Germanwings-Absturz in Südfrankreich

Germanwings-Absturz in Südfrankreich: Gedenkort für Opfer aus Halle

Halle (Saale) - Kerzen, Teelichte, Blumen. Eine angebrochene Flasche französischer Cidre, eine eingeschweißte Kunstzeitschrift und Fotos einer jungen Frau. In Halle wird um das Opfer des Flugzeugunglücks in den französischen Alpen getrauert, das aus der Saalestadt kam und hier noch viele Freunde hatte. Einige davon haben den Gedenkort an einem zur Kunstplattform umgestalteten früheren Zeitungskiosk in der Nähe des belebten Reilecks installiert, noch bevor die Todesnachricht öffentlich geworden ist. Der Kiosk ist ein Szeneort, an dessen Entstehen die Künstlerin, wie man hört, 2009 großen Anteil hatte. Den ganzen Freitag lang gehen Passanten daran ...

Von Felix Knothe

Kerzen, Teelichte, Blumen. Eine angebrochene Flasche französischer Cidre, eine eingeschweißte Kunstzeitschrift und Fotos einer jungen Frau. In Halle wird um das Opfer des Flugzeugunglücks in den französischen Alpen getrauert, das aus der Saalestadt kam und hier noch viele Freunde hatte. Einige davon haben den Gedenkort an einem zur Kunstplattform umgestalteten früheren Zeitungskiosk in der Nähe des belebten Reilecks installiert, noch bevor die Todesnachricht öffentlich geworden ist. Der Kiosk ist ein Szeneort, an dessen Entstehen die Künstlerin, wie man hört, 2009 großen Anteil hatte. Den ganzen Freitag lang gehen Passanten daran vorbei.

Die wenigsten wissen um den Anlass, warum hier Kerzen und Blumen stehen. Denn der Grund für die traurige Installation wird nicht genannt. Es ist eine Trauer, die öffentlich und doch zurückhaltend ist. Der Name der Toten bleibt den Betrachtern unbekannt. Auch die MZ hat entschieden, ihn nicht zu veröffentlichen. Die junge Frau war als Schmuckkünstlerin keine Person des öffentlichen Lebens. Warum sie an Bord der Maschine war, wie sie ihr Leben gelebt hat, was ihre Zukunftspläne waren, wie ihre Familie und auch ihre Freunde von ihrem Tod erfahren haben und mit ihm umgehen - all das sollte zurücktreten hinter der Achtung der Toten und dem Respekt vor der Privatsphäre der Lebenden.

Freunde nehmen Fotos vom Netz

Recherchen, die über die Bestätigung der Nachricht vom Tod der Frau und über Fragen zu einfachen Grunddaten ihres Lebens hinaus gegangen wären, hat die MZ daher nicht weiter verfolgt. Denn schnell war klar, dass sowohl die Angehörigen als auch die halleschen Freunde der Künstlerin keinen Kontakt zu Medien haben wollen.

Freunde bearbeiteten gestern die Facebookseite der Frau, um Fotos und andere Informationen aus der Öffentlichkeit zu nehmen. Aus nachvollziehbaren Gründen. Die Gratwanderung zwischen öffentlichem Interesse und dem Schutz der Opfer ist Medien in den letzten Tagen nicht immer gelungen. Und auch in diesem Fall bleibt sie schwierig.

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Nun haben dennoch die unfassbaren Dimensionen des Unglücks einen konkreten Bezug zu Sachsen-Anhalt bekommen, einen Bezug zu Halle, einen Bezug zur Kunsthochschule Burg Giebichenstein, an der die junge Frau acht Jahre lang studiert hat, von 2004 bis 2012.

Laut einem Lebenslauf, den es von ihr gibt, wurde sie in Halle geboren. Später war sie Schülerin am Burggymnasium Wettin, das einen künstlerischen Spezialzweig hat. Ihre Eltern wohnten im nördlichen Saalekreis.

Direkt nach dem Abitur hatte sie die Aufnahmeprüfung im Fach Schmuck an der renommierten Kunsthochschule bestanden. Auch in diesen Tagen finden die Eignungstest wieder statt. Die Hochschule wollte sich gestern noch nicht zu der tragischen Nachricht äußern. In der Hochschulleitung hatte Hörensagen über den Fall schnell eigene Recherchen ausgelöst. Doch bis Freitag blieb man dort im Ungewissen. Die Burg ist ein kleiner Kosmos. In den Fachbereichen geht es beinahe familiär zu, viele ehemalige Studierende, aber auch Professoren, Dozenten und Mitarbeiter der Burg kannten die Frau persönlich.

Gedenkort selbst gegründet

Ihre Arbeiten, deren Bilder man im Internet sehen kann, zeugen von einer ambitionierten Schmuckkünstlerin. Bereits während des Studiums stellte sie Werke aus, nach ihrem Studium bekam sie ein Kunststipendium. Noch während ihres Studiums soll sie 2009 Mitgründerin des Kunstvereins gewesen sein, der aus dem früheren, vier Quadratmeter großen Zeitungskiosk einen in Halle beliebten Ort für experimentelle Kunst gemacht hat.

In dem Kiosk hing am Freitag noch die aktuelle Installation zweier Künstlerinnen. „Zugvögel“ heißt sie. Es sind Vögel, die im Raum hängen und ruhig mit den Flügeln schlagen.