Corona-Schließungen

Corona: Durch Schließung der Gastronomie und Schulen besteht Gefahr von Legionellen

Eisleben/Hettstedt/Sangerhausen - Corona: Schließung der Gastronomie und Schulen hat Folgen für Trinkwasser

Von Helga Koch 23.03.2020, 10:19

Zum Schutz vorm Coronavirus sind alle Schulen und viele Kindertagesstätten zu, genau wie Hotels, Gaststätten oder Turnhallen. Weil in diesen Gebäuden kein Trinkwasser mehr abgenommen wird, kann eine andere Gefahr drohen.

Denn in den Leitungen könnten Legionellen oder andere Keime auftreten, sich vermehren und die Trinkwasserqualität gefährden. Darauf macht die Kreisverwaltung Mansfeld-Südharz aufmerksam und verweist auf den Deutschen Verein der qualifizierten Sachverständigen für Trinkwasserhygiene mit Sitz in Höpfingen.

Legionellen im Trinkwasser drohen spätestens nach 72 Stunden

Durch eine Betriebsunterbrechung sei der regelmäßige Austausch in den Wasserleitungen nicht mehr gesichert, erklärt Sprecherin Alexandra Bürschgens. Das Wasser stagniere in den Leitungen, das Risiko einer Verkeimung mit Legionellen und anderen pathogenen Keimen erhöhe sich. Laut Gesetz sei in Trinkwasser-Installationen der Betrieb aber „jederzeit“ sicherzustellen, so Bürschgens, „auch wenn sich keine Gäste, Besucher oder andere Nutzer im Gebäude aufhalten, die Küche kalt bleibt, im Betrieb kein oder nur wenig Wasser fließt“.

Deshalb müsse an den Entnahmestellen spätestens alle 72 Stunden so lange heißes Wasser abfließen, bis die Temperatur gleich bleibt und das Wasser ausgetauscht sei. Bei einer längeren Unterbrechung als drei Tage seien andere Maßnahmen nötig. So könne man zu Beginn die jeweilige Absperreinrichtung schließen.

Sperre man die Leitungen nicht ab und spüle sie weiter, sei es sinnvoll, das Wasser nicht mehr zu erwärmen. Das warme Wasser müsse abfließen und die Leitung mit kaltem Wasser gespült werden. „Zirkulationspumpen sollten trotzdem in Betrieb bleiben“, rät Bürschgens. „Bei Unterbrechungen ab vier Wochen sollte generell die Versorgung gesperrt und die Zirkulationspumpe abgeschaltet werden.“

Mikrobiologische Kontrollen bei längerer Unterbrechung notwendig

Nehme man eine Leitung nach maximal sieben Tagen wieder in Betrieb, solle man kaltes und warmes Wasser mindestens fünf Minuten an mehreren Stellen zugleich abfließen lassen. Dauere die Pause bis vier Wochen, sei ein vollständiger Wasseraustausch an allen Entnahmestellen nötig. Bei einer noch längeren Pause seien mikrobiologische Kontrollen auf Keime und Legionellen in Kalt- und Warmwasserleitungen vorgeschrieben.

Solche Proben entnimmt beispielsweise der Wasserverband Südharz in den Allstedter Einrichtungen und der Goldenen Aue. In Südharz, sagt die stellvertretende Bürgermeisterin Anja Wöbken, seien die Kita-Leitungen angewiesen worden, nötige Arbeiten im Zusammenhang mit dem Thema Legionellen vorzunehmen. (mz)