Kritik an MDR-Party in Helbra

Kritik an MDR-Party in Helbra: No Halgida: „Man arbeitet nicht mit Rassisten zusammen“

Helbra - Der nächste Halt der Sputnik-Heimattour ist der Alten Schachhalle in Helbra.

Von Anja Förtsch

Am Ortsrand von Helbra führt ein Weg über längst nicht mehr genutzte Schienen, vorbei an einer stillgelegten Lok. Asphalt wird zu Kopfsteinpflaster, Rasen wird zur Wildwiese. Verwitterter Pavillon statt Vordach, jahrzehntealte Lampen statt Scheinwerfer.

Der Backsteinbau am Ende des Wegs im Industriegebiet „Helbra Ostteil“ könnte kaum unscheinbarer sein. Doch der erste Eindruck täuscht, denn die alte Schachthalle steht momentan im Fokus kontroverser Diskussionen. Konkret geht es um die Frage: Darf man bei angeblichen Rechtsextremisten feiern, wie es der MDR in Kooperation mit einem Veranstalter aus der Region plant?

Fragt man das antifaschistische Bündnis „No Halgida“ aus Halle, ist die Antwort klar: Nein. Die Aktivisten hatten am Montag einen offenen Brief an den halleschen Radiosender MDR Sputnik verfasst. Stein des Anstoßes ist die „Heimattour“-Partyreihe des Senders, die am Samstag in der „Alten Schachthalle“ Station macht - und sich damit bei einem rechtsextremen Reichsbürger einmietet, wie „No Halgida“ kritisiert. Denn die Halle gehöre einem Mann, „der vor allem als rechtsextremer Reichsbürger und AfD-Unterstützer wirkt“, teilte das Bündnis mit.

Antifaschistische Bündnis „No Halgida“ kritisiert: „Alte Schachthalle“ Helbra gehört einem Mann, der rechtsextreme Gesinnung nicht verbirgt

Der Mann verberge seine rechtsextreme Gesinnung auch nicht, verbreite entsprechende Videos und Inhalte im Internet. Ein Klick auf das Online-Netzwerk Facebook zeigt, dass „No Halgida“ damit keinesfalls übertreibt.

Auf dem Profil des Genannten finden sich massenhaft Links zu Artikeln und Videos, in denen dargelegt wird, warum die Bundesrepublik angeblich kein wirklich existierender Staat sei, wie sich Politiker selbst gegen Deutschland wendeten, warum die Menschen systematisch belogen würden - kurz gesagt, das Standardrepertoire der Reichsbürger.

Außerdem hat er vielfach antisemitische und rassistische Karikaturen abgespeichert - neben Fotos von Adolf Hitler und Wehrmachtssoldaten inklusive Hakenkreuz. Verborgen sind diese Inhalte nicht, jeder kann sie mit ein paar Klicks aufrufen.

Im August 2017 stand Björn Höcke von der AfD auf der Bühne in der „Alten Schachthalle“ in Helbra

Die Halle machte als Veranstaltungsort schon im August 2017 Schlagzeilen. Damals fand dort der Auftakt des Bundestagswahlkampfes der AfD statt. Auf der Bühne stand auch Björn Höcke. Der Rechtsausleger der Partei hatte zuvor unter anderem mit seinem Auftritt in Dresden von sich reden gemacht, weil er das Berliner Holocaust-Denkmal als „Denkmal der Schande“ bezeichnete.

Sieben Monate später stand er vor Hunderten Anhängern in der „Alten Schachthalle“ in Helbra auf der Bühne und wurde begeistert gefeiert.

Auf derselben Bühne sollen am Samstag nun auch die DJs der MDR-Sputnik-Heimattour auftreten. Dort, wo AfD-Sympathisanten im Publikum saßen, sollen junge Leute ausgelassen tanzen. Für „No Halgida“ ist das ein Unding: „Man arbeitet nicht mit Rassisten zusammen“, sagte ein Sprecher zur MZ. „Wir fordern, dass es dort keine Veranstaltung in dieser Form gibt.“

MDR hält am Veranstaltungsort „Alte Schachthalle“ in Helbra fest - trotz der Kritik von „No Halgida“

Der MDR hält trotz Kritik an der Veranstaltung fest. Zu den Vorwürfen des Bündnisses äußerte sich der Sender jedoch nicht und erklärte nur allgemein, man distanziere sich „von jedwedem extremistischen Gedankengut“. Der Veranstalter und der Hallenbesitzer äußerten sich auf MZ-Anfrage nicht zu den Vorwürfen.

MDR Sputnik veranstaltet die „Heimattour“ zwar nicht selbst, das übernimmt eine Veranstaltungsfirma, die auch die Halle bei dem Helbraer angemietet hat. Der Sender begleitet und bewirbt die Party aber.

Das Bündnis nimmt den Sender dennoch in die Pflicht. Denn klar sei, so der „No Halgida“-Sprecher, dass von jedem Euro, den der Radiosender mit der Veranstaltung einwirbt, ein Teil an einen Reichsbürger als Hallenbesitzer geht. Dabei sei unerheblich, ob ein Event-Veranstalter dazwischen steht oder nicht. „Ihr gebt euren Namen und eure Werbung dafür her, dass jemand Gewinn machen wird, der ihn wohl in das nächste faschistische Projekt steckt“, heißt es in dem offenen Brief.

Man könne sich vorstellen, dass MDR Sputnik in der Sache lieber neutral bleiben wolle. „Aber wir sind der Meinung, dass auch ein öffentlich-rechtliches Presseorgan Stellung beziehen kann“, bekräftigte der Sprecher.

Im Internet wird heiß über das Thema diskutiert - antifaschistisches Bündnis „No Halgida“ bleibt bei seiner Kritik

Aber sollte man nicht froh sein, dass in Regionen, in denen sonst nicht gerade das Partyleben tobt und aus denen viele junge Menschen fortziehen, jemand etwas für genau diese Zielgruppe veranstaltet? Egal wer sich hinter dem Eigentümer verbirgt? Solche Argumente, die in sozialen Netzwerken auftauchen, kennt „No Halgida“, widerspricht aber nachdrücklich.

„Der Punkt ist: Wenn es um jemanden wie den Halleneigentümer geht, dessen Weltbild auf Ausschluss basiert und der basale Grundsätze des menschlichen Miteinanders nicht anerkennt, dann ist auch das kein Argument“, sagte der Sprecher. „Dass jemand eine Halle für eine Party zur Verfügung stellt, wiegt nicht auf, dass er rechtsextremes Gedankengut verbreitet.“

Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra sieht keine Handhabe, denn die „Alte Schachthalle“ ist Privateigentum

Wie der Bürgermeister der Verbandsgemeinde Mansfelder Grund-Helbra, Bernd Skrypek (CDU), gegenüber der MZ sagte, wisse man um die Einstellungen und Positionen des Halleneigentümers. „Wir sehen das schon kritisch“, sagte Skrypek. Bei Veranstaltungen in der Halle sei jedoch nie etwas vorgefallen, bisher habe man daher keinen Handlungsbedarf gesehen.

Überdies unterstrich der Bürgermeister, dass es sich bei dem Hallengelände um Privateigentum handele und die Möglichkeiten der Einflussnahme für die Gemeinde daher begrenzt seien.

Weil der Bürgermeister keine Handhabe sieht und der MDR an seinen Plänen festhält, werden sich am Samstag vermutlich Hunderte Partybesucher auf den Weg zur „Alten Schachthalle“ machen. Nach dem AfD-Wahlkampfauftakt dürfte der Veranstaltungsort erneut ins Blickfeld rücken. (mz)