Nach Großbrand in Krumpa

Großbrand in Krumpa: Dach einsturzgefährdet - Jetzt muss ein Spezialbagger ran

Krumpa - Noch immer läuft der Feuerwehreinsatz in Krumpa. In der Recyclingfirma standen in der Vergangenheit immer wieder Abfälle in Flammen.

Von Diana Dünschel 07.11.2018, 12:20

Die Feuerwehr bekommt im Kampf gegen die letzten Glutnester nach dem großen Brand in einer Lagerhalle für Kunststoffabfälle der Recyclingfirma Logistik Beratung Recycling GmbH (LBR) im Gewerbegebiet in Krumpa technische Unterstützung.

Dienstagnachmittag wurde mit einem Tieflader ein sogenannter Longfront-Bagger - er hat mehr Reichweite als ein Standardmodell - angeliefert. Die Tollwitzer Kies und Recyclingwerke GmbH schafften ihn per Schwerlasttransport aus einem Kieswerk in Zeitz ins Geiseltal.

Dach einsturzgefährdet: In Krumpa muss jetzt ein Spezialbagger ran

Er soll ab Mittwoch das einsturzgefährdete Hallendach zurückbauen, damit die verkohlten Abfallberge frei zugänglich sind und endgültig abgelöscht werden können. Dafür muss der Bagger aber erst noch mit einer Schrottschere ausgerüstet werden.

Derweil ist die Zahl der Feuerwehrleute, die seit Brandausbruch am Sonnabendabend vor Ort sind, erheblich zurückgefahren worden. „Wir sind heute von 8 bis 17 Uhr mit zehn Kameraden der Feuerwehren Großkayna und Roßbach vor Ort. Danach sollen wir von der Feuerwehr Merseburg abgelöst werden“, erklärte der Großkaynaer Wehrleiter Dirk Niedermeyer Mittwochmittag auf MZ-Nachfrage.

Großbrand in Krumpa: Noch immer gibt es Glutnester in der Halle

Es gebe in mehreren der insgesamt acht Kammern der Halle noch Glutnester mit bis zu vier Metern Durchmesser. Dort lodere das Feuer immer wieder auf. Hier werde nach wie vor gelöscht. Die Leitstelle des Saalekreises hielt deshalb auch die Warnung auf ihrer Warnapp „Nina“ weiter aufrecht, dass Anwohner als Schutz vor Rauchwolken Türen und Fenster geschlossen halten sowie Klima- und Lüftungsanlagen ausschalten sollten.

Eine Stellungnahme zum Großbrand und seinen Auswirkungen zum jetzigen Zeitpunkt lehnte LBR-Geschäftsführer Udo Deppenmeier mit Hinweis auf dringende Aufgaben zunächst ab. Vorrang habe erstmal die Entsorgung des inzwischen gefüllten Auffangbeckens für das kontaminierte Löschwasser, sagte er.

Brandgefährliche Arbeit bei LBR: Mehrere Brände und Explosionen

So gab es auch am Dienstag weder von ihm noch vom Polizeirevier Saalekreis, das mit den Ermittlungen beginnen wollte, nähere Auskunft zu Brandursache oder Höhe des entstandenen Sachschadens oder dazu, wie es mit dem Betrieb jetzt weitergeht. Dass das LBR-Geschäft mit der Aufbereitung von Kunststoffabfällen für die stoffliche Wiederverwertung sowie der Verwertung von Altreifen und Abfallgummi im wahrsten Wortsinn brandgefährlich ist, zeigen indes die vielen bekannt gewordenen Vorfälle der vergangenen Jahre.

Erst im Mai war es zu einer Explosion im Bereich der Anlieferung des Recyclingmaterials aus den gelben Säcken gekommen. Vermutlich hatte sich in einem Sack eine Gasflasche befunden, die in den Schredder gelangte. Ebenfalls im Mai brannte dann ein 20 mal 50 Meter großer Haufen mit PVC-Abfällen. Im August 2016 entzündeten sich zwei Tonnen an diversen Kunststoffen, weil vermutlich eine alte Batterie zusammen mit ihnen entsorgt wurde und es zu einem Kurzschluss kam. Im Juli 2011 standen 30 Tonnen geschredderter Kunststoff in Flammen. Das Material habe sich selbst entzündet, teilte die Polizei damals mit.

Sind die Brandschutzmaßnahmen ausreichend?

Jedesmal war die zuständige Stadtwehr Braunsbedra mit ihren Ortswehren und meist auch unterstützt von Wehren aus umliegenden Orten im Einsatz. Doch der jetzige Brand hatte bisher nie gekannte Dimensionen erreicht, wie der Braunsbedraer Stadtwehrleiter Thomas Schulze schon am Wochenende sagte.

Zu den Brandschutzvorgaben für die Firma teilte der Saalekreis auf MZ-Anfrage mit, dass es für die Lagerboxen keine besonderen Anforderungen gegeben habe, sondern nur für die zur Verfügung stehende Menge an Löschwasser. Konkret hätten 96 Kubikmeter Wasser in der Stunde für die Dauer von zwei Stunden vorgehalten werden müssen. (mz)