Corona-Skeptiker machen mobil

Demo in Naumburg: Teucherns Bürgermeister als Redner

Rund 300 Teilnehmer folgen Aufruf zu Protestveranstaltung.

Von Alexander Kempf 13.12.2021, 09:46
In Naumburg protestierten am Freitagabend Teilnehmer einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen.  Ein Video auf Youtube dokumentiert die Veranstaltung.
In Naumburg protestierten am Freitagabend Teilnehmer einer Demo gegen die Corona-Maßnahmen. Ein Video auf Youtube dokumentiert die Veranstaltung. (Screenshot: Tageblatt/MZ)

Naumburg/Teuchern - Die im Bundestag beschlossene Impfpflicht für Pflegekräfte hat Corona-Proteste in Mitteldeutschland neu angefacht. Am Freitagabend fand auch in Naumburg eine kurzfristig angemeldete Protestkundgebung statt. Nach Angaben der Polizei hatten an dieser rund 300 Menschen teilgenommen. Die Veranstaltung sei ruhig verlaufen. Zu möglichen Verstößen der Teilnehmer gegen Abstandsregeln konnte ein Polizeisprecher keine Angaben machen und verwies auf die Zuständigkeit der Veranstaltungsbehörde. Das Naumburger Ordnungsamt war am Sonntagnachmittag für eine telefonische Nachfrage nicht erreichbar.

Im Internet dokumentiert ein Video die Veranstaltung. Es zeigt neben einem Demonstrationszug, startend auf der Vogelwiese, bei dem die große Mehrheit der Teilnehmer keine Maske trug, auch mehrere Redebeiträge.

Überraschend für manchen dürfte der Auftritt des Teucherner Bürgermeisters Marcel Schneider sein. Der gehörte in den Vergangenheit zu jenen, die laut vor den Gefahren des Virus gewarnt und sich schon früher Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie gewünscht hatten. Auf der Demonstration spricht Marcel Schneider nun im Zusammenhang mit der Impfpflicht von einer roten Linie, die überschritten würde. „Demokratische Verhältnisse sehe ich nicht mehr“, so Schneider wörtlich. Weiter bezeichnete er geltende Regeln wie 2G und 2G+ als „unsinnig“. Er stellte zudem die Sinnhaftigkeit der Maßnahmen, die seine Verwaltung in Teuchern umzusetzen habe, in Frage.

Marcel  Schneider (parteilos)  ist Bürgermeister von Teuchern.
Marcel Schneider (parteilos) ist Bürgermeister von Teuchern.
(Foto: Peter Lisker)

Auf Nachfrage von Naumburger Tageblatt/MZ relativiert Marcel Schneider seine Aussage zur vermeintlich nicht vorhandenen Demokratie. „Die Worte hätte ich anders wählen müssen“, so Schneider. Ausdrücken wollte er demnach die Sorge, dass viele Menschen sich nicht trauen würden, offen ihre Meinung zu sagen und er deshalb ein Erstarken der politisch extremen Lager fürchte. Doch unterstützt der Teucherner Bürgermeister so nicht gerade jene? Eine andere Rednerin in Naumburg war am Freitag die Weißenfelserin Grit Wagner. Diese bezeichnete in ihrer Wortmeldung Politiker als verlogen und „Volksbetrüger“. Ihr Zorn richtete sich insbesondere gegen den neuen Gesundheitsminister Karl Lauterbach, dem sie unterstellte, betrunken in Talkshows zu sitzen. Der Presse warf Wagner vor, sich Inhalte diktieren zu lassen und machte sie als „Märchenschreiber“ verächtlich.

Von solchen Verschwörungstheorien will sich der Teucherner Bürgermeister vor Ort distanzieren. Aber auch er polemisiert. Etwa gegen die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften, die sich für eine Impfpflicht bestimmter Berufe ausgesprochen hat. Marcel Schneider warnt vor einer Spaltung der Gesellschaft und lehnt eine Impfpflicht ab. Dabei versteht er sich selbst nicht als Impfgegner. Auf Nachfrage erklärt er sogar, Personen aus Risikogruppen zu einer Impfung zu raten. Für ihn selbst käme diese aber nicht in Frage. „Weil ich nicht zu der Risikogruppe gehöre“, so der 41-Jährige.