Bilder und Videos mit Kinderpornografie

Kinderpornografie: Pädophiler Pfarrer aus Braunsbedra verurteilt

Braunsbedra - Ein Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung für katholischen Geistlichen aus Braunsbedra. Er besaß tausende Bilder und Videos mit Kinderpornografie.

Von Diana Dünschel 02.08.2017, 04:00

Der ehemalige katholische Pfarrer von Braunsbedra ist wegen des Besitzes kinderpornografischer Schriften zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden. Der Strafbefehl des Amtsgerichtes Merseburg ist rechtskräftig. Außerdem wurde gegen den Mann ein Ausbildungs- und Beschäftigungsverbot von Jugendlichen ausgesprochen. Er darf damit Kindern und Jugendlichen zum Beispiel keine Anweisungen mehr erteilen oder sie unterrichten. Das teilte Staatsanwalt Dennis Cernota auf Nachfrage der MZ mit.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft hatten aufgrund des umfangreichen Materials an Daten, die bei dem Pfarrer gefunden wurden, sehr lange gedauert. USB-Sticks, Festplatten und Digitalkameras mussten ausgewertet werden. Die beschlagnahmte Technik umfasste insgesamt 46 Terrabyte, das entspricht zirka 46.000 Gigabytes oder einer Speicherkapazität von mehr 9,6 Millionen Musiktiteln. „Eine überwältigende Menge“, wie Dennis Cernota sagte. Letztlich verurteilt wurde der Angeklagte aufgrund des Besitzes von mindestens 30.000 Bilddateien und knapp 300 Videodateien mit Kinderpornografie.

Vorwürfe gegen pädophilen Pfarrer seit 2016

Die Vorwürfe gegen den damals 66-jährigen Geistlichen, der seit Herbst 2008 als Pfarrer in Braunsbedra arbeitete, waren im April 2016 bekanntgeworden. Die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelte damals gegen den Betreiber einer einschlägigen Internetseite und war dabei auf Daten des Braunsbedraers gestoßen. Anschließend gab man den Tipp an die deutschen Behörden weiter. Daraufhin wurde das Pfarrhaus im Braunsbedraer Ortsteil Neumark durchsucht. Computer und Handys wurden beschlagnahmt. Der Pfarrer selbst blieb auf freiem Fuß, weil nach Ansicht der Behörden keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr bestand.

Das Bistum Magdeburg als sein Arbeitgeber zog sehr schnell nach Bekanntwerden der Vorwürfe Konsequenzen. Der Pfarrer wurde vom Bischof beurlaubt und von seinen seelsorgerischen Pflichten entbunden. Er wurde umgehend aus Braunsbedra abgezogen. Wo er sich seitdem aufhält, dazu verweigerte das Bistum seitdem jede Auskunft. Dienstag hieß es lediglich, der Mann sei nicht mehr für das Bistum tätig.

Pädophiler Pfarrer: Imageschaden für das Bistum Magdeburg

„Die Vorwürfe bedeuten ganz klar einen Imageschaden“, hatte Thomas Lazar von der Pressestelle des Bistums gleich zu Beginn der Ermittlungen gegenüber der MZ gesagt und gleichzeitig darauf hingewiesen, dass das Bistum seit Jahren Präventivarbeit zum Thema Pädophilie leiste. Es gebe eine Präventionsbeauftragte und eine Kommission zur Prüfung von Vorwürfen sexuellen Missbrauchs Minderjähriger. Alle Bistums-Mitarbeiter müssten darüber hinaus regelmäßig ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen und an Fortbildungen teilnehmen und hätten auch eine Broschüre mit klaren Verhaltensanweisungen erhalten.

Das Bistum Magdeburg war zuvor schon krisenerprobt, musste es doch in der Vergangenheit bereits auf mehrere ähnliche Vorfälle reagieren. Lazar zufolge gab es in den 60 Jahren bis Mitte 2016 acht Fälle von nachgewiesener sexueller Gewalt von Geistlichen an Kindern und Jugendlichen oder Besitz kinderpornografischer Schriften. Sieben seien Priester gewesen, vier von ihnen seien bereits verstorben.

Die katholische Gemeinde in Braunsbedra wird derweil weiter seelsorgerisch betreut. In der Kirche finden bis heute regelmäßig Gottesdienste statt, organisiert von der übergeordneten Pfarrei in Merseburg, die dazu personell verstärkt wurde. In das Pfarrhaus ist inzwischen eine Familie eingezogen. (mz)