Landrat hat Krebs

Frank Bannert: Landrat vom Saalekreis hat Krebs: Der schwerste Kampf

Merseburg - Der Saalekreis-Landrat Frank Bannert ist an Krebs erkrankt. Bei einer Zeremonie im Basedow-Klinikum spricht der Politiker erstmals über sein Leiden.

Von Michael Bertram 02.11.2017, 06:00

Wer den Arbeitsplatz des Saalekreis-Landrats aufsucht, der ist beeindruckt: Hinter den historischen Mauern des prächtigen Schlosses von Merseburg residiert Frank Bannert (CDU) und lenkt von hier aus die Geschicke des Landkreises. Nicht nur der Beruf des 60-Jährigen zeugt von Macht, auch sein Arbeitsumfeld tut es.

Ein offenes Bekenntnis des ersten Mannes im Saalekreis hat ihn am Mittwoch nun aber von seiner sensiblen, nachdenklichen Seite gezeigt: Bannert führt abseits aller politischen Auseinandersetzungen, in denen er sich bislang immer wieder behaupten musste, seit einigen Wochen den wohl schwierigsten Kampf seines Lebens. Den gegen den Krebs.

Landrat Frank Bannert bereits seit einigen Wochen nicht im Dienst

Bereits seit einigen Wochen ist Bannert wegen der schweren Erkrankung nicht im Dienst. Details zur Art der Krankheit blieben bis jetzt privat. Nur ein enger Kreis von Weggefährten war eingeweiht. Am Mittwoch jedoch, bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte seit langer Zeit, kam er nicht umhin, sich zur Schwere seiner Erkrankung zu bekennen:

„Es ist eine Fügung, nicht die beste, aber man kann es sich nicht immer aussuchen, die mich mit Jörn Rüssel zusammengeführt hat“, sagte Bannert im Carl-von-Basedow-Klinikum in Merseburg bei Rüssels feierlichen Amtseinführung als neuer Chefarzt der Klinik für Onkologie, die sich um die Behandlung von Tumorerkrankungen kümmert.

Zahl der Neuerkrankungen bei Krebs steigt

Bereits im vergangenen Jahr habe Bannert Beschwerden gehabt, eine Erkrankung jedoch beiseite gewischt. Kurz vor Ostern dieses Jahres ließ er sich dann aber doch im Basedow-Klinikum untersuchen - und erhielt die niederschmetternde Diagnose Krebs. Welche Art von Krebs, dazu wollte Bannert nichts sagen. Aber mit der Diagnose ist er nicht allein.

Die Zahl der Neuerkrankungen steigt. „Bis 2030 wird es einen Zuwachs von 50 Prozent geben“, sagt Experte Jörn Rüssel. Bereits seit März dieses Jahres leitet er in Merseburg die Klinik, in der die Fachbereiche Onkologie für Krebsfälle, Hämatologie für Bluterkrankungen und Palliativmedizin für die individuelle Sterbebegleitung unter einem Dach abgedeckt werden. Ein Alleinstellungsmerkmal für Merseburg, wie Rüssel betont, das dank einer Kooperation mit dem Uniklinikum Halle nun noch zusätzlich aufgewertet werden soll.

2017 bereits 1.000 Krebspatienten in Merseburg stationär behandelt

Ziel der verstärkten Zusammenarbeit sei es, die lokale Versorgung Betroffener zu verbessern. Allein stationär wurden in diesem Jahr bereits 1.000 Krebspatienten in Merseburg behandelt, hinzu kommen ambulante Versorgungen, wie Rüssel erklärt. Das Merseburger Klinikum kann bei der Kooperation vom Know-how und technischen Möglichkeiten des weitaus größeren und breiter aufgestellten Uniklinikums in Halle profitieren. Umgedreht dient das Merseburger Haus der Ausbildung und der Forschung, die auch dem Uniklinikum mittelfristig zugute kommen kann.

„Es ist eine echte Win-win-Situation“, sagt Lutz Heimann, der Geschäftsführer des Basedow-Klinikums. Eine ähnliche Vernetzung im Bereich der Geriatrie, also der Altersheilkunde, sei ebenfalls schon in Planung, wie er erklärt.

Basedow-Klinikum mit 1.500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Saalekreis

Für den Landrat ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Krankenhäusern in Merseburg und Halle ein bedeutsames Signal. Nicht nur weil sich das Basedow-Klinikum in kommunaler Trägerschaft befindet und mit 1.500 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber im Kreis ist. Auch weil Bannert als Aufsichtsratsvorsitzender selbst zum Patienten wurde. Denn noch immer wird er im Basedow-Klinikum als Folge der Krebserkrankung ambulant behandelt. Erst für das kommende Jahr plant er seine Rückkehr auf die politische Bühne.

Er habe viele Wochen Zeit gehabt, einen Medizinbetrieb aus anderer Perspektive zu betrachten, erzählte Bannert am Mittwoch in seiner Rede. Er habe Dinge gesehen, über die man in der Politik gern rede. Auch weil sie etwa in Wahlkampfzeiten chic wären. „Wir wissen, wie wichtig Medizin ist“, sagte er. Man lerne aber vor allem aus der Sicht des Patienten erst wirklich zu schätzen, was die Mitarbeiter - von der Pflegekraft bis zum Chefarzt - leisten, schob er hinterher.

Auch wenn er im Gegensatz zu seinem Umfeld der Krebserkrankung mit einer gehörigen Portion Naivität begegnet sei, sie zunächst als nicht so gravierend empfunden habe: „Nicht immer weiß der Arzt in diesem Fachbereich, ob der Patient genesen wird“, meinte Bannert. „Diese Menschen müssen von unserer Gesellschaft gefördert werden.“ Die Achtung ihrer Arbeit hätten sie sich mehr als verdient, meinte er demütig. (mz)