Grüner Vorstoß

Grüner Vorstoß: Wasserstoff soll in großen Mengen grün hergestellt werden

Leuna - Mit einer Großelektrolyseanlagen soll Wasserstoff in großen Mengen grün hergestellt werden. Ein Konsortium bewirbt sich um Fördermittel vom Bund.

Von Melain van Alst

Es soll der große Wurf werden, der die chemische Industrie ein Stück umweltfreundlicher macht. Chemie-, Technik-, und Energieunternehmen glauben, wie das Fraunhofer Institut, grünen Wasserstoff wirtschaftlich herstellen und vertreiben zu können. Sie wollen mit Großelektrolyseanlagen in Leuna und Bad Lauchstädt die Voraussetzungen erforschen und die Infrastruktur des Mitteldeutschen Chemiedreiecks nutzen.

Für das geplante Projekt, das unter dem Titel „GreenHydroChem“ läuft, hat das Konsortium seine Ideen für den Wettbewerb „Reallabore der Energiewende“ des Bundeswirtschaftsministeriums eingereicht. Das Ministerium plant Reallabore jährlich mit 100 Millionen Euro Fördermitteln für einen begrenzten Zeitraum zu unterstützen. Sollte das Projekt den Zuschlag erhalten, soll das Reallabor im Saalekreis bis 2024 entwickelt und realisiert werden.

Herstellung

Das Fraunhofer-Institut für Mikrostruktur von Werkstoffen und Systemen (IMWS) in Halle ist maßgeblich daran beteiligt und begleitet den Bau der Großelektrolyseanlagen. In Leuna soll eine Anlage für 100 Megawatt entstehen und in Bad Lauchstädt für 40 Megawatt. Das Verfahren der Elektrolyse dient dazu, aus Wasser und Strom Wasserstoff und Sauerstoff herzustellen. Mit Strom aus erneuerbaren Energien, könne der so dringend in der chemischen Industrie gebrauchte Wasserstoff komplett grün werden.

Erste Erfahrungen mit diesem Verfahren will das IMWS bereits mit einer Elektrolyse-Pilotanlage - einer deutlich kleineren Anlage - in Leuna sammeln. „Sie wird modular aufgebaut sein, sodass sie zu einem Großelektrolyseur erweitert werden kann“, sagt Michael Kraft, Sprecher des Instituts. Noch in diesem Jahr soll der Bau dieser kleineren Anlage beginnen, die dann 2020 in Betrieb gehen könnte.

Transport

Nicht überraschend hat das Konsortium das Mitteldeutsche Chemiedreieck ausgesucht. Die Infrastruktur ist schon vorhanden und schafft damit optimale Voraussetzungen. Die bestehenden Wasserstoffpipelines sollen dann das neue grüne Produkt zu den Kunden transportieren.

Speicherung

Wenn die Energie aus Sonne und Wind nicht ausreichend entsteht, muss die Versorgung dennoch gesichert sein. Möglich machen soll es der bereits bestehende sogenannte unterirdische Kavernenspeicher in Bad Lauchstädt, der ebenfalls in das Projekt aufgenommen wurde. Von dort gibt es eine Gasnetzanbindung an die Wasserstoffpipelines in Mitteldeutschland und dort speist auch das beteiligte Energieunternehmen 50 Hertz Strom aus erneuerbaren Energiequellen in das Netz.

Verwendung

Auch der Gashersteller Linde AG ist einer der Projektpartner. „Wir würden uns natürlich darüber freuen, wenn das funktioniert“, sagt Manager Andreas Dietrich. Das Unternehmen will den grünen Wasserstoff dann an seine Kunden verkaufen und sieht dafür bereits einen wachsenden Markt „Die Nachfrage nach grünem Wasserstoff steigt“, sagt Dietrich. Immer wieder würden ihn Anfragen erreichen. Schon jetzt wird die Total Raffinerie als ein Abnehmer gehandelt. „Auch andere große Chemieunternehmen am Standort zeigen Interesse“, fügt Dietrich an. Ziel des Projektes sei es schließlich, nach kurzer Zeit auch wirtschaftlich zu arbeiten.

Außerdem will das Fraunhofer-Institut den gewonnenen grünen Wasserstoff gleich für eine weitere Pilotanlage nutzen, die sich „Carbontrans“ nennt. In dieser wird erforscht, inwiefern mit Abfall in Verbindung mit Braunkohle neue Synthesegase entstehen können. Damit müsse Plastikmüll nicht mehr verbrannt, und Kohle könnte umweltfreundlicher eingesetzt werden. (mz)