Harzgerode

Harzgerode: Bürgermeister Bentzius gibt Rathausschlüssel ab

Harzgerode - „In der Gemeinsamkeit die neue Stadt Harzgerode gestalten“ - mit diesem Leitspruch hat sich Jürgen Bentzius (SPD) vor sieben Jahren als Bürgermeisterkandidat zur Wahl gestellt. Mit dem Jahr 2016 endet nun auch seine siebenjährige Amtszeit als Bürgermeister der Einheitsgemeinde. Deren Wachsen sei für ihn wie für alle, die kommunalpolitisch mitgewirkt hätten, Neuland gewesen, sagt Jürgen ...

Von Petra Korn 30.12.2016, 16:52

„In der Gemeinsamkeit die neue Stadt Harzgerode gestalten“ - mit diesem Leitspruch hat sich Jürgen Bentzius (SPD) vor sieben Jahren als Bürgermeisterkandidat zur Wahl gestellt. Mit dem Jahr 2016 endet nun auch seine siebenjährige Amtszeit als Bürgermeister der Einheitsgemeinde. Deren Wachsen sei für ihn wie für alle, die kommunalpolitisch mitgewirkt hätten, Neuland gewesen, sagt Jürgen Bentzius.

„Auf dem Weg der Gemeinsamkeit sind wir vorangekommen“, zieht er nun Bilanz. Er räumt aber auch ein: „Die unterschiedlichen Entwicklungen, die es in den Orten gab und heute immer noch gibt, haben uns auch mehrfach gehemmt, mal mehr in den einen Ortschaften zu machen und weniger in anderen, die bereits weiter sind.“ Aber wenn man heute durch die Stadt mit all ihren Ortsteilen fahre, „da können sich alle Orte sehen lassen“, sagt Jürgen Bentzius.

„An Förderprogrammen entlang gehangelt"

Geschafftes werde schnell abgehakt, der Fokus auf das gelegt, was noch offen sei, so seine Erfahrung. Hinzu komme: „Wir haben uns ständig an Förderprogrammen entlanghangeln müssen, und selbst dabei, die Eigenanteile aufzubringen, haben wir uns schwer getan.“ Dennoch sei vieles umgesetzt worden, sagt Jürgen Bentzius und nennt beispielsweise die Sanierung der Grundschule in Harzgerode, den Bau des Feuerwehrgerätehauses in Königerode oder Straßenbaumaßnahmen über die Dorferneuerung in Güntersberge und Dankerode.

Dazu zählten aber ebenso die Neugestaltung des Schlossberges sowie die Sanierung des Schlosses in Harzgerode, die Maßnahmen zum Erhalt des Hallenbades, das so weiterhin für die Nutzung vom Schulschwimmen bis hin zum Gesundheitssport für die Senioren zur Verfügung stehe - oder dass die Stadt im Jahr 2016 einen ausgeglichenen Haushalt vorlegen konnte.

Für weitere Projekte seien die Voraussetzungen geschaffen, sagt Bentzius und nennt beispielsweise die Arbeiten der Straßenbeleuchtung in den Orten und die Sanierung des Rathauses Harzgerode über das Förderprogramm „Stark V“ oder den Breitbandausbau über den Landkreis Harz. „Es gibt vieles Positives“, so sein Resümee der Amtszeit.

Ein Ergebnis nicht eines Einzelnen, „da wirken ja alle mit“, unterstreicht er und nennt die Stadt- und Ortschaftsräte, die Ortsbürgermeister und die Mitarbeiter der Verwaltung, durch die er „Unterstützung und ein faires Miteinander“ erfahren habe. „Ohne die viele freiwillige Arbeit, die in den Vereinen oder Unternehmen stattfindet, kann eine Kommune kaum noch existieren.“

Ob manches hätte anders gelöst werden können? Im Nachhinein sei das schwierig zu beantworten, sagt Jürgen Bentzius. Er nennt hier beispielsweise die Entwicklung in Güntersberge, die ihm zu schaffen macht: Weil die Zahl der betreuten Kinder zu stark gesunken war, wurde die kommunale Kindertagesstätte geschlossen. Mit der Kita im Kinder- und Erholungszentrum (Kiez) gab es weiterhin eine Einrichtung im Ort - und in jeder Ortschaft eine Betreuungsmöglichkeit zu haben, war auch Ziel der Stadt.

Kiez insolvent, Kindertagesstätte zu

„Wie sich das weiterentwickelt hat, hätte keiner ahnen können“, sagt der Bürgermeister mit Blick auf die dann folgende Insolvenz des Kiez und dessen Schließung einschließlich der Kindertagesstätte. Inzwischen hat das Kiez einen neuen Betreiber, und es gibt die Hoffnung, dass dieser auch die Kita wieder öffnet.

Manches, sagt Jürgen Bentzius, der zuvor als Verkaufsleiter in der Pyrotechnik tätig war, hätte er gern schneller umgesetzt. „Es ist ein langer Prozess, bis das eine oder andere entschieden ist, mit vielen Beratungen, die Kraft, Nerven und Zeit kosten. Das bin ich nicht gewohnt gewesen.“

Und mitunter hätte er sich ein bisschen Rückhalt gewünscht: „Ich war derjenige, der vorbereitet. Die Entscheidung trifft der Stadtrat. Wenn er sie getroffen hat und es Widerstand von außen gibt, hätte ich mir schon gewünscht, dass der Bürgermeister manchmal nicht allein auf weiter Flur ist. Aber unter dem Strich ist die Zusammenarbeit positiv. Es war eine aufregende und spannende Zeit, eine Herausforderung.“

Beste Wünsche an den Nachfolger

Seinem Nachfolger Marcus Weise (CDU), der ab 1. Januar neuer Bürgermeister ist, wünscht Jürgen Bentzius „eine glückliche Hand bei den zu treffenden Entscheidungen“. Als Fraktionsvorsitzender und stellvertretender Stadtratsvorsitzender kenne Weise die Probleme. „Ich habe großes Zutrauen, dass er auch die Unterstützung von innen und außen weiter bündeln kann, um die Entwicklung der Stadt voranzubringen.“

Jürgen Bentzius selbst, der aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr zu Wahl antrat, will sich nun darum kümmern und mehr seiner Familie widmen. „Da gibt es Nachholbedarf.“ Mehr Zeit will der 63-Jährige sich auch für seine Hobbys - den Skatsport und die Geschichte der Pyrotechnik - nehmen. Zudem will er sich in die ehrenamtliche Arbeit einbringen. Und er überlegt, bei der nächsten Stadtratswahl wieder anzutreten. „Ich möchte nicht zum alten Eisen gehören und noch mitgestalten“, sagt Jürgen Bentzius. „Ich werde die Hände sicher nicht in den Schoß legen. (mz)