„Es ist so schön“

„Es ist so schön“: Bad Dürrenberger Kanuten trainieren nun im Weltmeisterboot

Bad Dürrenberg - Die Bad Dürrenberger Kanuten haben sich ein besonderes Boot gekauft. Profitieren soll davon vor allem Nachwuchstalent Nico Leßmann.

Von Robert Briest 15.05.2019, 13:55

Nico Leßmann wirft sich nach hinten, die Bootsspitze schießt aus der Saale nach oben, der junge Kanute taucht das Paddel ins Wasser und drückt, sein Boot rotiert um die grüne Stange, die das Tor auf dem Übungsparkour am Bad Dürrenberger Bootshaus markiert: „Es ist so schön“, jauchzt er. Der 16-jährige hat sichtbar Vergnügen an seinem neuen Sportgerät.

Es ist auch ein besonderes Boot. Bis zum Wochenende gehörte es dem amtierenden Weltmeister im Einerkajak: Hannes Aigner aus Augsburg. Nun wechselte es vom dortigen Eiskanal, der Olympiastrecke von 1972, auf die Saale.

Zwei Faktoren haben dies ermöglicht. Zum einen haben die Dürrenberger Slalomkanuten Spenden der Saalesparkasse und der Petko GmbH Leuna bekommen, die dafür sorgten, dass der notwendige niedrige vierstellige Betrag für den Erwerb zusammenkam, zum anderen spielten auch die persönlichen Kontakte von Trainer Harald Gimpel eine wichtige Rolle.

Neues Boot für Kanufahrer in Bad Dürrenberg 

Der hat wie Aigner eine olympische Bronzemedaille in seiner Vita stehen, gewonnen 1972 in jenem Eiskanal von Augsburg. Das verbinde, sagt der 64-Jährige. Er ist selbst noch aktiv, holte vor einigen Jahren den Titel bei der Senioren-WM und bereitet sich derzeit auf die EM im August in Turin vor. „Vielleicht fahr ich das neue Boot dann auch mal“, sagt der Kanut, der von einem „echten Glücksfall“ spricht.

Von dem soll aber vor allem erstmal Nico Leßmann profitieren. Der 16-jährige Zeitzer ist einer von drei Nachwuchsslalomfahrern im Verein und ein vielversprechendes Talent. Bei den Deutschen Meisterschaften fuhr er im Vorjahr zu Bronze, ist nun Mitglied des Bundeskaders und dass obwohl er gegenüber der Konkurrenz von den Sportschulen einen Nachteil hat.

„Wegen der Entfernung trainieren wir nur zwei, drei Mal die Woche, die anderen fünf, sechs Mal“, berichtet sein Trainer. Zudem ist das eher ruhige Fahrwasser in Bad Dürrenberg kein optimales Trainingsrevier. Oft weichen die Wildwasserkanuten deshalb auf die künstlichen Strecken in Markkleeberg oder an Wochenenden auch nach Prag oder Augsburg aus. Ende Mai geht es für Gimpel und Leßmann nach Österreich zu einem Wettkampf des Deutschlandcups.

Der Zeitzer, der mit acht Jahren bei einem heimischen Verein mit dem Kanuslalom begann und, wie er sagt, sehr schnell Gefallen daran fand, will auch dort um die vorderen Plätze mitfahren. Ein Bootswechsel stand für ihn eh ins Haus. Sein fünf Jahre altes Gefährt ist eigentlich nur bis 65 Kilo gedacht. Das junge Muskelpaket bringt mittlerweile aber 73 Kilo auf die Waage. Ist man zu schwer für ein Boot, komme man damit schwer vorwärts, erklärt der Schüler, der kurz vor dem Abschluss steht.

Im Sommer will er eine Ausbildung zum Erzieher beginnen. Er hofft, dann weiterhin intensiv seinen Sport betreiben und um die Qualifikation für die Junioren-WM mitfahren zu können. Nächstes Jahr wolle er dann entscheiden, wie es weitergeht. Sein Trainer droht schon mal scherzhaft: „Wenn er nichts mehr bringt, darf er das Boot nicht mehr fahren. Nur zum Spaß ist es zu schade.“ (mz)