Sexuelle Belästigung

Muss Afrikaner nach Eklat in Halberstadt dauerhaft in Maßregelvollzug?

Am Landgericht Magdeburg wird in einem Sicherungsverfahren über die weitere Unterbringung eines Mannes aus Guinea-Bissau entschieden.

Von Uwe Kraus
Blick in einen sogenannten Kriseninterventionsraum im Maßregelvollzug in Bernburg
Blick in einen sogenannten Kriseninterventionsraum im Maßregelvollzug in Bernburg (Foto: dpa)

Halberstadt/Magdeburg - Ohne den 28-jährigen Beschuldigten aus Guinea-Bissau beginnt vor der 2. Großen Strafkammer des Magdeburger Landgerichts ein Verfahren, das seit Monaten die Justiz beschäftigt. Sein Verteidiger, der Halberstädter Rechtsanwalt Jörg Schubert, nimmt die Rechte des Angeklagten wahr.

Bei einer Verhandlung vor dem Amtsgericht Halberstadt ergaben sich vor mehreren Monaten Anhaltspunkte dafür, dass der Beschuldigte aufgrund einer psychischen Erkrankung schuldunfähig ist, so ein Justizsprecher. Sollte er das sein, werden ihm die Taten nachgewiesen und wird er durch den Gutachter als für die Allgemeinheit gefährlich eingestuft, kommt eine dauerhafte Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus in Betracht. Darüber wird in voraussichtlich vier Prozesstagen das Gericht unter der Vorsitzenden Richterin Anne-Marie Seydell befinden.

Ursprünglich begann der Prozess am 12. April vor der 5. Strafkammer des Landgerichtes Magdeburg. Damals hat der Beschuldigte aufgrund seiner psychischen Erkrankung randaliert, in der westafrikanischen Sprache Mandinka, in Deutsch, Englisch und Spanisch wie von Sinnen gebrüllt, um sich gespuckt sowie getreten und wollte das Gericht angreifen.

Sechs Polizisten waren nötig, um den randalierenden Angeklagten zu bändigen

Sechs Beamte waren im Einsatz, um ihn im Gerichtssaal zu bändigen. Der Beschuldigte ist derzeit so schwer erkrankt und verhandlungsunfähig, dass die Anklagebank am Donnerstag leer bleibt.

Etwas geschrumpft ist durch deren Nichterscheinen auch die Liste der Zeugen. Für diese Missachtung des Gerichts werden in einem Fall auf Antrag der Staatsanwaltschaft ein Ordnungsgeld von 150 Euro oder ersatzweise drei Tage Haft verhängt, über zwei weitere gleichlautende Anträge wird später entschieden.

Gehört hat das Gericht eine 24-Jährige, der am 24. Juli 2020 der Mann aus Afrika in der Halberstädter Voigtei einen Klaps auf den Po gegeben haben soll. Als sie ihm reflexartig gegen das Schienbein tritt und ihn zur Rede stellen will, beschimpft er die Frau mit dem Kinderwagen unflätig, macht sexuelle Anspielungen und stößt Todesdrohungen aus. Das erlebt auch die 16-jährige Schwester der Geschädigten mit, die er dann mit seiner Faust bedroht.

Er soll sein Tun nach Aussagen beider Zeuginnen mit dem Satz „Dafür bist du Frau geworden“ gerechtfertigt haben. Der Mann hatte sich den jungen Frauen mit ausgebreiteten Armen in den Weg gestellt und mit dem Kind im Wagen geredet, was der jungen Mutter „ziemlich unheimlich“ war.

Ein junger Mann hat den Vorfall zur Beweissicherung mit dem Handy fotografiert, ein weiterer rief die Polizei. Der afrikanische Beschuldigte, der nach bisherigen Recherchen nicht in der Zast lebte, entfernte sich dann und soll nach Angaben eines Polizeibeamten im Backshop eines Supermarktes aufgetaucht sein.

„Er ließ sich von uns nicht beeindrucken.“

Zeugenaussage eines Polizisten über den Angeklagten

Zwei Tage später hat der Angeklagte den Zeugen zufällig am Fischmarkt unweit des Rathauses gesehen und mit einer zerbrochenen Bierflasche angegriffen. Als Bürger per Notruf über eine tätliche Auseinandersetzung „zwischen einem Dunkelhäutigen und einem anderen Mann“ berichteten, fährt ein Streifenwagen vor.

Die Beamten sehen, dass der Beschuldigte mit Glasflaschen in der Hand einen Mann verfolgt. Ein 30-jähriger Beamter folgt dem Angreifer zu Fuß, der andere schneidet ihm mit dem Streifenwagen den Weg ab. Mit den Glasflaschen versucht der Westafrikaner den Beamten zu attackieren.

„Er ließ sich von uns nicht beeindrucken“, erinnern sich die Polizisten. Der 45-jährige Fahrer des Streifenwagens erlebte den Täter, der durchgängig Todesdrohungen ausstieß, als „allen gegenüber im höchsten Maße aggressiv“. Die Beamten wurden beleidigt, bespuckt und gefährlich angegangen. Letztlich konnte der Mann auf dem Fischmarkt überwältigt und in den Polizeigewahrsam gebracht werden.

Für die kommenden Verhandlungstage hat die Strafkammer Zeugen aus dem Land Brandenburg geladen, wo weitere 13 Ermittlungsverfahren anhängig sein sollen, weil der Beschuldigte, der bereits vorläufig im Kriseninterventionsraum des Maßregelvollzugs Uchtspringe untergebracht ist, dort in ähnlicher Weise Frauen sexuell belästigt haben soll. (mz)