Riesenbärenklau mitten im Dorf

Riesenbärenklau mitten im Dorf: „Stalins Rache“ breitet sich in der Region aus

Wimmelburg - Das hallesche Institut für Umweltfragen kritisiert den Kreis: Pflanze wird in diesem Jahr in Mansfeld-Südharz gar nicht bekämpft.

Von Beate Thomashausen

Der Riesenbärenklau breitet sich aus in Mansfeld-Südharz. Vor allem in den Gebieten um Seeburg und an den Uferbereichen an der Bösen Sieben, im Wilden Graben und am Wolferöder Graben sind die großen, dekorativen Pflanzen zu finden. Es seien alarmierend viele. In Wimmelburg findet man den Bärenklau mitten im Dorf. „Wir reden nicht von ein paar vereinzelten Exemplaren, sondern von Gebieten mit tausenden Pflanzen“, so Katrin Lena Schneider von der Koordinationsstelle Invasive Neophyten in Schutzgebieten Sachsen-Anhalts, kurz Korina. Korina dokumentiert und kartographiert seit Jahren das Vorkommen von Neophyten - unter anderem den Riesenbärenklau.

Der Riesenbärenklau, auch bekannt als Herkulesstaude oder „Stalins Rache“ ist eine Neophyte, sprich eine Pflanze, die nicht in diese Breiten gehört. „Wo der Riesenbärenklau wächst, ist kein Platz mehr für andere Pflanzen“, weiß Schneider. Oft dringe er in Naturschutzgebiete ein und verdränge dort heimische Arten. An Bach- und Flussläufen begünstigt er die Erosion, da seine Wurzeln keine uferbefestigende Wirkung haben.

Schneider: „Außerdem ist der Pflanzensaft des Bärenklaus phototoxisch.“ Das heißt, nach Kontakt mit dem Saft des Riesenbärenklaus in Kombination mit Sonnenlicht kann es zu schweren Verbrennungen der Haut kommen. Genügend Gründe dafür, der Herkulesstaude zu Leibe zu rücken, findet man bei Korina und kritisiert, dass der Landkreis Mansfeld-Südharz - nach Großaktionen in den vergangenen Jahren - in diesem Jahr keine Anstalten unternimmt, die Pflanzen einzudämmen. Der Landkreis, speziell die Untere Naturschutzbehörde sei nur für die Beseitigung des Riesenbärenklaus in Schutzgebieten zuständig, sagt Kreispressesprecherin Michaela Heilek. „Aktuell ist nicht bekannt, dass in einem Schutzgebiet unseres Landkreises Riesenbärenklau aufgetaucht ist.“

Wenn Riesenbärenklau an Kindertagesstätten, Altenheimen oder an Schulen auftauchen werden Kommunen aktiv

Kommunen werden nur im Rahmen der Gefahrenabwehr aktiv, wenn die Pflanzen an Kindertagesstätten, Altenheimen oder an Schulen auftauchen. Heilek: „Eine generelle Regelung zur Bekämpfung gibt es in Sachsen-Anhalt leider nicht. Die Bekämpfung des Riesenbärenklaus ist sehr kostenintensiv, auch wird eine erhebliche Anzahl von Personal benötigt, das weder die Kommunen noch die Landkreise und auch nicht die Unterhaltungsverbände vorhalten können.“ Aus Sicht des Kreises sei vor allem eine finanzielle Unterstützung durch das Land gefordert, um außerhalb der Schutzgebiete den Riesenbärenklau bekämpfen zu können. Und obwohl der Riesenbärenklau auch seine guten Seiten hat - er ist zum Beispiel ein prima Nährstofflieferant für Bienen - hält man es im Unabhängigen Institut für Umweltfragen in Halle für sehr wichtig, etwas gegen die ungehemmte Ausbreitung der Pflanzen im Landkreis Mansfeld-Südharz zu unternehmen. „Wir werden jetzt selbst aktiv werden, und eine Landschaftspflegefirma beauftragen, unter anderem an der Bösen Sieben den Bärenklau zu entfernen“, so Schneider.

Was kann man gegen den Riesenbärenklau tun?

Riesenbärenklau ist eine bis zu vier Meter hohe Staude, mit scharf gesägten Blättern. Die Pflanzen haben weiße Blütendolden und rot gefleckte Stängel. Sie wächst an Ufern, auf Wiesen und an Straßenrändern.

Bekämpfen kann man den Riesenbärenklau, wenn man ihn in seinem Garten entdeckt, im Frühjahr indem man mit einem scharfen Spaten die Wurzeln zehn bis 15 Zentimeter unter der Erde absticht. Vor der Blüte sollte gemäht werden und danach die obere Wurzel abgetrennt, Bis Mitte Juli soll man unbedingt bei übersehenen Pflanzen die Dolden entfernen, damit keine Samen ausgeworfen werden. Im Herbst kann schon die neue Generation der einjährigen Pflanzen ans Licht treten. Die Samen sind übrigens über Jahre keimfähig.

Wenn man die Pflanzen bekämpft sollten alle Körperteile mit wasserabweisender Schutzkleidung bedeckt sein. Handschuhe mit langen Stulpen und Schutzbrillen sind ratsam.

Wenn es doch passiert ist, dass man Pflanzensaft auf die Haut bekommen hat, solle man die betroffene Stelle schnell mit Seife und Wasser waschen. Da die betroffenen Hautbereiche dann lichtempfindlich sind, soll man sie mindestens zwei Tage nicht der Sonne aussetzen. (mz)