Rasant steigende Baukosten

Immobilienpreise Halle und Leipzig steigen rasant

Halle (Saale) - Die Baupreise in Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Für Durchschnittsverdiener wird es trotz der niedrigen Zinsen in den Ballungsräumen schwieriger, sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu ...

Von Steffen Höhne 05.11.2018, 08:00

Die Baupreise in Sachsen-Anhalt sind in den vergangenen Jahren kräftig gestiegen. Für Durchschnittsverdiener wird es trotz der niedrigen Zinsen in den Ballungsräumen schwieriger, sich den Traum von den eigenen vier Wänden zu erfüllen.

Nach Angaben des Bauindustrieverbandes Ost erhöhten sich die Baukosten seit 2010 um knapp ein Viertel. Vor allem seit 2015 dreht sich die Preisschraube nach oben.

Die Baupreise kletterten laut Statistischem Landesamt in Sachsen-Anhalt allein in den vergangenen drei Jahren um 9,2 Prozent. „Die gestiegene Nachfrage führt zwangsläufig zu höheren Preisen“, sagt Susann Stein vom Bauindustrieverband Ost.

Die hohen Steigerungen erklärt der Verband vor allem mit gestiegenen Rohstoff- und Personalkosten. „Allein zwischen 2012 und 2017 haben sich die Personalkosten im ostdeutschen Baugewerbe um 17 Prozent erhöht“, so Stein.

Viele Unternehmen könnten zwar erstmals seit der Baukrise Ende der 90er Jahre auskömmliche Preise erzielen. Der Bau gehört laut Stein aber weiter zu den Branchen mit besonders geringer Gewinnmarge, unter drei Prozent seien keine Seltenheit.

Die Folge der gestiegenen Kosten: Durchschnittsverdiener können es sich in Ballungsräumen wie Halle-Leipzig kaum mehr leisten, ein Haus zu bauen.

Immobilienexperte Andreas Wenzel macht das an folgenden Zahlen deutlich. Ein durchschnittlicher Drei-Personen-Haushalt verfüge in der Region über ein monatliches Nettoeinkommen von etwa 3.000 Euro. „Um ein einfaches Einfamilien-Haus solide zu finanzieren, sind jedoch mindestens 4.000 Euro Monatseinkommen nötig“, so Wenzel, der pro Jahr etwa 60 Familien bei der Baufinanzierung berät.

Nicht nur die gestiegenen Baupreise würden zu Buche schlagen, auch die Grundstückspreise seien in Leipzig und den angrenzenden Städten gestiegen. Laut Wenzel wird das durch die niedrigen Zinsen nicht aufgefangen. Im Schnitt kostet der Quadratmeter im Neubau 2.500 Euro.

Halle und Leipzig: Trotz gestiegener Immobilienpreise wird viel gebaut

Dass dennoch viel gebaut wird, liegt daran, dass Gutverdiener ihr Geld in Immobilien investieren. Diese kommen nicht nur aus der Region. Großprojekte werden über Fonds finanziert, deren Anleger aus der ganzen Welt stammen. Zudem wird viel saniert und damit auch vergleichsweise günstiger Wohnraum geschaffen.

Die erhöhten Baukosten machen auch der Wohnungswirtschaft in Sachsen-Anhalt zu schaffen. „Um Neubauten zu finanzieren, sind Kaltmieten von mindestens neun Euro pro Quadratmeter notwendig“, sagt Ronald Meißner, Direktor des Verbandes der Wohnungsgenossenschaften Sachsen-Anhalt. In den Großstädten ließen sich solche Mietpreise je nach Lage erzielen.

„In Kleinstädten wird es jedoch schwierig, Neubauten zu finanzieren“, so Meißner. Die Investitionen seien jedoch wichtig, um die Quartiere aufzuwerten und Abwanderung zu stoppen.

Um preisgünstig zu bauen, setzt die Wohnungsgenossenschaft Bernburg nun auf moderne Plattenbauten.

Das Unternehmen lässt derzeit zwei fünfgeschossige Häuser errichten, die aus je 1.100 Betonfertigteilen bestehen. Die Bauzeit liegt laut Vorstand Peter Arlt bei nur zwölf Monaten. Das ist auch ein Modell für andere Städte. Durch das sogenannte serielle Bauen könnte laut Bauindustrieverband viel preiswerter Wohnraum geschaffen werden. (mz)