Corona im Landkreis Wittenberg

Corona im Landkreis Wittenberg: Wenig Impfstoff, wenige Termine

Wittenberg - Der Landkreis erhält pro Woche 950 Impfdosen. Bis 19. Februar sind die Termine bereits vergeben. Wie die Impfung der Älteren im Kreis Wittenberg vorangeht.

Von Marcel Duclaud
Amtsarzt Michael Hable im Impfzentrum

Der Impfstoff ist knapp, die Termine sind es ebenfalls. Und das wird sich auf absehbare Zeit auch nicht ändern. Das bestätigt Wittenbergs Amtsarzt Michael Hable in einem Gespräch mit der MZ nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Unmuts, der sich etwa in Leserbriefspalten und am Bürgertelefon widerspiegelt. Viele derer, die berechtigt sind, also Menschen über 80 Jahre, versuchen online oder telefonisch einen Termin zu ergattern für eine Corona-Schutzimpfung, vielen gelingt das offenkundig nicht.

Impfzentrum öffnet Montag

Ein Grund ist die Überlastung, ein anderer die knappe Ressource Impfstoff. Nach Auskunft von Amtsarzt Hable sind bereits jetzt bis 19. Februar sämtliche Termine für eine Impfung im Impfzentrum Wittenberg, das am Montag am Berufsschulzentrum geöffnet wird, vergeben. Innerhalb weniger Stunden seien die Termine weg gewesen, erklärt Kreissprecher Ronald Gauert, der im Übrigen darauf verweist, dass für Termin-Vergabe und Impfung die Kassenärztliche Vereinigung zuständig ist.

„Wir haben da gar keinen Einfluss.“ Zahlreiche Anrufe mit Fragen, Beschimpfungen oder Bitten, doch möglichst schnell einen Impftermin zu organisieren, landen dennoch beim Landkreis. Die Kassenärztliche Vereinigung stellt unterdessen am Abend in einer Pressemitteilung fest, sie sei nicht für die Vergabe von Terminen zuständig. Wörtlich heißt es: „Impftermine werden lokal durch die Landkreise ... je nach der vorhandenen Menge Impfstoff koordiniert.“

Ab Dienstag erhält der Kreis Wittenberg nach Auskunft des Amtsarztes 950 Dosen des Impfstoffes von Biontech und Pfizer, die für eine Woche reichen müssen. Er rechnet damit, dass es bis Ende Februar bei dieser Menge bleiben wird. Die Hälfte des verfügbaren Impfstoffs muss zurückgelegt werden für die zweite Impfung. Pro Werktag können laut Hable großzügig gerechnet rund einhundert Menschen geimpft werden im Kreis Wittenberg.

Allerdings nicht alle im Impfzentrum am Mittelfeld. Dort sollen lediglich etwa 50 Dosen pro Tag verabreicht werden. Der Rest geht an die mobilen Impfteams, die mit ihrer Arbeit etwa in Pflegeheimen längst nicht fertig sind. „Das dauert alles seine Zeit.“ Pro Heim müssen oft mehrere Tage veranschlagt werden.

Nach Schätzungen des Gesundheitsamtes, das die Teams mit Mitarbeitern unterstützt, sind gegenwärtig vielleicht ein Drittel der Bewohner und Mitarbeiter in Senioren- und Pflegeheimen oder beim Betreuten Wohnen geimpft. „Wir brauchen noch Zeit, um die prioritären Gruppen zu impfen“, erklärt Amtsarzt Hable.

Zu ihnen zählen auch Mitarbeiter mit Patientenkontakt in den Kliniken des Landkreises, also im Herzzentrum Coswig, im Paul-Gerhardt-Stift und der Klinik Bosse. „Wir müssen die Akut-Kliniken schützen, sie dürfen nicht zusammenbrechen“, betont der Mediziner. Der Zuspruch, auf den die mobilen Teams stießen, sei relativ hoch, so Hable. Er schätzt, dass sich zwei Drittel der Menschen, die zurzeit berechtigt sind, auch impfen lassen.

Dass sich das alles noch hinziehen wird, sei keine Frage. Auch deshalb, weil es in den Pflegeheimen „große Ausbrüche“ gegeben habe. Geimpft wird zwar, wer sich im Frühjahr mit dem Corona-Virus infiziert hat, jene Fälle ab Oktober aber nicht. Hable verweist zudem darauf, dass die Teams ja auch noch eine zweite Runde in den Pflegeheimen drehen müssen - für die zweite Impfung, damit eine möglichst große Immunisierung erreicht wird. „Wir sind dort vielleicht in zwölf Wochen durch“, schätzt er.

Lage extrem angespannt

Über die alten Menschen, die von Pflegediensten betreut werden, sei da noch gar nicht gesprochen. „Wer irgend kann, der sollte ins Impfzentrum kommen“, rät der Amtsarzt. Bei den schwereren Fällen, die in keiner Weise mobil sind, müssten Termine über die Pflegedienste organisiert werden. Die Teams kämen dann vor Ort, um die Schutzimpfung durchzuführen. Allerdings werde das noch einige Zeit dauern.

Was die allgemeine Situation betrifft, die von weiterhin steigenden Fall-Zahlen und einer im Vergleich sehr hohen Inzidenz geprägt ist, spricht Wittenbergs Amtsarzt von einer „extrem angespannten“ Lage. „Wir sind hier seit Wochen am Limit.“ Die Mitarbeiter hätten 70-Stunden-Wochen. Viele Infektionen haben nach seinen Worten nach wie vor mit Unvernunft zu tun. Zu spüren seien die Nachwirkungen von Weihnachten und Silvester.

Hable bittet um Vorsicht und um Nachsicht: „Ich kriege zig Mails mit Bitten, doch sofort geimpft zu werden. Aber wir können uns den Impfstoff doch nicht aus den Rippen schneiden.“

Wartezeiten wegen der vielen Anfragen

Auf seiner Seite im Netz gibt der Landkreis Informationen zur Corona-Schutzimpfung. Die Terminvergabe, heißt es, erfolgt ausschließlich über die Kassenärztliche Vereinigung - online unter www.impfterminservice.de/impftermine oder unter Tel: 116117. Bei der Nutzung der Internetportales könne es aktuell sein, dass das Anfragelimit erreicht ist und kein Vermittlungscode versendet wird oder Termine erst in einigen Wochen angeboten werden. Selbiges trifft auf die telefonische Terminvereinbarung zu. Zudem könne es wegen der Vielzahl von Anfragen zu Wartezeiten kommen. (mz)