Zwischen Top und Flop

Zwischen Top und Flop: Wo der Burgenlandkreis im Landes- und im Bundesvergleich steht

Weißenfels/Naumburg - Wo der Burgenlandkreis im Landes- und im Bundesvergleich steht und welche Möglichkeiten er für die künftige Entwicklung hat.

Von Birger Zentner 28.04.2017, 04:00

Es kommt immer auf den Maßstab an, den man anlegt. Landesweit gesehen ist der Burgenlandkreis nun schon seit sechs Jahren auf Platz zwei in der Wirtschaftskraft. Vor ihm rangiert lediglich der Saalekreis. Mit einem Umsatz von 386 Millionen Euro im Monat, das sind mehr als vier Milliarden Euro im Jahr, präsentiert sich das verarbeitende Gewerbe des Landkreises. Zu verdanken hat der Burgenlandkreis dies vor allem der Ernährungs- und Getränkeindustrie. Sie bringt laut Industrie- und Handelskammer allein einen Umsatz von 2,9 Milliarden Euro im Jahr. Das sind 40 Prozent des Umsatzes, den alle Betriebe der Branche landesweit machen.

„Das ist ein gutes Ergebnis und auch eine gute Entwicklung, die wir genommen haben“, kommentiert Landrat Götz Ulrich (CDU) diese Tatsache. „Aber regionale und landesweite Vergleiche bringen uns nicht weiter“, setzt er hinzu. Schließlich haben die Menschen ein bundesweites Angebot, aus dem sie mehr oder weniger wählen können. „Also müssen wir uns auch dem bundesweiten Vergleich stellen“, sagt Ulrich. Und da wird aus einer Top-Platzierung eher eine Flop-Platzierung.

Burgenlandkreis landet in einem bundesweiten Ranking auf Platz 328

Unter 294 Landkreisen und 88 kreisfreien Städten - mithin 382 Mitbewerbern - landet der Burgenlandkreis in einem bundesweiten Ranking mit mehreren Kriterien, das das Wirtschaftsmagazin Focus Money aufstellte, auf dem Platz 328. Im Landesvergleich ist das der sechste Platz. Wobei der Saalekreis mit Platz 212 der bestplatzierte aus dem Land ist, die Stadt Dessau Roßlau mit Rang 377 am schlechtesten abschneidet.

Heißt deshalb die Devise für den Burgenlandkreis, sich vorzuarbeiten, die Spitzenplätze ins Visier zu nehmen, die derzeit im bundesweiten Ranking von den Landkreisen Ebersberg (Nachbar von München) oder Heilbronn und Tuttlingen (Baden-Württemberg) belegt werden?

Landrat Götz Ulrich: „Wir können uns doch nicht mit Leipzig und Jena messen“

„Es ist illusorisch zu glauben, dass wir vielleicht in 15 Jahren damit konkurrieren könnten“, meint Ulrich. Schon im regionalen Vergleich hat der Burgenlandkreis an vielen Stellen keine Chance. „Wir können uns doch nicht mit Leipzig und Jena messen“, sagt Ulrich. Leipzig liegt bundesweit übrigens auf Platz 67, Jena auf 206. Allein das Kulturangebot, das Leipzig anzubieten hat, kann der Burgenlandkreis nicht erreichen. „Was wir können, ist unsere Möglichkeiten anbieten“, so der Landrat. Wer in einer Großstadt leben will, den wird man nicht mit besonderen Angeboten in ländliche Gegenden locken können.

Wer aber individuell wohnen und zugleich mehr als vielleicht 300 Quadratmeter Garten haben möchte, der könnte im Burgenlandkreis gut aufgehoben sein. Vorausgesetzt, er findet hier die entsprechenden Baugrundstücke und gute infrastrukturelle Bedingungen vor. Für Ulrich sind das einerseits die Verkehrsanbindungen per Straße und öffentliche Verkehrsmittel und andererseits die digitalen Wege. Letztere werden ab diesem Jahr im Burgenlandkreis ausgebaut. „Aber wir wissen auch, dass es nicht reicht, das Glasfaserkabel bis in jeden Ort zu legen. Es muss in jedes Haus“, sagt Ulrich.

