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Star des europäischen Autorenkinos Béla Tarr ist tot

Der ungarische Filmemacher Béla Tarr ist nach langer und schwerer Krankheit gestorben.

Von Anja Falgowski Aktualisiert: 07.01.2026, 11:51
Einer der großen europäischen Autorenfilmer: Bela Tarr
Einer der großen europäischen Autorenfilmer: Bela Tarr (Foto: DPA)

Budapest/MZ/DPA - Mit dem fast achtstündigen „Satanstango“, der Verfilmung des Romans von Literaturnobelpreisträger Laszlo Krasznahorkai, schrieb der ungarische Filmemacher Béla Tarr 1994 Geschichte. Am 6. Januar ist er im Alter von 70 Jahren nach langem und schwerem Leiden gestorben, wie die ungarische Nachrichtenagentur MTI unter Berufung auf die Familie Tarrs berichtet. Tarr ist einer der bekanntesten Regisseure des europäischen Autorenkinos.

Akademie trauert

Die Europäische Filmakademie trauere, so heißt es in einem veröffentlichten Statement, „um einen herausragenden Regisseur und eine Persönlichkeit mit starker politischer Stimme, der nicht nur von seinen Kollegen hochgeschätzt, sondern auch vom Publikum weltweit gefeiert wurde.“

Béla Tarr, 1955 in Ungarn geboren, fühlte sich schon in jungen Jahren zum Film hingezogen. Frühe Arbeiten handeln von Armut, Hoffnungslosigkeit und gesellschaftlichen Spannungen in den späten Jahren des Sozialismus. Mit der Zeit aber entfernte er sich von realistischen Alltagsgeschichten und stellte mit einer langsamen und ernsten Erzählweise eher Stimmungen in den Vordergrund statt Handlungen. Menschliche Abgründe und existenzielle Fragen interessierten ihn dabei immer mehr.

Viele seiner Arbeiten entstanden zusammen mit Laszlo Krasznahorka. Mit dessen „Satanstango“ und mit „Werckmeister Harmonien“ aus dem Jahr 2000 wurde er international bekannt, erwarb sich damit aber zeitgleich den Ruf des kompromisslosen Künstlers. Seine Filme wurden oft als einnehmend und philosophisch beschrieben mit minutenlangen, sorgsam choreografierten Einstellungen ohne Schnitt.

Filmschule gegründet

2023 wurde ihm beim Europäischen Filmpreis ein Ehrenpreis verliehen. Für „Das Turiner Pferd“ erhielt Tarr 2011 bei der Berlinale den Großen Preis der Jury. Dieser Film war sein letzter – er habe alles gesagt, was er mit dem Kino ausdrücken wolle, erklärte er mehrfach. In seiner letzten Lebensphase hatte er sich vor allem der Filmausbildung und der kulturellen Arbeit gewidmet. 2013 gründete er zusammen mit anderen Regisseuren die internationale Filmschule „film.factory“ in Sarajevo.