Geheimnisvolle Zeichen

Geheimnisvolle Zeichen: Das schiefe X im Stein

Harzgerode - Im Harzgeröder Schloss gehen Besucher im Rahmen des Kulturwinters auf die Suche nach Spuren längst vergangener Zeiten. Warum es am Ende Suppe gibt.

Von Sabine Herforth 09.02.2018, 10:43

„Ich bin jahrelang daran vorbeigelaufen“, erzählt Gabriele Kühne, Mitarbeiterin in der Stadtinformation Harzgerode, als sie Besuchern eine Einkerbung an einem Stein zeigt.

Ganz unscheinbar versteckt sie sich an einem Türgewand am Fuße einer der Türme. Es ist der Auftakt einer „geheimnisvollen Führung“ durch das Harzgeröder Schloss im Rahmen des Kulturwinters.

Geheimnisvolle Zeichen: Durch das Fenster gegangen

Vermutlich hat ein Steinmetz mit dem Zeichen, das wie ein schiefes „x“ aussieht, seine Unterschrift hinterlassen, um sein Werk zu kennzeichnen. Vom wem sie stammt, bleibt weiter ein Geheimnis. „Das ist schwierig zu erforschen“, erklärt Kühne.

Um ins Schloss zu gelangen, gehen die Teilnehmer - an diesem Tag sind es knapp 24 in drei Gruppen - dann ungewöhnliche Wege und nehmen nur vermeintlich den Haupteingang.

Denn: „Wir gehen jetzt eigentlich durchs Fenster“, verrät Kühne und zeigt, wo sich früher der Zugang befand - heute ein Fenster. Genau dort befindet sich ein weiteres Zeichen.

Geheimnisvolle Zeichen: 18 Holzarten verbaut

Im Schlosssaal dann eine Besonderheit, die die Besucher staunen lässt: Der Parkettboden besteht aus 18 verschiedenen Holzarten.

Kein Überbleibsel aus Fürstenzeiten, sondern eingebaut, als das Forst- und Bergamt seinen Sitz hier hatte.

Auffallend sind auch die großen Balken, die sich durch die Räume des Schlosses ziehen. „Die waren früher farbig und gefälliger gestaltet“, berichtet Kühne.

Dass sie heute in dunklem Braun gehalten oder mit weißer Wandfarbe übermalt wurden, hänge mit den letzten Bewohnern des Schlosses zusammen.

Geheimnisvolle Zeichen: Späte geschichtliche Aufarbeitung

Vor den ersten umfangreichen Sanierungsmaßnahmen Ende der 1990er waren hier Privatwohnungen eingerichtet. Davor diente das Gebäude auch als Flüchtlingsunterkunft und Verwaltungssitz.

Die geschichtliche Aufarbeitung begann deshalb erst spät - an vielen Stellen zu spät. Denn viel ging bereits verloren.

„Die Residenzzeit hat Harzgerode unheimlich viel gebracht - wirtschaftlich und kulturell“, betont Kühne.

Doch vom einstigen Fürstensitz ist nur noch wenig zu sehen. Vom Kamin und dem kleinen Ofen, die wohl vergebens den Saal zu heizen versuchten, ist beispielsweise nichts mehr geblieben. Dass es sie gab, „wissen wir aus Inventaraufzeichnungen“.

Geheimnisvolle Zeichen: Stilles Örtchen erkennbar

Den pompösen Kamin im Schlafzimmer - ein ziemlicher Luxus selbst für den Fürsten - gibt es aber noch.

Und auch ein privates stilles Örtchen, das hinter einer Tür daneben verborgen war, ist in Teilen noch erkennbar.

Am Kamin findet sich ein weiteres Steinmetzzeichen: Darauf ist die Jahreszahl 1566 zu lesen, mittig darin das Zeichen eingebracht.

Gabriele Kühne und ihre Kollegen hoffen, irgendwann in alten Archiven fündig zu werden und die Symbole besser deuten und zuordnen zu können.

Geheimnisvolle Zeichen: Nicht um historische Werte gekümmert

„Viel ist leider verloren gegangen“, sagt Kühne, „es ist schon bedauernswert.“ Die früheren Bewohner des Gebäudes hätten sich einfach nicht um historische Werte gekümmert, Balken und Türrahmen übermalt.

Und dennoch ist das Schloss heute wieder ein Schmuckstück, dessen Westflügel - wo inzwischen die Touristinfo untergebracht ist - nach aufwendiger Sanierung im Mai offiziell eingeweiht wurde.

Weitere Steinmetzzeichen, auf die Kühne bei der Führung aufmerksam macht, verbergen sich an Handläufen im Treppenturm, Fenstergewänden und den Spindeln einer Wendeltreppe.

Geheimnisvolle Zeichen: Und dann gibt es Süppchen

Das Highlight der Führung folgt jedoch erst ganz zum Schluss. In der Schwarzen Küche im Westflügel stehen bereits Uta Zacharias und Evelyn Senf am großen Kessel in den Startlöchern.

Im Topf köchelt schon „Rumfordsche Suppe“, die Holger Nürnberg vom „Schloßkeller“ mit seinem Team nach Originalrezept für die Besucher nachgekocht hat.

Die Suppe aus Graupen und getrockneten Erbsen wurde Ende des 18. Jahrhunderts für besonders arme Menschen kreiert.

Nahrhaft, billig und einfach zu kochen sollte sie sein. Frühlingszwiebeln und frisches Brot hat es dazu früher allerdings wohl nicht gegeben.

Geheimnisvolle Zeichen: Schwarze Küche soll öfter genutzt werden

In Zukunft soll die Schwarze Küche wieder öfter genutzt werden und durch vielfältige Veranstaltungen noch mehr Leben in das Schloss einkehren.

So ist im März bereits eine Buchlesung geplant, und auch Sonderführungen sollen die Besucher zu ungewöhnlichen Themen nach Harzgerode locken. „Da wird uns sicher noch einiges einfallen“, ist Kühne überzeugt. Auch beim nächsten Kulturwinter werde die Touristinformation wieder dabei sein. (mz)