„Eine schwierige Sache hat ein gutes Ende gefunden“

„Eine schwierige Sache hat ein gutes Ende gefunden“: Was Finnholz in Droßdorf plant

Droßdorf - Erster Schritt zur Ansiedelung einer Holzbau-Firma in Droßdorf getan. Warum es dafür eine längere Diskussion im Gemeinderat gab.

Von Matthias Voss
Blick übers jüngst verschneite Feld zum Gewerbegebiet Droßdorf. Es soll erweitert werden.

Im Gewerbegebiet in Droßdorf entstehen in naher Zukunft 60 neue Arbeitsplätze. Dafür hat der Rat der Gemeinde Gutenborn am Dienstag durch die Änderung des entsprechenden Bebauungsplanes den Weg frei gemacht. Das Holzbau-Unternehmen FH Finnholz aus Lienen im westfälischen Münsterland will rund 15 Millionen Euro in vier neue Fabrikgebäude investieren.

„Das ist ein erster Schritt für den Strukturwandel in der Zeitzer Bergbauregion. Ich freue mich sehr über die Zusage und danke auch dem Droßdorfer Agrarbetrieb, dass er uns sein Land verkauft“, sagt FH-Geschäftsführer Srboljub Stancic. Nur mit dem Verkauf konnte das Gewerbegebiet auf die 4,5 Hektar erweitert werden, die Finnholz für den neuen Produktionsstandort benötigt.

Vorangegangen waren monatliche Gespräche mit Verwaltung und Politik

Vorangegangen waren monatliche Gespräche mit Verwaltung und Politik und schlussendlich eine längere Diskussion im Gutenborner Gemeinderat. Denn einige Mitglieder sahen ein Problem mit dem möglichen Bau einer Ortsumgehung von Droßdorf. Eine Trasse, die nicht mehr als eine grobe Skizze ist, hätte die Ansiedelung durchschnitten. So ging es erstmal nur um 3,5 Hektar, die die Gemeinde hätte anbieten können. Das wäre aber zu wenig gewesen, da Finnholz auch noch einen größeren Raum für Lagerhallen benötigt.

Der stellvertretende Bürgermeister Ralf Steinbach (CDU) stimmte deswegen auch gegen das Vorhaben. „Ich will mir nicht vorwerfen lassen, dass ich als Gemeinderat die Umgehungsstraße verhindert habe.“ Bürgermeister Stefan Leier (CDU) bemerkte am Anfang, dass man nicht wissen könne, welche Auswirkungen die Ansiedelung auf eine mögliche Umgehungsstraße für Droßdorf haben könnte. „Eine Abwägung ist wichtig und sinnvoll.“

Ortsumgehung noch in ferner Zukunft

So wurde teilweise leidenschaftlich erklärt, dass zum einen eine Ortsumgehung noch in ferner Zukunft liegt. Und zum anderen gäbe es reichlich Varianten, auch welche, an die jetzt wohl noch niemand denkt, meinte Uwe Kraneis (parteilos), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Droyßiger-Zeitzer Forst. „Wir reden hier von mehreren Jahrzehnten, bis die Straße kommen könnte. Aber es geht nicht um entweder oder, sondern um sowohl als auch. Lassen Sie diese Chance nicht vorbeiziehen, diese neuen Arbeitsplätze sind unbezahlbar“, sagte er.

Unterstützt wurde er von Arnd Czapek (CDU), der per E-Mail, die der MZ vorliegt, von dem Fachbereichsleiter Planung bei der Landesstraßenbaubehörde Peter Lotze die Information bekam: „Wenn die Planung startet, wird nach verschiedenen Varianten einer Trasse gesucht. Die vorhandenen Gegebenheiten werden dann entsprechend beachtet.“

An- und Abfahrtsmöglichkeiten großer Lkw

So konnte der Großteil des Gemeinderates überzeugt werden, dass eine Erweiterung des Gewerbegebietes keineswegs eine Ortsumfahrung verhindern werde. „Dem Gemeinderat ist es wichtig, dass uns die Möglichkeit einer Ortsumgehung erhalten bleibt. Aber heute sind mir meine Ängste genommen worden und deswegen stimme ich dafür“, sagte Steffen Kühn (CDU). Neben seiner gab es fünf weitere Ja-Stimmen, drei Ratsmitglieder stimmten dagegen, Bürgermeister Leier enthielt sich.

Er warf ein, dass Träger öffentlicher Belange wie Naturschutzverbände, der Lärmschutz, aber auch die An- und Abfahrtsmöglichkeiten großer Lkw beachtet werden müssen. Bezüglich letzterem beruhigte ihn Stancic, „dass wir problemlos die Hauptzufahrt nutzen können und nicht Ihren neuen ländlichen Weg“.

„Das ist für uns eine ganz wichtige Sache"

Überzeugungsarbeit leistete auch der Leiter des Wirtschaftsamtes beim Burgenlandkreis, Thomas Böhm. „Das ist für uns eine ganz wichtige Sache. Wir wollen zeigen, dass direkt in der Region in Arbeitsplätze investiert wird. Das ist ein Zeichen für den Strukturwandel“, sagte er als Gast auch im Namen von Landrat Götz Ulrich (CDU). Den letzten Ausschlag für ein positives Votum aber gab wahrscheinlich der Granaer Unternehmer Hermann Schröder. „Bitte beachten Sie“, wandte er sich an die Gemeinderatsmitglieder, „dass es hier nur um eine erste Willensbekundung von Ihnen geht. Wenn das Projekt auf den Weg gebracht wird, wird es noch reichlich Antragsverfahren geben, an denen sich dann alle beteiligen können“.

Tatsächlich geht Srboljub Stancic davon aus, „dass es nicht vor Mitte 2022 losgehen wird, eher Ende 2022.“ Bis dahin habe er genug Zeit, sich um mögliches Fördergeld aus dem Strukturwandel zu bemühen. „Eine schwierige Sache hat ein gutes Ende gefunden“, resümierte er.

›› Das Unternehmen im Internet: fh-finnholz.com  (mz)