Bunkeranlagen aus dem Zweiten Weltkrieg

Bunkeranlagen Zweiter Weltkrieg Saalekreis: Relikte eines finsteren Kapitels

Krumpa/Großkayna - Bis heute stehen die Schutzbauwerke aus dem Zweiten Weltkrieg. Aber nur wenige sind der Öffentlichkeit zugänglich.

Von Diana Dünschel 02.12.2018, 11:00

Bunkeranlagen, Relikte aus dem Zweiten Weltkrieg, gibt es heute noch im Saalekreis. Was ist aus ihnen geworden? Zwei Beispiele aus Krumpa und Großkayna.

So sieht es im Bunker in Krumpa aus

Bau 143a heißt er und stand einst im Werk der Wintershall A.G. in Lützkendorf (heute Krumpa), das später das Addinol-Werk wurde und von dem heute praktisch nur noch das Hauptgebäude steht.

Bau 143a ist ein Luftschutzbunker des Bautyps „Salzgitter“ und war konzipiert als oberirdische Schutzanlage für die Beschäftigten nach dem Beginn der alliierten Bombenangriffe auf die deutsche Öl- und Treibstoffindustrie ab 1944. Gedacht für 120 Personen, beherbergte er dann tatsächlich bis zu 350 Leute, die auch alle heil wieder herauskamen.

Der Luftschutzbunker wurde so massiv gebaut, dass er bis heute unzerstörbar scheint. Sprengversuche durch die russischen Soldaten kurz nach Ende des Krieges verursachten zwar noch immer sichtbare Beschädigungen an der Außenhülle. Doch das war alles. Die Durchbrüche, die es inzwischen gibt, stammen aus DDR-Zeiten. Da diente der Bau zeitweise als Materialausgabe.

2013 stieß der geschichtsinteressierte Müchelner Matthias Koch auf den Bau 143a. Es war für ihn der perfekte Ort für eine Ausstellung über die Öl- und Treibstoffoffensive und die schlimmen Auswirkungen auf die deutsche Industrie wie Zivilpersonen im Geiseltal.

Die Stadt Braunsbedra, inzwischen Eigentümer, überließ ihm und seinen Mitstreitern Stephan Rolf Schilling aus Leipzig und Udo Pfeffer aus Bitterfeld, die sich dem Heimat- und Kulturverein Mücheln angeschlossen haben, das Gebäude. Seitdem öffnet das Trio den Luftschutzbunker alljährlich im Sommerhalbjahr an zwei Sonntagnachmittagen pro Monat für Besucher.

Viel Interesse an einer Bunkerbesichtigung in Krumpa

2.000 Leute waren in 36 Stunden Öffnungszeit von April bis September 2018 hier“, sagt Matthias Koch. Wieder sei die Ausstellung erweitert worden, fügt er stolz hinzu. Funde von einer Flakstellung wurden abgegeben und sind jetzt in einer Vitrine zu sehen.

Auf einem Lichttisch kann man ein Luftbild der Gegend von 1945 mit all den Zerstörungen und Bombentrichtern betrachten. Historische Filmaufnahmen werden abgespielt.

Und für 2019 gibt es auch schon wieder Erweiterungspläne. Jetzt im Winter will Matthias Koch die Zeit zu weiteren Recherchen nutzen. Er möchte Lebensläufe von Personen nachvollziehen, die mit dem Werk zu tun hatten.

So sieht es im Haldenbunker von Großkayna heute aus

Der Haldenbunker von Großkayna ist damit überhaupt nicht vergleichbar. Er befindet sich am Ortsausgang in Richtung B 91 am heutigen Großkaynaer See. Das Schutzbauwerk stammt aus dem Jahr 1943. Kriegsgefangene mussten in die bis zu 20 Meter hohen aufgefahrenen Abraummassen, die Anfang des vergangenen Jahrhunderts aus der Grube Großkayna stammten, Stollen vorantreiben.

Bunker Großkayna: Drei Eingänge sind von der Straßenseite aus zu sehen

In dem rund 800 Meter langen Gangsystem unterschiedlicher Größe und Ausmauerung konnten sich bei Luftangriffen bis zu 2.000 Menschen aufhalten. Der fest gemauerte Hauptstollen zum Beispiel ist 2,60 Meter breit und 1,90 Meter hoch. Ein Lüftungssystem, Beleuchtung, Brunnen sowie Toiletten und ausgeschilderte Fluchtwege dienten der Notversorgung.

Bis heute stehen in den Stollen jene Bänke, auf denen die Großkaynaer während der Fliegeralarme und Bombenangriffe, die zu Ende des Zweiten Weltkrieges zumeist dem Leuna-Werk gegolten hatten, ausharren mussten. Drei Eingänge sind von der Straßenseite aus zu sehen. Zwei weitere, zum Teil zugeschüttet und vermauert, soll es ebenfalls noch geben. Heute ist der Luftschutzbunker Eigentum der Stadt Braunsbedra, deren Ortsteil Großkayna ist.

Erinnerungen an Bunker: „Man bekam keine Luft. Ich hatte furchtbare Angst“

Der 77-jährige Großkaynaer Walter Bartel kann sich bis heute erinnern, wie er als Kind mit seinen Eltern im Bunker Schutz suchte. „Man bekam keine Luft. Ich hatte furchtbare Angst“, sagt er. Viele Jahre später bekam es Walter Bartel erneut mit dem Thema Haldenbunker zu tun. Da war er für den Katastrophenschutz im Braunkohlekombinat zuständig. Sogenannte Zivilverteidigungs-Bauwerke wie eben der Bunker gehörten dazu.

„Die Bauwerke sollten erhalten werden, ohne dass man investierte“, erinnert er sich. Seine Aufgabe war es, eine sinnvolle Nutzung zu finden. Doch als Lager kamen die Stollen nicht in Frage, sagt er. „Weil sie schlauchförmig sind, stand alles im Weg.“ Da habe man davon Abstand genommen.

Heute ist ihm wichtig, dass sich die Stadt Braunsbedra weiter um die Erhaltung kümmert. „Damit nicht alles zusammenfällt.“ (mz)