Jetzt schnell noch Winterreifen?

Jetzt schnell noch Winterreifen?: Nachzügler warten nicht bis Ostern

Wittenberg - Der Wintereinbruch treibt nur noch wenige Nachzügler in die Werkstätten. Viele setzen inzwischen ganz auf Allwetterreifen. Die MZ hat Meinungen dazu zusammengetragen.

Von Sonja Poppe

Die Winter der vergangenen Jahre sind immer wärmer geworden. Wirklich viel Schnee gab es kaum noch. Verzichten Autofahrer deshalb inzwischen auf den Wechsel zu Winterreifen und hat der diesjährige Wintereinbruch nicht doch noch den ein oder anderen zum verspäteten Reifenwechsel veranlasst? Nein, eher nicht, so die einstimmige Rückmeldung aus zwei Wittenberger Autohäusern.

Ende November durch

„Also, die Winterreifengeschichte ist bei uns schon Ende November, Anfang Dezember vollkommen durchgelaufen gewesen“, betont Dieter Peschke, der Inhaber von Automobile Dieter Peschke auf die Frage, ob der Schnee zum Jahresanfang nicht noch verspätete Nachzügler dazu veranlasst habe, ihr Auto wintertauglich zu machen.

Offensichtlich war dies auch in anderen Werkstätten kaum der Fall. Denn auch Olaf Aßmann vom Autohaus Faust erklärt, der Wintereinbruch habe nur noch sehr vereinzelte Kunden dazu bewegt, einen verspäteten Reifenwechsel vornehmen zu lassen.

„Die meisten Kunden halten sich an die Regel von O bis O“, betont er. Sie kämen also wie empfohlen im Oktober und um Ostern herum in die Werkstatt, um ihre Reifen wechseln zu lassen. Die kleine Eselsbrücke hilft, sich an die Aktion zu erinnern. Wobei die Werkstätten ihren Kunden ohnehin Termine anbieten, an denen sie einen schnellen Wechsel garantieren.

Sowohl Dieter Peschke als auch Olaf Aßmann sehen zudem einen deutlichen Trend zu Allwetterreifen, mit denen man sich die halbjährlichen Reifenwechsel sparen kann. In der Antwort auf die Frage, inwiefern solche Ganzjahresreifen echte Winterreifen tatsächlich ersetzen können, gehen ihre Meinungen allerdings ein wenig auseinander.

„Der Einsatz von Ganzjahresreifen hat bei Wenigfahrern zugenommen“, erklärt Dieter Peschke. Er rate aber dennoch ausdrücklich dazu, die „Winterreifen nicht aus den Augen zu verlieren“, denn „Allwetterreifen ersetzen auf keinen Fall den Winterreifen.“

Sie entsprächen zwar den „technischen Voraussetzungen für die Versicherung“, seien aber „nicht gleichwertig, weil die Leistung eines Allwetterreifens nicht der eines Winterreifens entspricht“. Der Bremsweg sei länger, denn der „Grip des Allwetterreifens ist nicht der eines Winterreifens und kann es auch gar nicht sein.“

Trend ist erkennbar

Auch er denke da selbst noch „ein bisschen altmodisch“, meint Olaf Aßmann: „Ich finde immer noch, ein Winterreifen ist ein Winterreifen und ein Sommerreifen ist ein Sommerreifen.“ Doch inzwischen könne man das eigentlich nicht mehr so pauschal sagen. Denn „wenn hier jemand zum Beispiel nur in Wittenberg herumfährt, dann reichen Allwetterreifen komplett aus. Wir haben ja keine zwanzig Zentimeter Schnee.“

Daher sieht Olaf Aßmann im Ganzjahresreifen auch „auf jeden Fall einen großen Trend“ und stellt fest: „Bei uns hier im Flachland haben inzwischen die meisten Allwetterreifen drauf, außer es sind Leute, die zum Wintersport fahren. Die sind noch doppelt bereift mit Sommer- und Winterreifen.“ (mz)