Güntersberge

Güntersberge: Faschingsclub schlachtet jedes Jahr ein Schwein

Schielo/Güntersberge - Der Güntersberger Faschingsclub (GFC) sorgt mit immer neuen, bisweilen verrückten Aktionen – übrigens nicht nur während der Karnevalssaison - gern mal für Aufsehen. Da wird schon mal die Meisterschaft um den Käsekuchenmeister ausgebacken oder die Grimm’sche Märchenwelt auf den Kopf ...

Von Bianca Müller

Der Güntersberger Faschingsclub (GFC) sorgt mit immer neuen, bisweilen verrückten Aktionen – übrigens nicht nur während der Karnevalssaison - gern mal für Aufsehen. Da wird schon mal die Meisterschaft um den Käsekuchenmeister ausgebacken oder die Grimm’sche Märchenwelt auf den Kopf gestellt.

Bei all den neuen Ideen steht der GFC aber auch für die Pflege bewährter Traditionen. Eine davon ist das jährliche Schlachtfest. Damit es noch spannender wird, wechseln sich die Geschlechter jedoch ab: dieses Jahr wetzte die „Abteilung Kittelschürze“ mal wieder die Messer. Da hatten die Herren des Elferrats Zutrittsverbot.

Bis auf einen: Siegfried König war als Schlachter sogar so was wie der unverzichtbare Ehrengast. Dank Perücke und Damenhaube fiel der Hauptakteur optisch auch kaum aus der Reihe. Ein bisschen gehört das Verkleiden ja sowieso dazu, wenn man Mitglied eines Faschingsclubs ist. Von seinen zehn fleißigen Helferinnen wurde er nur Sieglinde oder neutral „Siggi“ genannt. Entstanden ist die Idee der Hausschlachtung seinerzeit unter den Männern des Vereins, „einfach, um Zeit miteinander zu verbringen“, erzählte Siggi, „und so hatten wir danach gleich etwas für den Hausgebrauch.“

Was für manchen etwas rau klingt, ist schließlich einer der ältesten landwirtschaftlichen Bräuche überhaupt. In den ersten Jahren fand das traditionelle Schlachten der Karnevalisten noch in Güntersberge statt, seit einiger Zeit nutzen die Freunde einen privaten Hof in Schielo, von dem auch das Schwein bezogen wurde. Seit wann die Güntersberger ihre jährliche Hausschlachtung machen, darüber gingen die Meinungen auseinander: „Mindestens seit 15 Jahren“, meinten einige Damen. Gisela Wichmann erhöhte sogar auf 25 Jahre.

Anhand von Fotos soll die Frage im Nachgang endgültig geklärt werden. Viel wichtiger, als zu wissen, seit wann man eine Tradition pflegt, sei ja schließlich, dass man sie pflegt. So festlich wie der Name zum Teil klingt, waren die Aufgaben dann aber nicht. „Wir kennen das ja bereits“, sagte Rosel Müller über die ersten Arbeitsschritte, die zwar nichts für jedermann sind, aber dennoch dazugehören.

Sobald das Schwein hing, so will es der Brauch, wurde mit dem selbstgemachten Ingwer-Likör von Silke Konzan angestoßen. „Fest nannte man es ja auch deshalb, weil man zu Kriegszeiten einfach froh war, wieder was zu essen zu haben“, erzählte König, der sonst in einem ganz anderen Bereich - nämlich als Maurer - arbeitet.

Zur Hausschlachtung kam er bereits 1982 - einfach, weil es ihn interessiert hat. Er begleitete den örtlichen Schlachter, nahm sich Wissen und Tricks an, legte die entsprechenden Prüfungen ab und fand schließlich seinen eigenen Stil. Was ist hygienisch zu beachten, wie löse ich Fleisch am besten aus, welche Gewürze schmecken? „Der König“ weiß es.

Hauptberuflich sollte es jedoch nie sein, sondern „immer nur für Freunde“. So hält er es bis heute. Mit den Jahren hat er auch gelernt, seine vielen helfenden Hände vor Ort in einen Takt zu bringen.

Etwas leichter zu handeln seien die Frauen ja schon, „bei den Männern gibt es doch mal stolze Hahnenkämpfe“, verriet der Hobbyschlachter mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Überhaupt herrschte an allen Wannen und Brettern gute Laune – und das, obwohl der Tag bereits um sechs Uhr morgens losging. Hier und da konnte die Faschingstruppe sich ein paar Wortwitze über die „sauschwere“ Arbeit nicht verkneifen.

Bratwurst, Leberwurst, Kuttelwurst, Schwartenwurst, Speck, Rotwurst, Gehacktes, Schinken und Schlacke sollten am Ende entstehen. „260 Kilo wog der Eber“, meinte Siggi, „also doch eine Mordssau.“ Während einige Fleischstücke noch auf ihre Verarbeitung warteten, füllten sich zwei riesige Kessel mit Brühe, und eine Portion Gehacktes für das traditionelle Frühstück wurde zubereitet - die verdiente Pause zwischendurch. Allein 158 Bratwürste sind es schließlich geworden. Und Kuttelwurst. Die ist laut König vor allem bei seiner Frau beliebt: „Wenn ich zuhause Ärger habe und Kuttelwurst mitbringe, ist sofort wieder alles okay“, verriet er mit einem Schmunzeln in Richtung Gattin Hannelore. (mz)