Grundschule Annaburg

Grundschule Annaburg: Jetzt nach Michael Stifel benannt

Annaburg - Den Namen „Michael Stifel“ trägt seit Dienstag die Grundschule Annaburg. Sie ist damit die erste Bildungsstätte in Deutschland, die auf diese Weise an den Pfarrer, Reformator und Mathematiker erinnert, der von 1487 bis 1567 lebte. Die Universität Jena unterhält ein Michael-Stifel-Zentrum „für datengetriebene und simulationsgestützte ...

Von Frank Grommisch 20.06.2017, 14:59

Den Namen „Michael Stifel“ trägt seit Dienstag die Grundschule Annaburg. Sie ist damit die erste Bildungsstätte in Deutschland, die auf diese Weise an den Pfarrer, Reformator und Mathematiker erinnert, der von 1487 bis 1567 lebte. Die Universität Jena unterhält ein Michael-Stifel-Zentrum „für datengetriebene und simulationsgestützte Wissenschaften“.

Dort wie hier hat Michael Stifel seine Spuren hinterlassen. Denn Stifel wurde in Jena der erste Professor für Mathematik. Dass er es soweit bringen würde, hatte er wahrscheinlich selbst nicht erwartet, schließlich hatte er für den 19. Oktober 1533 im damaligen Lochau, dem heutigen Annaburg, den Weltuntergang verkündet.

Damit hat er einen festen Platz in der Geschichte der östlichsten Stadt Sachsen-Anhalts, aber nicht nur deshalb.

Annaburgs Ortsbürgermeister Stefan Schmidt (Freie Wählergemeinschaft), der Initiator der Namensgebung, hält ihn für den idealen Kandidaten für die damit verbundene Ehre. Er sei ein Mensch mit Gewissen gewesen, der sich gegen den Ablasshandel wandte und dafür verfolgt wurde. Er war, in Bezug auf seine Weltuntergangsverkündung, ein Mensch mit Fehlern.

Aber auch ein Mann der Wissenschaft, der vor allem die Mathematik voranbrachte. Der Zeitgenosse Luthers war der Wegbereiter der Logarithmen. Mit den von ihm veröffentlichten Magischen Quadraten habe er auch eine Art Vorläufer der Sudokos geliefert.

Idee schon länger gereift

Ein Name sei ein identitätsstiftendes Mittel. „Das war auch für mich der Grund, die Initiative, die in der Namensgebung gipfelt, zu starten“, sagte Stefan Schmidt, der zudem den Förderverein der Grundschule führt. Die Idee sei schon eine ganze Weile in seinem Kopf gewesen. Den Anstoß, sich an die Umsetzung zu wagen, habe letztlich die Frage eines Freundes gegeben.

„Der Rest ist ein Beispiel für eine ansteckende Idee und die Begeisterungsfähigkeit der Menschen hier in und um Annaburg.“ Doch die Namensgebung ist nur ein erster Schritt, darin waren sich der Ortsbürgermeister und Schulleiterin Antje Berger einig. Durch Aktionen und Veranstaltungen müsse die Identität der Schule weiterentwickelt und belebt werden.

Aus dieser Sicht hätte es für die Namensgebung, die von Förderverein, Ortschaftsrat, Stadtrat und Schulkonferenz befürwortet wurde, keinen günstigeren Zeitpunkt geben können. Zum 180. Schlossfest, das am Sonntag zu Ende ging, hatte das Theaterstück „Der Walk of Fame des Michael Stifel“ von Markus Schuliers Premiere. In die Aufführung eingebunden waren auch Grundschüler.

Der Mensch Stifel wurde da einem großen Publikum nahe gebracht. 500 Jahre Reformation schienen da fast eine Nebensache zu sein, so Schmidt. Peter Burkhardt, der im Gewand Michael Stifels an der Schule erschien, ist überzeugt, dass der Geehrte stolz darauf wäre, dass diese Schule seinen Namen trägt.

Mehr zu Leben und Werk

Noch bis zum heutigen Mittwoch befassen sich die Mädchen und Jungen übrigens in einem dreitägigen Stifel-Projekt mit dem in der Region berühmten Mann. Unterstützt wird das durch die Netzwerkstelle „Schulerfolg sichern“. Fördermittel der Europäischen Union können dafür eingesetzt werden. Am heutigen Mittwoch werden Schüler die seit 20 Jahren auf dem Markt stehende Stifel-Skulptur sowie die evangelische Kirche besuchen.

Vor der Namensgebung war hinter der Bildungsstätte der erneuerte Schulgarten eingeweiht worden, dessen Blickfang die runden Hochbeete sind. Viele Stunden Arbeit haben Mitglieder des Fördervereins, Eltern, Schüler, Lehrer, der Hausmeister und Bauhofmitarbeiter in dieses Projekt investiert.

Noch ist nicht alles fertig. Eine Naschstrecke mit Himbeeren und Brombeeren fehlt noch. Doch der Anfang hierfür wurde beigesteuert. Die Stadtverwaltung schenkte Heidel- und Jochelbeere.

(mz)