Naturschutz bei Warnstedt

Naturschutz bei Warnstedt: Keine Schafe mehr an der Teufelsmauer

Warnstedt - Kniehohe Gräser, meterhohes Gestrüpp - das Landschaftsschutzgebiet rund um die Teufelsmauer verbuscht zusehends. Dies erzürnt Albrecht Kloss. Der Chef der Agrargesellschaft Warnstedt bewirtschaftet die am Naturdenkmal angrenzenden ...

Von Detlef Horenburg 26.08.2016, 09:48

Kniehohe Gräser, meterhohes Gestrüpp - das Landschaftsschutzgebiet rund um die Teufelsmauer verbuscht zusehends. Dies erzürnt Albrecht Kloss. Der Chef der Agrargesellschaft Warnstedt bewirtschaftet die am Naturdenkmal angrenzenden Flächen.

Rund um die Teufelsmauer musste er auf Druck des Naturschutzes einen zwanzig Meter breiten Blühstreifen lassen. Bis 2015 bewirtschaftete die Agrargesellschaft den Blühstreifen als solchen. Als es dafür keine Förderung mehr vom Land gab, stellte sie dies ein: „Die Saat ist teuer und der Aufwand ist hoch. Da wollen wir nicht auf den Kosten sitzen bleiben“, sagt Kloss.

Inzwischen wird der angrenzende Trocken- und Halbtrockenrasen im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde des Landkreises von acht Teilnehmern einer Maßnahme aus dem europäischen Förderprogramm für ländliche Regionen, Eler, gepflegt. Durch die Pflege sollen wertvolle Wiesenbiotope wiederhergestellt sowie gefährdete Pflanzen- und Tierarten erhalten werden.

„Die sind doch total mit der Pflege auf dem 16 Hektar umfassenden Gebiet überfordert“, sagt Kloss. Er zeigt auf verbuschte Flächen: meterhohe Sträucher, umgeknickte Äste. „Ich möchte nicht wissen, wie lange die noch brauchen, bis sie einmal herum sind“, meint er skeptisch.

Bisher hatte ein Schäferbetrieb aus Ermsleben die Flächen gepflegt. Sechs Jahre lang war Kathleen Schneider bei Wind und Wetter mit bis zu 500 Schafen unter anderem in diesem Naturschutzgebiet unterwegs. Doch „es rechnet sich nicht mehr“, erklärt sie resignierend.

Für die Entbuschung und Entweidung der Pflegeflächen habe sie aus dem Landes-Förderprogramm „Freiwillige Naturschutz-Leistungen“ 400 Euro pro Hektar erhalten. Die Pflegefirma erhalte dagegen 6 000 Euro je Hektar aus dem Eler-Programm - allein nur für die Entbuschung.

2013 musste die Schäferin sogar ihrem Geld hinterherlaufen. Dies lohnte sich am Ende nicht mehr für sie, zumal sie ihre Tiere angesichts der mageren Kost im Trockenrasengebiet „im Winter wieder aufpäppeln“ musste.

Die Naturschutzbehörde hat niemanden gefunden, der die Arbeit auf den Wiesenflächen übernimmt – auch nicht fürs nächste Jahr. Deswegen bemühte sie sich, auf einem anderen Weg selbst an Fördermittel zu kommen - Ziel war der Eler-Fond.

Denn anders als reine Naturschutz-Gelder, die vom Landesverwaltungsamt ausgereicht werden, „bieten diese die Möglichkeit, spezielle Leistungen auf ökologisch wertvollen Flächen besser zu bezahlen“. Allerdings sind Schäfereien aus diesem Förderprogramm ausgeschlossen.

„Es wäre sehr schön, wenn 2017 wieder Schafe oder Ziegen an der Teufelsmauer stehen. Natürlich zur richtigen Zeit, wenn die Blütenpracht vorbei ist“, heißt es von der Naturschutzbehörde.

„Schafe erst nach Blühende - und was sollen die vorher fressen?“, fragt Landwirt Albrecht Kloss. Das Gebiet müsse ganzjährig beweidet werden. (mz)