1. MZ.de
  2. >
  3. Mitteldeutschland
  4. >
  5. Landkreis Wittenberg
  6. >
  7. Gedenken in Coswig: Gedenken in Coswig: An jüdische Familien wird erinnert

Gedenken in Coswig Gedenken in Coswig: An jüdische Familien wird erinnert

Von Ilka Hillger 10.11.2017, 13:23

Coswig - „Dieses Gedenken muss fürs uns Demokraten eine bleibende Verantwortung bleiben“, sagte Coswigs Bürgermeister Axel Clauß am Donnerstagnachmittag auf dem jüdischen Friedhof der Stadt. Hier, wie auch am Mahnmal an der Wittenberger Stadtkirche und an der Gedenkstätte am Jüdischen Friedhof in Wörlitz fanden Gedenkveranstaltungen in Erinnerung an die Pogromnacht vor 79 Jahren statt.

Am 9. November 1938 wurden unter Federführung der Nationalsozialisten deutschlandweit Juden getötet, verletzt und verschleppt, Synagogen in Brand gesetzt, jüdische Geschäfte und Einrichtungen verwüstet.

Der jüdische Friedhof in Coswig selbst weist in der Heidestraße nur noch drei verwitterte Grabsteine auf. Entziffern lassen sich die Inschriften Blumenthal und Steinthal. Die Familiengeschichten hinter diesen Namen haben bereits vor einigen Jahren Schüler des Piesteritzer Lucas-Cranach-Gymnasiums recherchiert. Im Konzentrationslager Auschwitz wurde am 13. April 1943 Ernst Blumenthal ermordet.

Heinz Reinhold, Besitzer des Korksteinwerkes, wurde wegen Rassenschande ins Zuchthaus gesperrt, und 1942 der Gestapo überstellt. Danach verlor sich seine Spur. Zu jüdischen Bürgern, die einst in Coswig lebten, gehörte auch die Familie des Textilhändlers Friedländer und von Max Märker, der ein Bekleidungsgeschäft in der Friedrikenstraße 17 führte. Das Geschäft wurde in der Pogromnacht geplündert und zerstört.

Das Projekt der Gymnasiasten war Ausgangspunkt für die Verlegung von Coswigs einzigen innerstädtischen Stolpersteinen 2013 in der Berliner Straße 4. Dort befand sich das Wohnhaus der Familie Rheinhold. Mit den Stolpersteinen wird in ganz Deutschland unter anderem an die Vertreibung und Vernichtung von Juden erinnert. (mz)