öffentliche ...

Von Diana Dünschel 21.08.2019, 05:00

Als sich die Tür des Kulturhauses Krumpa für uns öffnet, ist es wie eine Zeitreise. Seit der Schließung Anfang der 1990er Jahre haben zwar Vandalen und Diebe gewütet und geplündert, aber zum Glück weder alles kaputt geschlagen noch sämtliches Inventar gestohlen. Gleich links vom Haupteingang an der Theaterkasse liegt ein kaum noch lesbarer Zettel: Der Kinderfilm „Tim und Struppi“ wird am 31. Juli 1991 um 9.30 Uhr für zwei D-Mark Eintritt aufgeführt. War das vielleicht die letzte öffentliche Veranstaltung?

Im kleinen Saal sieht es schlimm aus: Großer Teil der Holzdielen rausgerissen

Im großen Saal wirkt es zunächst, als braucht man nur auszufegen und wieder loszulegen. Sogar gelbe Vorhänge hängen noch an den Fenstern. Nur konnte man einst wohl kaum Äpfel vom Baum pflücken, ohne nach draußen gehen zu müssen. Umgenutzt wurde auch ein Lautsprecher in einem der Klassenzimmer der Berufsschule des Mineralölwerks, die in einem Gebäudeflügel untergebracht war: Hier hat ein Vogel sein Nest drin gebaut.

Im kleinen Saal sieht es schlimm aus. Ein Drittel der Holzdielung ist herausgerissen. Wie fast überall sind die Fenster kaputt. Glasscherben und rostige Reste von Einrichtungsgegenständen teilen sich den Fußboden mit Laub. Am Eingang zur Tanzbar im Keller hängt ein Jugendbildnis von Madonna. Markant ist hier eine mit schwarz-weiß-gesprenkelten Steintafeln verzierte Wand, die wohl marmorähnlich aussehen sollte.

Zeitreise: Gefühl wie im Museum

Die gemusterte Ölfarbe an der Wand zeugt von typischem DDR-Charme, die einst so beliebte weiße Raufasertapete hängt in Fetzen von den Decken, das Linoleum ist von einer dicken Staubschicht überzogen. Im Dachgeschoss begegnet man einem weiteren Relikt aus den 60er oder 70er Jahren: Eine Wand besteht aus braunen Glasbausteinen mit einem Wassertropfenmuster.

Andere zurückgelassene Gegenstände lassen ein Gefühl wie im Museum aufkommen. Das Jugendlehrlingskollektiv der Klasse 12MR  stellt sich auf einem Stück Pappe vor. Exponate des Zirkels „Künstlerische Gestaltung“ des Jugendkollektivs Lehrlingswohnheim  müssen irgendwo auf dem Dachboden schlummern, denn eine Ankündigung schaut aus dem Berg von Stühlen, Tischen und Schulutensilien.

Für eine Rettung des 1952 fertiggestellten Kulturhauses ist es höchste Zeit

Eine möglicherweise vom Ende der 70er Jahre stammende mit Hand geschriebene schultafelgroße Platte wirbt für eine Ausbildung in der Betriebsschule. Hier konnte man  zum Beispiel  Facharbeiter für chemische Produktion werden. Im ersten Lehrhalbjahr bekam man  dann 120 Mark und als Facharbeiter etwa in der höchsten Lohngruppe acht dann vier Mark Stundenlohn. So ist es nachzulesen.

Wozu man wohl einmal die gut zwei Meter hohe Nachbildung des Sowjetischen Ehrenmals in Berlin-Treptow brauchte, die in einer Ecke steht? Vielleicht für eine der Demonstrationen am Tag der Arbeit am 1. Mai oder dem Tag der DDR am 7. Oktober? Fest steht dafür eins: Für eine Rettung des 1952 fertiggestellten Kulturhauses ist es höchste Zeit. Am beschädigten Dach müssen schnellstmöglichst Sicherungsarbeiten beginnen.  Am deutlichsten wird das in einem Zimmer, dessen Fußboden schon ein grüner Moosbelag geworden ist.

Krumpa Kulturhaus soll Musikakademie werden: Braunsbedra unterstützt mit 20.000 Euro

Doch Sascha Ginter, der uns diese Zeitreise erlaubt hat, ist optimistisch. Der Krumpaer will das Kulturhaus nicht nur retten, sondern zu einer Musikakademie machen. Dafür gründete er mit Mitstreitern den Verein „Ernst-Thälmann-Akademie für Pop, Produktion & Elektronische Musik“ (etappem). Der erwarb das seit den 90ern in Privatbesitz befindliche Gebäude mit einem 20.000-Euro-Zuschuss der Stadt Braunsbedra. „Damit wurde ein wichtiger Grundstein für die weiteren Schritte gelegt“, sagt er.

Es brauche nun weitere finanzielle Unterstützung im Zusammenhang mit Fördermitteln, um das Konzept im Detail fortzuschreiben und so die Basis für die  Umsetzung zu schaffen, heißt es vom Verein. Das Dach müsse an einigen Stellen geflickt werden, um weiteren Wassereintrag vor allem im Obergeschoss der Berufsschule zu unterbinden. Die laufenden Kosten seien zu stemmen. Deshalb sei ein Spendenkonto eingerichtet worden.

Kontakt im Internet: http://www.etappem.org/ (mz)