Quedlinburger Weihnachtslauf

Quedlinburger Weihnachtslauf: Mit Glocke statt Pistole

Quedlinburg - Zum 46. Mal startet der Quedlinburger Weihnachtsbaum

Von Detlef Anders 26.12.2016, 10:26

„Wie ist es mit einem Gedicht“, fragt Brigitte Meier. Dieter König gesteht auf dem Weg zum Start des Quedlinburger Weihnachtslauf etwas bedröppelt, „hab ich vergessen“.

Brigitte Meier und Anneliese Klotz, die Weihnachtfrauen des SV Medizin, lassen König trotzdem in die Säckchen mit Süßigkeiten greifen. Schließlich zählt die Familie König zu den Stammgästen. „Von den 46 mal war ich nur zweimal nicht dabei“, gesteht Dieter König, einer der Begründer des Traditionslaufes. Weil die Familie weiterfahren will, ist er diesmal nicht aktiv dabei, doch aus alter Verbundenheit sieht er zu.

Eberhardt Brecht kann völlig verschnupft auch nicht mitlaufen. Doch er ist trotzdem gern gekommen, um eine Tradition weiterzuführen. Der frühere SPD-Oberbürgermeister hat erneut ein Gedicht geschrieben. Nachdem es im letzten Jahr nach seinem Abschied aus dem Amt kein Gedicht gegeben hatte, will Brecht die vom früheren Vereinschef Dr. Otto Boldt begründete Tradition des Weihnachtsgedichtes weiter pflegen. Und Brecht trifft den Nerv vieler Teilnehmer.

Da heißt es unter anderem, „wir Alten, die wir eher schleichen, werden heute nicht erreichen, das Tempo, das die Jungen machen, wir freuen uns an andren Sachen: Wir staunen, dass das Herz noch schlägt, das Kniegelenk den Körper trägt. Unter uns’rer Trainingshose spüren wir die Hüftarthrose. Verlieren wir die Zahnprothese, machen wir draus kein Gewese. Ob Inkontinenz, ob Rheuma Gicht: Uns hindert man am Laufen nicht ...“

Auch dass der Berg „unseren Namen“ trägt – Altenburg, der nach dem Lauf einen „Jungmühleneffekt“ bringt und daher „Jungenburg“ getauft werden könnte, lässt Brecht wissen.

„Ich fühle mich genauso“, lacht Joachim Raymund, der Ex-QSV-Chef, mit Knieprothese und Arthrose. „Wir gehören auch zur alten Fraktion, die besonders angesprochen wurde“, lächeln Eberhard und Hannelore Wilhelm (68/64) als langjährige Weihnachtslauf-Spaziergänger.

Einer der ältesten Läufer ist Karl-Heinz Johannes, der mit 79 noch nicht von den Problemen betroffen ist. „Ich trinke nicht, ich rauche nicht und habe nichts weiter an den Knochen – nur einen Schrittmacher“, gesteht der Medizin-Läufer aus Wegeleben.

Auf 250 bis 300 schätzte Klaus-Hartwig Röhl, der neue Vereinschef des SV Medizin später die Teilnehmerzahl. Er gab diesmal keinen Startschuss, sondern läutete weihnachtlich passend das Treffen der Läuferfamilie mit einer Handglocke ein.

Walter Büchner traf Freunde aus Eisenach. Oberbürgermeister Frank Ruch (CDU), der den Lauf eröffnete, berichtete, dass seine Tochter aus Ulm und ihr Freund aus Koblenz am Lauf teilnahmen und andere aus Koblenz und Frankfurt/Oder dabei waren. „Für mich ist es ein gutes Zeichen, dass so ein relativ kleiner Verein über so viele Jahre die Tradition hält. Ich freue mich schon auf den 50. Lauf. Was gibt es schöneres, als so friedlich ein Zeichen zu setzen.“

Für TSG-GutsMuths-Läufer wie Detlef Heinemann, Gudrun Knauth oder Konrad Sutor war es eine Selbstverständlichkeit, zu kommen. Und die Orientierungssportler vom SV Wissenschaft waren auch zahlreich samt Familien dabei.

Dörte und Lothar Göde aus Gernrode wollten mit dem Baby-Jogger zusammen mit ihrem Enkel auf die Strecke, doch der Baby-Jogger hatte plötzlich einen Plattfuß. Mike Poch von der TSG war am Ende vor Hagen Roßmann Erster. Sein großes Ziel ist 2017 die Europameisterschaft der Senioren. Bei Glühwein und Tee tauschten sich die Läufer über weitere Pläne aus. Und der SV Medizin sammelte Spenden für den Ökogarten. Schließlich wollen die Sportler wieder anderen helfen. (mz)