Affenbaby vor dem Tod gerettet

Affenbaby vor dem Tod gerettet: Heather wohnt jetzt in einem Heizschuh

Sondershausen - Tierpflegerin im Affenwald Straußberg findet das stark unterkühlte Neugeborene.

Von Grit Pommer 27.04.2017, 12:00

Mit großen, runden Augen lunzt das Katta-Äffchen aus seiner kuscheligen Höhle. Heather ist gut zwei Wochen alt - und sie wohnt in einem Heizschuh. Als eine Tierpflegerin im Affenwald Straußberg bei Sondershausen das stark unterkühlte Neugeborene im Haus der Katta-Lemuren fand, war es dem Tode näher als dem Leben. „Aber sie scheint eine Kämpfernatur zu sein. Ein Mädchen eben“, sagt Brigitte Dietzel, die zusammen mit ihrem Sohn Silvio den Erlebnispark Straußberg leitet.

Katta-Äffchen wog nur 55 Gramm als Tierpflegerin es findet

Ganze 55 Gramm wog das Äffchen unmittelbar nach seiner Geburt. Ein winziges Bündel auf der Handfläche von Silvio Dietzel. Zu schwach, um sich am Bauch der Mutter festzuklammern, wie es Katta-Babys normalerweise tun. Denn dort stecken sie schön warm und sind immer nah an der Milch.

Im Gehege würde das Tier nicht überleben, das war den Dietzels sofort klar. Aber Silvio Dietzel fand auch schnell einen Ort, an dem das winzige Affenmädchen bei molligen 36 Grad wohnen könnte: im alten Heizhausschuh seiner Oma. „Der ist vor 20 Jahren bei der Haushaltsauflösung irgendwie übrig geblieben“, erzählt Brigitte Dietzel. Nun bekam er eine neue Aufgabe. Seit gut zwei Wochen wohnt Heather nun also im kuscheligen Riesen-Hausschuh. Benannt ist sie nach einer Studentin aus Kanada, die im Affenpark ein Praktikum absolviert hat.

Alle eineinhalb Stunden macht das Tierkind sich bemerkbar und verlangt fiepend nach Futter. Für Silvio Dietzel bedeutet das zurzeit: kaum Nachtschlaf. Er steht regelmäßig auf, um Heather mit dem Fläschchen zu füttern. Die Erstlingsmilch für Menschenbabys bekommt ihr gut, sie hat schon 25 Gramm zugenommen.

„Wir hatten Glück, dass bei ihr der Saugreflex gleich da war“, sagt Brigitte Dietzel. Sonst hätte man ihr die Milch mit der Pipette einflößen müssen, Tröpfchen für Tröpfchen. Auch für die Körperpflege hat sich eine Lösung gefunden. Statt von Mamas rauer Zunge wird das Fell des Äffchens von einer ausrangierten Zahnbürste geschrubbt. „Das gefällt ihr, sie schnurrt dann richtig“, erzählt Brigitte Dietzel.

Affenbaby Heather soll in einem viertel Jahr zu Artgenossen ins Gehege

Wenn Heather ein Vierteljahr alt ist, hofft man, sie zu den anderen Tieren in den Affenwald entlassen zu können. Silvio Dietzel nimmt sie schon jeden Tag mit ins Gehege und lässt die anderen an ihr schnuppern, damit sie das Katta-Kind als eines der ihren kennenlernen und später gut bei sich aufnehmen.

„Drücken wir die Daumen, dass sie auch die nächsten Tage gut übersteht“, sagt die Chefin des Erlebnisparks. „Denn ehrlich gesagt: Anfangs hatten wir nicht viel Hoffnung.“

Im vier Hektar großen Erlebnispark Straußberg wohnen gegenwärtig mehr als 50 Katta-Lemuren, 28 Berberaffen und einige Varis. Das Besondere: Die Tiere können sich frei bewegen und sind an Menschen gewöhnt. Mitunter kommen sie neugierig ganz nah heran, lassen sich streicheln oder treiben auch mal Schabernack mit den Besuchern.

Kindern kommen vor allem die Kattas bekannt vor: Auch King Julian, der coole Affenkönig aus dem Trickfilm „Madagaskar“, ist ein Lemure. (mz)

Der Affenwald ist täglich von 9 bis 18 Uhr geöffnet.