Projekt um Michael Stifel

Projekt um Michael Stifel: Eine Stadt macht Theater

Annaburg - Annaburger bringen Leben und Wirken des Michael Stifel auf die Bühne.

Von Sven Gückel

Ein Event dieser Form und Größe hat Annaburg noch nicht erlebt. Das gesamte Schlossareal wird Mitte Juni zum Schauplatz eines Theaterspiels, in dessen Mittelpunkt das Leben und Wirken des Pfarrers Michael Stifel steht. Der Vorverkauf für die Karten soll am 22. März beginnen.

Noch einmal wollen die Akteure proben, dann muss alles sitzen. Knapp 30 Sprechrollen hat Regisseur Markus Schuliers in sein Werk „Der Walk of Fame des Michael Stifel“ eingebaut, die von Annaburger Laiendarstellern und Schülern des Gymnasiums Jessen besetzt werden.

Aufgeteilt in drei Gruppen, üben die Hobbyschauspieler ihre Rollen für sich. Erst zur Generalprobe soll das Gesamtkunstwerk erkennbar sein. „Bei einer Theateraufführung dieser Art wurde das so noch nie zelebriert. Ich bin gespannt, aber auch guter Dinge, dass alles klappt“, demonstriert Schuliers Optimismus. Mit der Arbeit seiner Darsteller, so der Wittenberger, der unter anderem am Stadttheater Cottbus und als Oberspielleiter am Mitteldeutschen Landestheater arbeitete, sei er überaus zufrieden.

Stellvertretend dafür nannte er Ulrich Fischer, der den Michael Stifel spielt und seinen umfassenden Text bereits beherrsche.

Grenzenlos Freude strahlt auch das Gesicht von Gerald Lexius aus. Der Annaburger ist Mitglied im Vorstand des Fördervereins Annaburger Porzellaneum, der das Theaterstück initiierte und organisiert. „Wir haben nach einem Alleinstellungsmerkmal für den Ort gesucht und in der Geschichte des Michael Stifel ein ideales Thema gefunden“, betont er.

Der Kartenvorverkauf für das Theaterstück „Der Walk of Fame des Michael Stifel“ beginnt am 22. März. Zu erwerben sind die Karten im Porzellaneum. Für die öffentliche Generalprobe am 14. Juni (19 Uhr) sind 10 Euro veranschlagt, ein Ticket für die Premiere am 15. Juni (19 Uhr) kostet 15 Euro. Darüber hinaus wird derzeit die Möglichkeit geschaffen, die Eintrittskarten über das Internet auf www.annaburg-porzellan.de zu bestellen.

Dass es zudem perfekt in das Jubiläum der Reformation passt, rundet die Sache vollends ab. Längst sei bekannt, dass Martin Luther und Stifel ein gutes Verhältnis zueinander hatten, der große Kirchenmann seinen Pfarrersfreund im damaligen Lochau einführte, hier auch traute und später nach seinen missglückten Weltuntergangsthesen für dessen Sicherheit sorgte.

Von Beginn an, so Schuliers, sei er mit seinen Ideen von der Umsetzung des Stücks auf offene Ohren gestoßen. Zahlreiche Vereine der Stadt, unter anderem der Forstchor, die Line-Dancer, der Heimatverein und der Prettiner Posaunenchor, die Schulen des Ortes, aber auch die evangelische Kirchgemeinde bekundeten frühzeitig ihr Interesse daran, mitwirken oder helfen zu wollen.

Dennoch sieht Regisseur Schuliers die Grenze der möglichen Besetzung noch nicht erreicht. Selbst wenn sich kurz vor der Premiere noch Einzeldarsteller oder Vereine finden, die, ohne Sprechrolle, mitspielen möchten, lasse sich das arrangieren.

Dafür biete das Stück selbst, aber auch das weitläufige Areal, alle Möglichkeiten. Nach den Plänen des Regisseurs soll auf dem Vorderschlosshof ein Mittelaltermarkt aufgebaut sein, der das Publikum auf die historische Zeit des Stücks einstimmt. Die eigentliche Aufführung findet im Hof des Hinterschlosses statt. Zu klären gilt es noch, wie viele Stühle hier gestellt werden können.

Danach richtet sich letztlich die Anzahl der offerierten Karten. Um einer großen Anzahl Interessierter die Chance zu geben, das Stück zu erleben, soll auch die Generalprobe öffentlich sein.

Das veranschlagte Budget des Theaterstücks beziffert Lexius auf etwa 10.000 Euro. Gedeckt werden soll es durch die Eintrittsgelder und Sponsoren. Auf das Beantragen von Fördermitteln habe man letztlich verzichtet. „Der bürokratische Aufwand ist so hoch, dass wir uns in diesem Fall dagegen entschieden haben“, erläutert Gerald Lexius.

Kategorisch ausschließen wolle man das für die Zukunft aber nicht. Zumal sowohl Schuliers als auch der Förderverein Porzellaneum sich gut vorstellen können, ihre Zusammenarbeit fortzusetzen. „Annaburg bietet noch reichlich Themen, die man auf die Bühne bringen kann. Allein die Person der Kurfürstin Anna hält zahlreiche Geschichten parat“, so Markus Schuliers.

Entsprechende Pläne habe er schon im Kopf. Jetzt aber gelte es erst einmal das aktuelle Werk umzusetzen. Was Schuliers besonders freut ist die Tatsache, dass Annaburg seiner Auffassung nach der einzige Ort im Landkreis sei, der sich neben Wittenberg mit der Reformation so stark inhaltlich auseinandersetze. „Diese Stadt freut sich darauf, Theater zu machen“, sagt er anerkennend. (mz)