Skeptiker machen mobil

Corona-Protest in Naumburg: Unterstützt Teucherner Bürgermeister politisch-extreme Lager mit seiner Rede?

In Naumburg sind am Freitag 300 Menschen einem Aufruf zu einem Corona-Protest gefolgt. Die Liste der Redner dort überrascht.

Von Alexander Kempf Aktualisiert: 13.12.2021, 13:31
Plakat auf einer Corona.´-Protestkundgebung. (Symbolbild)
Plakat auf einer Corona.´-Protestkundgebung. (Symbolbild) (Foto: Martin Schutt/dpa-Zentralbild/dpa)

Naumburg/MZ - Die im Bundestag beschlossene Impfpflicht für Pflegekräfte hat Corona-Proteste in Mitteldeutschland neu angefacht. Am Freitagabend fand auch in Naumburg eine kurzfristig angemeldete Protestkundgebung statt.

Nach Angaben der Polizei hatten an dieser rund 300 Menschen teilgenommen. Die Veranstaltung sei ruhig verlaufen. Zu möglichen Verstößen gegen geltende Abstandsregeln der Teilnehmer konnte ein Polizeisprecher keine Angaben machen und verwies auf die Zuständigkeit der Veranstaltungsbehörde. Das Naumburger Ordnungsamt war am Sonntagnachmittag für eine telefonische Nachfrage aber nicht erreichbar.

Kommentar: Bärendienst vom Bürgermeister - Alexander Kempf über demokratisches Miteinander.

Verstoß gegen Corona-Regeln bei Protest-Demo in Naumburg

Im Internet dokumentiert ein Video die Veranstaltung. Es zeigt neben einem Demonstrationszug entlang einer Naumburger Straße, bei dem die große Mehrheit der Teilnehmer keine Maske trug, auch mehrere Redebeiträge. Überraschend für manchen dürfte der Auftritt des Teucherner Bürgermeisters Marcel Schneider sein. Der gehörte in der Vergangenheit zu jenen, die laut vor den Gefahren des Virus gewarnt und sich schon früher Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gewünscht hatten.

Auf der Demonstration spricht Marcel Schneider nun im Zusammenhang mit der Impfpflicht von einer roten Linie, die überschritten wurde. „Demokratische Verhältnisse sehe ich nicht mehr“, so Schneider wörtlich. Weiter bezeichnete er geltende Regeln wie 2G und 2G+ als „unsinnig“. Er stellte zudem die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen, die seine Verwaltung in Teuchern umzusetzen habe, infrage.

Unterstützt Teucherner Bürgermeister politische extreme Lager mit seiner Rede auf Demo?

Auf Nachfrage der Mitteldeutschen Zeitung relativiert Marcel Schneider, seine Aussage zur vermeintlich nicht vorhandenen Demokratie. „Die Worte hätte ich anders wählen müssen“, so Schneider. Ausdrücken wollte er demnach die Sorge, dass viele Menschen sich nicht trauen würden, offen ihre Meinung zu sagen und er deshalb ein Erstarken der politisch extremen Lager fürchte.

Doch unterstützt der Teucherner Bürgermeister nicht jene? Eine andere Rednerin in Naumburg war am Freitag die Weißenfelserin Grit Wagner. Die bezeichnete in ihrer Wortmeldung Politiker als verlogen und „Volksbetrüger“. Ihr Zorn richtete sich insbesondere gegen den neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach, dem sie unterstellte, betrunken in Talkshows zu sitzen. Der Presse warf Grit Wagner vor, sich ihre Inhalte diktieren zu lassen und machte sie als „Märchenschreiberei“ verächtlich.

Schneider warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft und lehnt eine Impfpflicht ab

Von solchen Verschwörungstheorien will sich der Teucherner Bürgermeister vor Ort distanzieren. Aber auch er polemisiert. Etwa gegen die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, die sich für eine Impfpflicht bestimmter Berufe ausgesprochen hat. Marcel Schneider warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft und lehnt eine Impfpflicht ab.

Dabei versteht er sich selbst nicht als Impfgegner. Auf Nachfrage erklärt er sogar, Personen aus Risikogruppen zu einer Impfung zu raten. Für ihn selber käme diese aber nicht infrage. „Weil ich nicht zu der Risikogruppe gehöre“, so der 41-Jährige.