Schlachtgedenken in Kaja

Der Pappmaché-Marschall steht jetzt

Vor dem Ney-Haus in Kaja wartet künftig bei gutem Wetter ein Reiterstandbild auf die Touristen. Warum es in Rippach eine Kranzniederlegung gab.

Von Holger Zimmer
Peter Mechler (links) und Volkmar Schramm stellen vor dem Ney-Haus in Kaja die bronzen schimmernde Statue des Marschalls auf. Sie ist aus Pappmaché gefertigt und wird in der Nacht mit einer Plane abgedeckt. (Foto: Holger Zimmer)

Kaja - Nichts geht mehr? Das stimmt nur zum Teil. Fakt ist, dass das Scharnhorst-Fest im zweiten Jahr nacheinander wegen der Corona-Pandemie abgesagt worden ist. Doch in Rippach und Großgörschen gab es Kranzniederlegungen und seit Sonnabend steht vor dem Ney-Haus in Kaja der bronzen schimmernde französische Marschall, der hier vor der Schlacht vom 2. Mai 1813 gegen Preußen und Russen übernachtet hat. Peter Mechler (64) sagt aber in Richtung potenzieller Metalldiebe: „Ein Diebstahl lohnt sich wirklich nicht, weil die Statue komplett aus Pappmaché hergestellt worden ist.“

Begonnen hatte er vor zehn Jahren, auf diese Weise Kulissen für die Jahrestage der Leipziger Völkerschlacht zu bauen. Dabei formt er die Körper aus rund 20 Zeitungsseiten, die mit Tapetenkleister verklebt werden. Dann folgt ein Überzug aus einem Brei aus zerkleinerten Zeitungen, Wasser und Kleister. Einige Jahre habe er Lehrgeld gezahlt, bis es richtig lief. Ein erstes Pferd hatte dann den Transport nicht überlebt, doch dessen Teile hat er nun wiederverwendet. In Kaja kreierte er dann außerdem Holzfässer und Kanonenrohre, die täuschend echt aussehen, sich aber spielerisch leicht anheben lassen. Mechler sagt: „Ich muss die Formen im Kopf haben, bevor ich sie herstellen kann.“

Eindruck der Zeit von vor 200 Jahren

Der gebürtige Leipziger ist gelernter Drucker, inzwischen aber Ruheständler. Seit dem Ende der DDR-Zeit engagiert er sich in der napoleonischen Szene. In einer Felddruckerei hatte er Zeitungen von 1813 neu aufgelegt, die immer auch beim Scharnhorst-Fest reißenden Absatz fanden. Hinzu kam, dass er jahrelang erst allein und dann im Zusammenwirken mit dem Großkorbethaer Napoleon-Fan Rüdiger Peters die historischen Schlacht-Szenen moderiert hat. 20 Jahre wohnt Mechler im kommenden Jahr im Marschall-Ney-Haus und führt gern auch Touristen durch die unteren Räume, die einen Eindruck der Zeit von vor 200 Jahren vermitteln. Vorausgesetzt, es ist nicht gerade Corona.

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(Foto: Holger Zimmer)

Auch ein Modell des früheren Vier-Seiten-Hofes ist drinnen zu sehen, der inzwischen viel an historischer Substanz verloren hat. So ist eine alte und baufällige Scheune zusammengefallenen, so dass sich Mechler an die Zerstörungen von 1813 erinnert fühlte. Erst vor zwei Jahren wurde der Schuttberg fast völlig beseitigt. Und 2007 beschleunigte der Orkan Kyrill den Verfall des Stalles. Große Teile des Dachstuhls sind zusammengebrochen, auch Mauern stürzten ein. Die Gedanken des Marschall-Ney-Fördervereins, dem Mechler vorsteht, gingen sogar mal hin zu Überlegungen, um den Fahrradtourismus samt Übernachtungen und touristischen Angeboten zu entwickeln. Längst aber geht es nur noch um eine Teilnutzung des Gebäudes, das der Stadt gehört. Auf jeden Fall sind laut Mechler dringende Sicherungsmaßnahmen notwendig.

2008 wurde ein Denkmal oberhalb des Dorfes eingeweiht

Auch mit dem Marschall-Ney-Reiterstandbild hofft er, das Haus mehr in den Mittelpunkt zu rücken. Allerdings musste er wegen des für Sonntag angekündigten Regens den Reiter wieder vom Pferd heben und dieses samt der bronzefarbigen Pferdeäpfel mit einer Plane abdecken. Doch wenn die Sonne klettert, wird das Reiterstandbild wieder Gästen präsentiert. Nur ein Besuch der Ausstellung wird wohl vorerst wegen Corona nicht möglich sein.

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(Foto: Holger Zimmer)

Marschall Ney spielte am Sonnabend-Vormittag auch in Rippach eine Rolle. Napoleon-Fan Rüdiger Peters las aus einem Buch vor, wie der französische General Jean-Baptiste Bessières durch eine Kanonenkugel schwer verwundet worden ist und kurze Zeit später starb. Angesichts der Beliebtheit des Mannes forderte Ney, dass sein Tod zunächst verheimlicht werden sollte. Der Leichnam wurde aufgebahrt, abgedeckt und der Adjutant nahm Degen und Uhr an sich. Seit 1991 gibt es eine Gedenktafel für Bessières am ehemaligen Gasthaus „Weißer Schwan“ und 2008 wurde ein Denkmal oberhalb des Dorfes eingeweiht. Damals wie auch an diesem Sonnabend waren wieder einige Vertreter von Traditionsgruppen bei der Kranzniederlegung dabei. (mz)