Protest gegen Stromtrasse

Protest gegen Stromtrasse: Im Burgenlandkreis wächst der Widerstand gegen Südostlink

Weißenfels - Eine Nord-Süd-Leitung soll durch den Burgenlandkreis führen. Doch nicht wenige fürchten negative Folgen für die Saale-Unstrut-Region.

Von Andreas Richter 19.02.2018, 11:13

Im Burgenlandkreis wächst der Widerstand gegen den möglichen Bau einer Stromtrasse durch die Saale-Unstrut-Region. Der Ausschuss für Wirtschaft und Landwirtschaft des Kreistages hat auf seiner jüngsten Sitzung einem Antrag der Fraktion Freie Wähler einstimmig zugestimmt. Darin wird Landrat Götz Ulrich (CDU) beauftragt, alles in seinen Möglichkeiten stehende zu tun, um eine Stromtrasse durch den Landkreis, sei es durch Erdkabel oder Freileitungen, zu verhindern.

Der Hintergrund: Um überschüssigen Windstrom aus dem Norden in Richtung Bayern zu transportieren, soll ab 2021 eine neue Trasse entstehen. Der sogenannte Südostlink ist zwischen Sachsen-Anhalt und Bayern geplant. Träger des Vorhabens im nördlichen Teil ist das Unternehmen 50 Hertz. Gegenwärtig werden verschiedene Verlaufsvarianten geprüft. Nach Angaben des Burgenlandkreises würde die aktuelle Vorzugsvariante die Saale-Unstrut-Region vom Geiseltalsee über Freyburg, Goseck, Eulau, Schellsitz und das Wethautal durchschneiden.

Ein Szenario, das die im vergangenen Jahr in Freyburg gegründete Bürgerinitiative (BI) „Keine Stromautobahn durch die Saale-Unstrut-Region“ unbedingt verhindern will. „Eine Stromautobahn quer durch das Saale-Unstrut-Gebiet hätte verheerende Folgen für die Zukunft unserer Tourismus-Region“, sagte Karin Reglich, Sprecherin der BI, während der Sitzung des Ausschusses. In einer Begründung zum Antrag für den Ausschuss wird unter anderem auf die negativen Begleiterscheinungen einer geplanten Erdverkabelung verwiesen.

Stromtrasse ist viert Meter tief und 20 Meter breit

Die Trasse mit einer Tiefe von mehr als vier Metern und einer Breite von zwanzig Metern bei gleichzeitigen fast gleich großen Baueinrichtungen stelle einen derartigen Eingriff in die Umwelt der touristisch geprägten Region dar, dass dies „unter keinem Gesichtspunkt hinnehmbar“ sei, heißt es. Ein Standpunkt, den Weinbaupräsident Siegfried Boy im Ausschuss ausdrücklich bekräftigte.

Er erinnerte zudem an den laufenden Welterbe-Antrag für den Naumburger Dom. Eine Stromtrasse durch die Saale-Unstrut-Region sei auch deshalb schädlich. Unternehmerin Elke Simon-Kuch wollte das Thema jedoch nicht allein auf den Tourismus beschränkt wissen. „Wir müssen vernünftige Rahmenbedingungen für die Wirtschaft sichern“, sagte die Weißenfelserin.

Planung der Stromtrasse soll 2018 abgeschlossen werden

Nach Ansicht von BI-Sprecherin Karin Reglich muss sich der Landrat beim Land und der Bundesnetzagentur dafür einsetzen, dass sich eine solche neue Stromleitung an bestehenden Trassen wie Autobahnen oder vorhandenen und neu zu bündelnden Stromtrassen zu orientieren hat. Ein Bau der Trasse parallel zur Autobahn könnte laut Axel Happe, Projektsprecher bei 50 Hertz, jedoch nur zum Teil umgesetzt werden. So müsse man bei Weißenfels aufgrund von Siedlungen nach Osten ausweichen.

Die fachliche Planung der Stromtrasse soll laut Happe in diesem Jahr abgeschlossen werden. In diesem Prozess werden die verfeinerten Planungen für zwei mögliche Korridore durch die Saale-Unstrut-Region erneut öffentlich ausgelegt. Was unter anderem die Bedenken der Weinbauern betrifft, so sagte Happe: „Wir würden nach den jetzigen Planungen nur einen einzigen Weinberg in der Region tangieren, und zwar bei Eulau.“ Und dort gebe es Möglichkeiten für einen besonders schonenden Eingriff in die Natur. (mz)