Naturschutz an der Teufelsmauer

Naturschutz an der Teufelsmauer: „Seit 25 Jahren sich selbst überlassen“

Thale/Warnstedt - Landkreis Harz will Zuschüsse aus Europäischen Landwirtschaftsfonds

Von Detlef Horenburg 30.12.2016, 14:02
Was passiert mit den an die Teufelsmauer angrenzenden Flächen? Ideen gäbe es einige, aber das Geld fehlt.
Was passiert mit den an die Teufelsmauer angrenzenden Flächen? Ideen gäbe es einige, aber das Geld fehlt. Urheber: Chris Wohlfeld

Wie soll die Landschaftspflege in den Bereichen der Teufelsmauer zwischen Blankenburg und Neinstedt ab dem Jahr 2017 dauerhaft und im Sinne einer Nachhaltigkeit organisiert, finanziert und in Auftrag gegeben werden? Diese und andere Fragen stellte der SPD-Landtagsabgeordnete Andreas Steppuhn im Landtag.

Die Antwort von Landwirtschaftsministerin Claudia Dalbert (Grüne) fiel ernüchternd aus: „Nach Auskunft der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises Harz steht derzeit kein landwirtschaftlicher Betrieb für die Bewirtschaftung der Teufelsmauer zur Verfügung.“ Zuständig für die Umsetzung der Naturschutzgebietsverordnung seien die Unteren Naturschutzbehörden.

Landschaftspflege über Fördermittel der EU?

Allerdings stehe bei den Landkreisen immer die Frage der Finanzierung im Raum. Aktuell hat nach den Worten der Ministerin die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Harz Fördermittel beim Landesverwaltungsamt aus dem Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des ländlichen Raums (Eler) für ein dreijähriges Landschaftspflegeprojekt an der Teufelsmauer von 2017 bis 2019 beantragt.

So soll die Landschaftspflege über Fördermittel aus dem Naturschutzbereich vorübergehend ermöglicht werden. Der Antrag wird zurzeit im Landesverwaltungsamt Halle geprüft. „Zweifellos ist jedoch langfristig eine naturschutzgerechte landwirtschaftliche Bewirtschaftung anzustreben“, betonte Dalbert. Dazu führen die zuständigen Behörden auch Gespräche mit Betrieben vor Ort.

Für den Geschäftsführer der Agrargesellschaft Warnstedt, Albrecht Kloß, ist die Antwort alles andere als zufriedenstellend. „Ich denke, hier ist man im Ministerium und den Naturschutzbehörden hilf- und konzeptionslos, was die nachhaltige Landschaftspflege rund um die Teufelsmauer anbetrifft. Ja, man hat es nicht einmal begriffen, es fehlt einfach an Fachkenntnis.“

Kloß plädiert für Beweidung mit Ziegen und Schafen

Das Naturschutzgebiet sei ein Kulturgut, geschaffen und „gereift in Jahrhunderte langer Ackerkultur und Beweidung“, sagte Kloß, der sich bisher für eine dauerhafte Lösung in der Landschaftspflege im Naturschutzgebiet der Teufelsmauer stark macht. „Seit 25 Jahren wurde es sich selbst überlassen“, meint er.

Die Ministerin sei hier in der Verantwortung, wenn Landwirtschaft und Naturschutz zusammentreffen. Kloß befürchtet, dass das Areal zuwuchert, wenn keine dauerhafte Lösung geschaffen wird. „Da kann man dann auch nicht mehr mit einer Motorsense die Bäume und Büsche abschneiden.“ Aus seiner Sicht müsse eine dauerhafte Landschaftspflege auf dem geschützten Areal geschaffen werden und nicht kurzfristige.

So sollten seiner Meinung nach wieder Ziegen und Schafe zum Einsatz kommen, die an einer Stelle ganzjährig untergebracht sein könnten. Er denke dabei an ein Objekt in der Nähe der Teufelsmauer, das man dafür als Stallung, Futterstelle und Weiterverarbeitung von Milchprodukten herrichten könnte. Denkbar sei auch, dort ein Café und einen Laden mit regionalen Produkten einzurichten. Ausgebaut werden könnte dies nach seiner Ansicht über Fördermittel. Kloß: „Reich wird niemand damit, aber wir alle werden ärmer, wenn es nicht zustande kommt.“ (mz)