Wohnen

Dem Burgenlandkreis fehlt es noch an ausreichend attraktiven Wohnangeboten. Die können in den Dörfern genauso entstehen wie in den Städten. Wobei es in Städten offenbar am kompliziertesten ist, Bauplätze für innenstadtnahes Wohnen zu präsentieren. Ein Beispiel könnte in Hohenmölsen verwirklicht werden, wo der Kreis eigene Flächen besitzt und sie mit Hilfe der neuen Sparkassen-Immobiliengesellschaft entwickeln könnte (die MZ berichtete). Ein ebenfalls interessantes Angebot könnte mittelfristig in Naumburg entstehen. Dabei geht es um den jetzigen Standort des Betriebshofs der Personenverkehrsgesellschaft und des Busbahnhofes in der Oststraße nahe dem Marientor. Der Betriebshof könnte in ein Gewerbegebiet wandern, den Busbahnhof wünscht sich die Stadt Naumburg ohnehin an anderer Stelle. So könnte ein größeres Gebiet entstehen, in dem Wohngrundstücke angelegt werden könnten, die aufgrund ihrer Innenstadtnähe für viele Menschen interessant sein könnten. Ähnliche Entwicklungsmöglichkeiten - mal größer, mal kleiner - haben auch andere Orte im Burgenlandkreis.

Fahren

Was die Anbindung des Burgenlandkreises mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu den größeren Metropolen per Schiene betrifft, gibt es bereits eine Reihe guter Angebote. Nach Halle und Jena fahren von Naumburg oder Weißenfels jeweils zwei Züge pro Stunde, im Stundentakt geht es nach Leipzig. Zeitz ist mit Leipzig, Gera und Erfurt ebenfalls gut vernetzt. Lediglich die Verbindung in Richtung Halle ist nicht so gut, aber durch die mittelfristige Sicherung der Zugverbindung Zeitz-Teuchern-Weißenfels zumindest gegeben. Der Westteil des Kreises mit der Unstrutbahn ist mit der Kreisstadt Naumburg gut verbunden. Allerdings wäre es für den Kreis wichtig, ins mitteldeutsche S-Bahn-Netz aufgenommen zu werden. „Leipzigs Oberbürgermeister hat uns in dem Gedanken bestärkt“, sagt Landrat Götz Ulrich. Auch wenn die Nasa, das sachsen-anhaltische Schienenverkehrsunternehmen, darüber nicht glücklich ist, wenn Verkehrsstrategien in diese Richtung zielen. Grundsätzlich geht der Blick dabei aber über das Jahr 2030 hinaus, denn bis dahin sind die derzeitigen Verknüpfungen im Verkehrswesen mit der Nasa festgezurrt.

Erholen

Für den Burgenlandkreis wäre es ein riesiger Gewinn, wenn in Leipzig, Halle, Jena und Erfurt klar würde, dass die Saale-Unstrut-Region mit den Weinbaugebieten für diese Städte im Tagesausflugsbereich liegt. Es ist einerseits gut und richtig, sich Gedanken darüber zu machen, wie man das Saale-Unstrut-Gebiet deutschlandweit bekannt machen kann. Anderseits müssen die benachbarten Regionen beworben werden. Landrat Götz Ulrich verspricht sich in dieser Hinsicht einiges von der Mitarbeit in der Metropolregion Mitteldeutschland.

Pläne, den von Leipzig kommenden Elster-Saale-Kanal für Sportboote bis zur Saale zu verlängern, kämen dem Tourismus im Burgenlandkreis zugute. Dem gleichen Ziel dienen auch die Gedanken, für den Wassertourismus an der Elster mit dem Landkreis Leipzig enger zu kooperieren. Das wäre eine naheliegende touristische Verbindung von der Zeitzer Region zu den Seen im Südraum Leipzigs. Des Themas hat sich die lokale Aktionsgruppe Montanregion in Hohenmölsen angenommen. Finanzierungschancen gibt es über das europäische Programm Leader.

Digitalisieren

In Sachen schnelles Internet gehen die Landkreise bundesweit in die Offensive. Leistungsstarke Kreise bauen die Internetverbindungen in Eigenregie und mit eigenen Mitteln optimal aus. Das sind vor allem Landkreise im Süden und Westen der Republik. Im Norden Sachsen-Anhalts agieren Zweckverbände. Der Burgenlandkreis befindet sich in einem bundesweiten Wettbewerb, wenn er in diesem Jahr mit dem Ausbau in den ländlichen Gebieten beginnt. Mehr als 20 Millionen Euro werden bekanntlich bis 2018 investiert, um in die Haushalt Verbindungen mit 50 Megabit pro Sekunde zu bringen und zu Gewerbetreibenden 100 Megabit.

Doch das ist noch keine wirklich langfristige Orientierung. Die käme erst mit Glasfaserleitungen bis in jedes Haus. Dabei ist der Burgenlandkreis in der jetzigen Situation auf Hilfe angewiesen. Die eigene Finanzkraft reicht nicht. Bereits die gegenwärtige Ausbauphase wird mit 90 Prozent von Bund, Land und EU gefördert. Auch für den zweiten Schritt würde die Förderung gebraucht. Große Unternehmen werden auch da aufgrund zu niedriger Gewinne nicht auf eigene Rechnung ausbauen. (mz)