„Monuments Men“-Dreharbeiten

„Monuments Men“-Dreharbeiten: Clooneys Besuch wird kaum vermarktet

halberstadt/MZ - Es ist diese Szene, die Claudia Becker nicht vergessen wird: 2 Uhr morgens am 18.?Mai?2013, gleich wird im Halberstädter Dom gedreht, wie Mönche im Zweiten Weltkrieg in der Genter Kathedrale Jan van Eycks Altarbild retten. Außer Claudia Becker und ihren drei Kollegen von der Domschatz-Verwaltung ist nur noch ein Mann in der gewaltigen, 800 Jahre alten Kirche: George Clooney. Er ist Regisseur und Hauptdarsteller für den Film „Monuments Men“ und bereitet jetzt die Szene vor – indem er sie durchspielt. Allein im nur mit Hunderten Kerzen beleuchteten Dom. „Es war so intim“, sagt Claudia Becker, „wir haben nicht ...

Von ingo kugenbuch und Undine Freyberg 17.02.2014, 14:23

Es ist diese Szene, die Claudia Becker nicht vergessen wird: 2 Uhr morgens am 18.?Mai?2013, gleich wird im Halberstädter Dom gedreht, wie Mönche im Zweiten Weltkrieg in der Genter Kathedrale Jan van Eycks Altarbild retten. Außer Claudia Becker und ihren drei Kollegen von der Domschatz-Verwaltung ist nur noch ein Mann in der gewaltigen, 800 Jahre alten Kirche: George Clooney. Er ist Regisseur und Hauptdarsteller für den Film „Monuments Men“ und bereitet jetzt die Szene vor – indem er sie durchspielt. Allein im nur mit Hunderten Kerzen beleuchteten Dom. „Es war so intim“, sagt Claudia Becker, „wir haben nicht geatmet.“

„,The Monuments Men‘ hat Deutschlandpremiere - Hauptdarsteller Halberstädter Dom“, wirbt die Stadt Halberstadt ganz vorn auf ihrer Homepage. Wenn sie am Mittwochabend die „Monuments Men“ zum ersten Mal bei der Vorpremiere in der Halberstädter Zuckerfabrik sehen wird, müsse sie aufpassen, „nicht zu juchzen“, sagt Claudia Becker. Denn: „Der Film geht um die Welt, mit unserer Heimat.“ Clooney habe für den Halberstädter Dom eine Tür geöffnet, sagt sie. „Prominenter geht es ja kaum.“ Ohne ihn wäre wohl auch nicht die „Bloomberg“-Journalistin Catherine Hickley nach Halberstadt gekommen, um über die Dreharbeiten - und natürlich den Dom - weltweit zu berichten. Dennoch: Spezielle „Monuments Men“-Dom-Führungen oder Broschüren gibt es nicht und wird es wohl auch nicht geben. „Wir brauchen nicht George Clooney, um geadelt zu werden“, sagt Claudia Becker. „Aber es ist eine tolle Wechselwirkung.“

Bis heute liegt auf dem Gesicht der schlanken Frau mit den kurzen dunklen Haaren ein Clooney-Zauber. Das liegt auch an einem Satz, den der amerikanische Superstar gesagt haben soll, nachdem er die zweite Vorbesichtigung des Doms als Drehort abgesagt hatte: „Manche Orte sind so schön, die muss man nicht ein zweites Mal sehen.“

Und er schaffte es sogar, dass Claudia Becker, die seit 2003 im Dom arbeitet, ihre Kirche buchstäblich in einem ganz neuen Licht sah: Riesige Scheinwerfer ließen abends die Sonne aufgehen - von Norden aus. In Ilsenburg geht die Sonne zwar weiterhin im Osten auf, aber auch hier - wo Clooney mit seinem Stab während der Dreharbeiten im 5-Sterne-Hotel „Landhaus zu den Rothen Forellen“ wohnte - hat der Starauflauf einiges durcheinandergewirbelt.

"War bei euch nicht Clooney?"

Während Bürgermeister Denis Loeffke von einem Treffen mit vier Hoteliers und einem Großvermieter in dem Harzstädtchen berichtet, hält er einen grauen Ordner mit der Aufschrift „George Clooney“ in der Hand. „Unsere Vermieter fanden das durchweg positiv“, sagt Loeffke. Nach wie vor gebe es einen Wiedererkennungseffekt. „War bei euch nicht Clooney?“, fragen Urlauber aus ganz Deutschland, wenn sie ein Zimmer buchen. „Ich werde auch öfter von Kollegen darauf angesprochen“, sagt Loeffke. „Das war unterm Strich eine absolut tolle Geschichte für Ilsenburg.“

