Ärger um Schleusenzeiten

Ärger um Schleusenzeiten: Kapitän von „Captain Fu“ verlässt die Saale

Halle (Saale) - Das Wasser- und Schifffahrtsamt öffnet Schleusen nur von Mai bis Oktober. Den Schiffseignern ist das zu wenig. Einer von ihnen zieht die Reißleine.

Von Julia Rau 07.03.2017, 08:45

Rüdiger Ruwolt ist stinksauer: „Das ist eine Katastrophe gerade.“ Ruwolt ist Kapitän des Ausflugsschiffes „MS Händel“ und würde gern die Winterpause beenden. „Aber das Wasser- und Schifffahrtsamt macht die Schleusen nicht auf.“ Die im Bereich des Amtes liegenden Schleusen werden nur von Mai bis Mitte Oktober betrieben.

Außerhalb der Betriebszeiten können auch Schleusungen angemeldet werden, die sind dann kostenpflichtig. 25 Euro kostet eine Schleusung für Gewerbetreibende, Privatleute dürfen kostenlos passieren. „Ohne die Schleusen komme ich nur eine Stunde hoch und eine runter“, sagt Ruwolt.

Kapitän der „MS Händel“: Trotz langfristiger Anmeldungen gibt es nicht immer definitive Zusagen vom Amt

Um die Kosten zu decken, sei man darauf angewiesen, auch außerhalb der Betriebszeit zu fahren. „Aber das ist bisher immer ein Risiko, Fahrten vor Mai oder nach Oktober anzunehmen, weil ich mich nicht darauf verlassen kann, dass die Schleusen auch geöffnet werden“, sagt der Kapitän.

„Damit habe ich keine Planungssicherheit.“ Der Grund: Trotz langfristiger Anmeldungen gibt es nicht immer definitive Zusagen vom Amt. Auch Ruwolt sei das schon passiert: „Das Amt sagte dann, sie haben nicht genug Personal, um die Schleuse zu öffnen.“

Ausflugsschiff „Captain Fu“ in Merseburg kommt ohne Öffnung der Schleusen keine 800 Meter weit

Den gleichen Ärger mit dem selben Amt hat auch Detlef Furchheim. Der Kapitän des Ausflugsschiffes „Captain Fu“ in Merseburg könne unter diesen Bedingungen den Betrieb nicht mehr aufrechterhalten. „Ein halbes Jahr kaum Einnahmen, weil die Schleusen nicht offen sind, welches Unternehmen soll das aushalten?“, sagt er.

Weil sein Schiff zwischen zwei Schleusen - Rischmühle und Meuschau - liegt, komme er ohne Öffnung keine 800 Meter weit, selbst bei Schrittgeschwindigkeit dauere die Fahrt höchstens eine halbe Stunde. „Das hat sich mittlerweile schon rumgesprochen, da bleiben die Kunden natürlich weg, denn auf einer so kurzen Fahrt sieht man auch nichts.“

Ausflugsschiff „Captain Fu“ in Merseburg: Zwischen Oktober und Silvester sonst 25 Fahrten

Zwischen Oktober und Silvester habe er sonst 25 Fahrten gemacht, 2016 gab es nur Anmeldungen für vier. Zu wenig, um die laufenden Kosten zu decken. „Das Amt sagt nur, sie hätten kein Personal.“ Dabei lassen sich etliche Schleusen sogar von den Kapitänen selbst bedienen. Sie wurden erst vor wenigen Jahren extra darauf umgerüstet.

„Wir müssen dennoch Personal im Hintergrund bereit halten, falls etwas passiert“, erklärt Ulrich Weber vom Wasser- und Schifffahrtsamt. Weil zudem etliche Kollegen Überstunden abbummeln, seien Mitarbeiter knapp - „es fehlt Personal“, sagt Weber selbst.

Wasser- und Schifffahrtsamt: „Man kann ja auch nicht Mitternacht zu Edeka und sich dann beschweren, dass sie nicht auf haben“

20 Mitarbeiter hat das Amt nach Webers Aussagen, 18 davon seien Wasserbauer und damit befähigt, die Schleusen zu bedienen. Er sieht das eigentliche Problem bei den Schifffahrern: „Man kann ja auch nicht Mitternacht zu Edeka und sich dann beschweren, dass sie nicht auf haben“, sagt Weber. Mai bis Oktober, das sei nun mal Saison.

Und außerhalb der Betriebszeiten die Schleusen zu öffnen: „Das ist eine Frage von Aufwand und Nutzen.“ Denn die Personalkosten seien sehr hoch, Einsätze an Wochenenden kosten das Amt zusätzlich. Er nennt 250 Euro pro Einsatz. Außerdem, so Weber, gebe es keinen Anspruch auf eine Schleusenöffnung. „Wenn es geht, geht es, wenn nicht, dann nicht.“

Ärger um Schleusenzeiten: Am 6. Juni verlässt „Captain Fu“ Merseburg

Die Schifffahrtsunternehmen sollen seiner Ansicht nach keine Verträge abschließen, bevor sie die Zusagen für die Schleusenöffnungen haben. Es gebe zudem Möglichkeiten, die Wasserstraßen auch ohne Schleusen zu nutzen, sagt er.

Genau solche Äußerungen treiben den Puls der Kapitäne in die Höhe. „Es gibt zig touristische Konzepte, aber öfter die Schleusen zu öffnen geht nicht?“, so Ruwolt. „Man ist hier als Kapitän in letzter Zeit nur noch Bittsteller gewesen, dabei ist doch genau das der Job des Wasser- und Schifffahrtsamtes“, sagt Furchheim. Er habe sogar schon überlegt, das Schiff der Stadt zu schenken, „dann müssten sie sich endlich was einfallen lassen“.

Doch vorerst zieht er andere Konsequenzen aus der Situation und hat ein Angebot aus dem Ruhrgebiet angenommen. Am 6. Juni verlässt er mit dem Schiff Merseburg. Er würde gern im Oktober wiederkommen, „aber wenn sich etwas anderes ergibt, dann muss man sich das vielleicht überlegen“. (mz)