Digitalisierungskonferenz

Experten beraten zum Strukturwandel - Wasserstoff statt Kohle

Experten beraten zum Strukturwandel. Wie man mit grüner Energie und Digitalisierung das Mitteldeutsche Revier sicher in die Zukunft bringen will.

Von Angelika Andräs
 Ein Schaufelradbagger der Mibrag fördert Braunkohle im Tagebau Profen. Bis 2038 steht der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung an.
Ein Schaufelradbagger der Mibrag fördert Braunkohle im Tagebau Profen. Bis 2038 steht der Ausstieg aus der Braunkohleverstromung an. (Foto: dpa)

Zeitz/MZ - Projekte, Konzepte, Digitalisierung, Vernetzung - wie könnte der anstehende Strukturwandel aussehen? Damit befasste sich am Mittwoch die elfte Digitalisierungskonferenz, die von Cluster IT Mitteldeutschland, Wirtschaftsrat der CDU Sachsen-Anhalt und Digitalisierungszentrum der Stadt Zeitz ausgerichtet wurde. Mehr als 150 Expertinnen und Experten aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik wurden erwartet. Sie informierten und tauschten sich aus zu Fragen, wie: Welche Chancen entstehen durch Digitalisierung und Vernetzung? oder: Wie sieht die Situation für Unternehmen im Strukturwandel aus? Themen, wie die Erneuerung im Revier der Mibrag, Wasserstoffherstellung, „New Work“ und Creative Lab, aber auch die Stadtentwicklung von Zeitz standen auf der Tagesordnung.

Nach der Begrüßung durch Martina Kuhaupt, Leiterin Digitalisierungszentrum Zeitz, und Grußworten von Oberbürgermeister Christian Thieme (CDU), Tamara Zieschang, Staatssekretärin im Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI), und Dieter Stier (CDU), Mitglied des Bundestages, ging es bis 16 Uhr in ein umfangreiches Programm zu den Themenkomplexen Unternehmen im Strukturwandel, Neue Formen von Arbeit – Zukunft der Arbeit - Stadtentwicklung sowie Digitalisierung und Vernetzung als Chance für den Strukturwandel.

Mibrag mit Abstand größter Arbeitgeber, Kohleförderer und Betreiber von Kraftwerken

Der Braunkohleausstieg ist bis 2038 festgeschrieben. Für das Mitteldeutsche Revier bedeutet das: Es braucht Strategien und Projekte, um die Region und die Industrielandschaft, die unmittelbar mit der Braunkohleförderung und der Stromerzeugung aus Braunkohle verbunden ist, zukunftsfähig zu gestalten. Wege und Strategien, wie sich der Strukturwandel dank Digitalisierung bewältigen lässt, waren daher der rote Faden, der sich durch Beiträge und Diskussionen zog.

Alle vorgestellten Überlegungen und Strategien waren natürlich „ergebnisoffen“, Grundlagen für Diskussion und Weiterentwicklung. Denn die Konzepte und die daraus entstehenden Projekte werden die Region um Zeitz, das Kernrevier, in den nächsten Jahren beschäftigen und wesentlich prägen. Und da spielt vor allem die Mibrag als mit Abstand größter Arbeitgeber, Kohleförderer und Betreiber von Kraftwerken, in denen aus Braunkohle Strom zur Versorgung ganzer Landstriche, vieler Städte, aber auch der Deutschen Bahn und zahlreicher Betriebe gewonnen wird, eine besondere Rolle. Das führte Thomas Lehmann, Leiter erneuerbare Energien bei der Mibrag, aus. Er ging auf die Rolle ein, die die Mibrag in der Stromversorgung und in der Wirtschaft spielt.

„Die Sicherung des Mitteldeutschen Reviers funktioniert nicht als Mikrokosmos“

Um die Industriestruktur im Mitteldeutschen Revier beizubehalten und vor allem Arbeitsplätze zu erhalten, setzte man auf erneuerbare Energien, so Lehmann: Auf grüne Energie umstellen, Wasserstoff herstellen und in einer dritten Phase veredeln, sind ganz knapp gefasst die Pläne für das nächste Jahrzehnt. Allerdings nicht losgelöst vom Umfeld. „Die Sicherung des Mitteldeutschen Reviers funktioniert nicht als Mikrokosmos“, sagte Lehmann, „also nicht nur die Mibrag allein.“ Daran schloss nicht nur thematisch Markus Lorenz, Manager für Klima- und Energie der Südzucker Group, an, der über das Wasserstoffnetzwerk Burgenlandkreis sprach.

Nachdem die Leiterin der Stabsstelle Strukturwandel Franziska Krüger die Rahmenbedingungen für den Strukturwandel dargestellt hatte, wandte man sich dem großen Komplex Digitalisierung, Vernetzung und neuen Möglichkeiten der Arbeit zu. Dass Zeitz als Stadt der Freiräume dafür beste Voraussetzungen bieten kann, erläuterte Oberbürgermeister Christian Thieme mit Blick auf das Stadtentwicklungskonzept 2035 und vor dem Hintergrund von sinkenden Einwohnerzahlen, Wohnungsleerstand und fehlenden Flächen zur Gewerbeansiedlung. Aber mit Blick auf die Pluspunkte: vorhandene Betriebe, eine bedeutende Industriegeschichte, Anbindung an die S-Bahn, kurze Distanz zum Flughafen, ausreichend Freiräume vor den Toren von Leipzig, kreative Köpfe, risikobereite Investoren.

Die Macher der Digitalkonferenz

Der Cluster IT Mitteldeutschland ist das Branchennetzwerk der IT-Wirtschaft in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit der Zielsetzung, „die Aktivitäten der Branche zu koordinieren und sichtbar zu machen“. Gegründet wurde der Verein 2009. Mittlerweile hat er mehr als 60 Mitglieder aus allen Anwendungsbereichen der IT. Der Wirtschaftsrat der CDU ist die Stimme der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland und Europa. Unternehmen bietet er eine branchenübergreifende Plattform, „Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik durch Wettbewerb, Chancen durch Freiheit und Wohlstand durch Leistung mitzugestalten“.

Das Digitalisierungszentrum Zeitz (DZZ) hat die Aufgabe, den Strukturwandel im Mitteldeutschen Revier zu unterstützen und erfolgreich mitzugestalten. Die Wirtschaft vor Ort wird „zielführend bei der digitalen Transformation begleitet“. Bei den Digitalisierungskonferenzen sollen im intensiven Austausch praktische Lösungswege aufgezeigt und entwickelt werden.