Einmal schon versuchten sich Bürgermeister und Hotelchef Sebastian Ott an einer Fortsetzung des Frühjahrsmärchens: Sie bewarben sich gemeinsam um die Ausrichtung des G-8-Treffens 2015. Zwar sind sie am Ende nicht zum Zuge gekommen – aber dafür waren sie wieder einmal deutschlandweit in den Schlagzeilen. „Viele Städte und Gemeinden machen teure Image-Kampagnen - wir bekommen die Aufmerksamkeit kostenlos“, sagt Loeffke. Allerdings muss er über manches, was geschrieben wird, grinsen. So hat etwa die „Zeit“ steif und fest behauptet, dass Clooney von einem Taucher im Forellenteich bewacht worden sei. „Wie sollte das gehen?“, fragt Loeffke lachend. „Der Teich ist maximal 1,50 Meter tief.“

Hotelchef Sebastian Ott antwortet auf Fragen nach der Sicherheit oder den Eigenarten der Stars - hier wohnten neben Clooney Matt Damon, Bill Murray, John Goodman, Cate Blanchett und Jean Dujardin - überhaupt nicht. Fragt man ihn, wie das mit Clooney war, der das Hotel sechs Wochen lang komplett gemietet hat, antwortet er nur lächelnd: „Schön.“ Ansonsten sei alles „unheimlich relaxt“ abgelaufen. Dennoch wird es in Zukunft keinen „George-Clooney-Drink“ geben, und auch die Clooney-Suite, die man für 300 Euro pro Nacht im Badehaus mieten kann, heißt wie bisher: „Forellensuite“.

Einzig ein buntes Schild an ihrer Tür erinnert an den prominenten Gast. „Es gibt keine Marketingstrategie, die auf George Clooney beruht“, bestätigt Ott. Und warum nicht? „Das ist der Stil des Hauses“, sagt er. Verschwiegenheit als Verkaufsargument? Jüngst habe Tom Cruise in Ilsenburg angeklopft, bestätigt Bürgermeister Loeffke. Allerdings sei mit dem „Mission Impossible“-Star kein Vertrag zustande gekommen.

Bislang kaum Spuren am Drehort Merseburg

Während man nach ein bisschen Wühlen auf der Ilsenburger Homepage ein Bild von dem Clooney-Eintrag ins goldene Buch der Stadt und einen Text von Denis Loeffke dazu findet, sucht man in Merseburg - einem weiteren Drehort - vergeblich nach dem Monument Man. Auf der Homepage der Stadt ist gar nichts zu finden. Auf der Internetseite des Saalekreises gibt es einen Link zum Mitteilungsblatt Saalekreis-Kurier vom Mai 2013, in dem Clooney in einem Halbsatz erwähnt wird. „Wir planen da etwas, wollen etwas machen, wo wir nicht nur zeigen, dass Clooney da war, sondern auch noch etwas zum ,Medicus‘ und den anderen Filmen, die auf Burg Querfurt gedreht wurden“, sagt Landrat Frank Bannert schwammig.

Ob 2014 noch einmal der ganz große Hollywoodglanz nach Sachsen-Anhalt kommt? Noch ist nichts bekannt. Claudia Becker kann sich ohnehin nur noch eine Steigerung zu Clooney vorstellen: Papst Franziskus.

Auf den folgenden Seiten sehen sie Fotos von den Dreharbeiten und den Stars in Sachsen-Anhalt.

George Clooney und seine Monuments Men waren auf der Berlinale um ihren Film vorzustellen.

Auf der nächsten Seite sehen sie Bilder der Dreharbeiten in Merseburg im April 2013.

Teile des Films wurden im Frühjahr 2013 in Merseburg gedreht. Am 14. Februar 2013 war Clooney erstmals selbst in der Domstadt, um sich die Drehorte anzusehen.

Auf der nächsten Seite sehen sie Bilder von George Clooney & Co. aus Wernigerode.

Zahlreiche Fans im Mai geduldig vor dem asiatischen Restaurant „Orchidea“ in Wernigerode, um ein Autogramm von Clooney zu bekommen. Und Prinz Charming ließ sich - wie zuvor schon in Merseburg - nicht lumpen: Lächelnd hielt er Smalltalk und scherzte mit seinen Bewunderern. Ein Star ohne Allüren. Zuvor war er gemeinsam mit einigen Mitarbeitern Gast in dem Lokal, in dem er schon am 6. Mai seinen 52.?Geburtstag gefeiert hatte.

Auf der nächsten Seite sehen sie Bilder der Stars in Ilsenburg.

George Clooney, Matt Damon und John Goodman sind im Mai im 5-Sterne-Hotel „Landhaus zu den Rothen Forellen“ abgestiegen.