Gedenken in Torgau

Gedenken in Torgau: Erinnerung an Opfer der Militärjustiz

Torgau - Der 27. Januar wird in Deutschland als offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hatte ihn 1996 initiiert. Es ist der Tag, an dem die Rote Armee vor 72 Jahren die Konzentrationslager in Auschwitz ...

25.01.2017, 09:40

Der 27. Januar wird in Deutschland als offizieller Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus begangen. Der damalige Bundespräsident Roman Herzog hatte ihn 1996 initiiert. Es ist der Tag, an dem die Rote Armee vor 72 Jahren die Konzentrationslager in Auschwitz befreite.

Die Vereinten Nationen haben den Tag außerdem 2005 zum Internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocausts erklärt.

Das Dokumentations- und Informationszentrum (DIZ) Torgau lädt daher zu einer Gedenkveranstaltung mit Kranzniederlegung an das Memorial vor dem Fort Zinna (Justizvollzugsanstalt Torgau) ein. Die Zeremonie beginnt am Freitag, 27. Januar, um 12 Uhr.

Ort der Wehrmachtsjustiz

Wenn man in Torgau an diesem Tag insbesondere an die vielen Soldaten, die von der nationalsozialistischen Militärjustiz inhaftiert, verurteilt, hingerichtet oder unter schlimmsten Bedingungen in Strafeinheiten zur „Bewährung“ an die Front geschickt wurden, erinnert, dann hat dies insbesondere mit dem Ort selbst zu tun.

Denn hier befand sich „die Zentrale der Wehrmachtsjustiz“, wie Elisabeth Kohlhaas vom DIZ betont. Diejenigen, die wegen Fahnenflucht zum Tode verurteilt wurden, hatten vielfach ihre Einheit verlassen, weil sie den nationalsozialistischen Angriffskrieg nicht mehr mittragen konnten.

Andere Soldaten erhielten hohe Strafen, weil die Militärgerichte eine abschreckende Wirkung hervorrufen wollten.

Bis zu 1.000 Urteile vollstreckt

Zur Schreckensbilanz der Wehrmachtsjustiz insgesamt gehören mehr als 20.000 vollstreckte Todesurteile. Nachweislich wurden in Torgau mindestens 197 Soldaten in der ehemaligen Süptitzer Kiesgrube und im Wallgraben des Forts Zinna exekutiert. Vermutet werden wegen der lückenhaften Überlieferung sogar bis zu 1.000 Erschießungen.

Bei der Gedenkveranstaltung am kommenden Freitag sprechen der Leiter des DIZ Torgau, Wolfgang Oleschinski, und Ina Kirchhöfer als Vertreterin der Stadt Torgau. Der Leipziger Schauspieler Detlef Vitzthum liest aus Originaltexten. Die Veranstaltung wird musikalisch von Moritz Brandenburg von der Musikschule Torgau begleitet.

Das DIZ Torgau dokumentiert die Geschichte der Torgauer Haftorte im 20. Jahrhundert. Die NS-Militärjustiz mit den beiden Wehrmachtsgefängnissen Fort Zinna und Brückenkopf steht dabei im Mittelpunkt.

Dies wird mit Gefangenenbiografien und zahlreichen Dokumenten in der ständigen Ausstellung „Spuren des Unrechts“ im Schloss Hartenfels (Flügel B) eindrucksvoll dargestellt. Die Ausstellung ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet, Eintritt frei. (mz)