Jugendclub Könnern

Jugendclub Könnern: Ein bisschen von Peru liegt in der Luft

Könnern - Es ist laut in dem kleinen Gruppenraum. Sehr laut. Erst sind einzelne Trommelschläge zu hören, dann immer schneller werdende Schlagabfolgen bis hin zu komplexen Rhythmen. Dazwischen: Rufe von Simone Juppe zum richtigen Anschlagen der Holzbox. Die Kursteilnehmer folgen den Anweisungen mit eifrigen ...

Von Franz Ruch 01.03.2020, 13:56

Es ist laut in dem kleinen Gruppenraum. Sehr laut. Erst sind einzelne Trommelschläge zu hören, dann immer schneller werdende Schlagabfolgen bis hin zu komplexen Rhythmen. Dazwischen: Rufe von Simone Juppe zum richtigen Anschlagen der Holzbox. Die Kursteilnehmer folgen den Anweisungen mit eifrigen Schlägen.

Was hier am Dienstag im Könneraner Jugendclub stattfindet, ist kein Seminar zur Stressbewältigung, sondern ein Cajón-Kurs. Schüler aus Könnern und Belleben lernen hier gemeinsam mit Musiklehrern, wie man das aus Peru stammende Schlaginstrument richtig spielt.

Stühle und Tische sind überflüssig, man sitzt auf der Holzbox

Stühle und Tische sind für die Teilnehmer des Cajón-Kurses überflüssig. Die Holzboxen, auf denen sie sitzen, sind gleichzeitig ihre Musikinstrumente. Mit kräftigen und gezielten Schlägen auf die Holzplatte an der Vorderseite erzeugen sie Töne, die dann durch ein Loch auf der Hinterseite durch den Raum schallen.

„Das Trommeln kann schon mal an den Händen wehtun“, sagt Kursleiterin Simone Juppe. Hauptberuflich arbeitet die 51−jährige Hallenserin als Ergotherapeutin, bietet aber schon lange Trommelkurse an. Von kubanischen Congas bis hin zu brasilianischen Surdo-Trommeln ist die gelernte Perkussionistin geübt im Umgang mit den Schlaginstrumenten aus aller Welt.

Bei den Kursen geht es immer ums Trommeln

Die jährlich im Februar stattfindenden Kurse in Könnern organisiert sie seit acht Jahren gemeinsam mit der Musiklehrerin Ines Franzelius von der Gemeinschaftsschule in Könnern. Dabei gehe es in den Kursen immer um Trommeln, aber nicht jedes Jahr um Cajóns, erklärt Musiklehrerin Franzelius.

Im vergangenen Jahr hätten sie beispielsweise auf afrikanischen Djembén musiziert. Das pädagogische Ziel bleibe dabei aber immer gleich: „Wir wollen ein Angebot für die Schüler schaffen, das über den Unterricht hinausgeht“, sagt sie.

In der Schule beschäftigen sich die Jugendlichen mit Musik aus der ganzen Welt und deren Entstehungsgeschichte. Die peruanischen Cajóns sind beispielsweise von Sklaven afrikanischer Herkunft als Ersatz für ihre traditionellen Trommeln genutzt worden. Im Kurs könnten die Schüler nun an das im Unterricht Gelernte anknüpfen und sich praktisch ausprobieren.

Auch Fortbildungsangebote für Lehrer

Das Angebot richtet sich allerdings nicht nur an Schüler. „Es ist auch ein Fortbildungsangebot für Lehrer, die ihren Unterricht bereichern wollen“, sagt Ines Franzelius. So passiert es, dass im Jugendclub neben den Schülern der fünften bis neunten Klassen auch Lehrer aus Köthen, Querfurt oder Wolmirstedt sitzen.

Doch für die Schüler aus Könnern geht es um mehr als nur bloßes Ausprobieren. „Am 29. April findet in unserer Mensa eine Talentshow statt“, sagt Ines Franzelius. Hier sollen auch die Cajóns zum Einsatz kommen.

Bis aus den etwas unbeholfen Schlägen auf die Holzfront der Trommelinstrumente eine rhythmische Melodie wird, braucht es aber etwas Übung. Da sind sich Schüler und Lehrer einig. (mz)