Zoo Leipzig

Zoo Leipzig: Jörg Junhold feiert 20-Jähriges als Zoo-Direktor

Leipzig - Das schielende Opossum Heidi hat den Zoo Leipzig weltweit bekannt gemacht. Doch nicht nur die tierischen Bewohner begeistern die Besucher. Auch ein Zoo-Direktor kann Fans haben.

Von Birgit Zimmermann
Der Direktor des Zoo Leipzig, Jörg Junhold posiert am Gehege zur Elefantenanlage. Am 1. November ist er 20 Jahre als Zoo-Direktor in Leipzig im Amt. dpa-Zentralbild

Als Jörg Junhold nach dem Roten Panda im Zoo Leipzig schauen will, wird er von einer etwas aufgeregten Besucherin angesprochen. Ob der Zoo-Direktor ein Foto mit ihr machen würde, fragt die Dame. Sie habe Geburtstag - und sie habe sich extra ein Tattoo von Oobi-Ooobi stechen lassen, berichtet sie und schiebt den Jackenärmel über ihrem Handgelenk hoch.

Der Koala Oobi-Ooobi ist der tierische Star des Zoos Leipzig, aber auch der Chef Junhold (53) hat es zu einiger Bekanntheit gebracht. Am 1. November ist er 20 Jahre Zoo-Direktor in Leipzig. Damit ist er einer der dienstältesten Zoo-Chefs Deutschlands.

„Die öffentliche Aufmerksamkeit habe ich am Anfang wirklich unterschätzt“, sagt der promovierte Veterinärmediziner. Nicht nur werde er auf seinen Rundgängen durch den 26 Hektar großen Zoo in Leipzig ständig von Besuchern erkannt und um Selfies gebeten. Sondern auch das allgemeine Interesse am Zoo habe er in dem Ausmaß nicht erwartet. „Als ich allerdings begriffen hatte, wie es funktioniert, habe ich das für uns genutzt“, sagt er. Seine Pläne für die Umgestaltung des Zoos habe er immer mit der Öffentlichkeit geteilt. Und das waren keine kleinen Pläne.

20 Jahre Zoo-Direktor:  Jörg Junhold ist seit 1. November 1997 Chef in Leipzig

Als Junhold am 1. November 1997 seinen Posten antrat, übernahm er die Leitung eines Zoos mit viel Tradition, aber auch veralteten Anlagen. Einen „riesigen Investitions- und Instandhaltungsstau“ nennt das der Zoo-Chef. Zusammen mit einer Projektgruppe entwarf er einen Masterplan „Zoo der Zukunft“ und baute den Tierpark Schritt für Schritt um. Die Tage von Elefanten- und Affenhaus waren gezählt, für die Tiere wurden Elefantentempel oder „Pongoland“ gebaut - weitläufige Anlagen, die Tieren wie Besuchern gleichermaßen gerecht werden sollen.

Gefragt nach seinem Highlight beim Zoo-Umbau, antwortet Junhold sofort: „Gondwanaland“. Die Tropenhalle sei nach wie vor einzigartig in Europa, sagt er. Das Mega-Projekt kostete 67 Millionen Euro - und es trieb die Besucherzahlen des Zoos nach seiner Eröffnung im Juli 2011 nach oben.

Schielende Beutelratte „Heidi“ sorgte für weltweite Aufmerksamkeit

Dabei gelangte eine Bewohnerin zu ganz besonderem Ruhm. Das schielende Opossum Heidi, eine übergewichtige Beutelratte, schaffte es bis ins US-Fernsehen als Oscar-Orakel. Ein Hype, den die Medien gemacht hätten, betont Junhold. „Ich war eher überrascht, dass eine Beutelratte um die Welt gehen kann.“ Allerdings spielte der Zoo mit - und verkaufte zum Beispiel eine Plüschheidi im Zooshop oder richtete eine eigene Facebook-Seite für das Opossum ein.

Nach Einschätzung des Verbandes der Zoologischen Gärten (VdZ) hat der Leipziger Zoo inzwischen eine Vorreiterrolle in Europa eingenommen. Junhold habe das Potenzial der Einrichtung erkannt und sie aus einem „Dornröschenschlaf“ geweckt, erklärt ein VdZ-Sprecher. Gemessen an der Einwohnerzahl, ziehe der Zoo überproportional viele Besucher an. Das gelinge in anderen Städten bei Weitem nicht in diesem Verhältnis. In diesem Jahr rechne er mit rund 1,7 Millionen Gästen, sagt Junhold. 1997, als er seinen Posten antrat, seien es 675.000 gewesen.

Zoo Leipzig: Jörg Junhold will Menschen und Tiere zusammenbringen

Die Besucherzahlen seien ihm wichtig, denn Zoos hätten einen Bildungsauftrag, sagt Junhold. Indem man die Menschen mit den Tieren zusammenbringe, könne man sie für Tier- und Artenschutzthemen interessieren. Das Argument, dass viele Tiere auf der Roten Liste der bedrohten Arten gelandet sind, obwohl es seit rund 150 Jahren Zoos gibt, lässt Junhold nicht gelten. „Dass Tiere in freier Wildbahn unter Druck stehen, kann man wirklich nicht den Zoos vorwerfen“, sagt er. „Je länger ich hier gearbeitet habe, desto mehr fühle ich mich auch als Naturschützer.“

Pläne für die Zukunft hat der umtriebige Zoo-Chef noch einige. 2022 soll sein Masterplan erfüllt sein. „Dann sind wir einmal rum.“ Einige Anlagen werden dann rund ein Vierteljahrhundert alt sein - das sei ein Alter, in dem schon wieder eine Renovierung fällig werde. Aber auch andere Themen wie die Digitalisierung beschäftigen Junhold. Wie können Handys beim Zoo-Besuch genutzt werden, sei eine der Fragen.

Doch dann klingt der Modernisierer plötzlich fast ein bisschen altmodisch: „Ich glaube eigentlich auch, dass wir ein Gegenpol sein werden. Ein Ort der Entschleunigung, wo man einfach mal Tiere beobachten kann.“ (dpa)